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Prävalenz Tierschutz-relevanter Verschmutzungen bei Milchkühen in niedersächsischen Milchviehbetrieben

Prevalence of welfare-relevant soiling of dairy cows in farms in Lower Saxony

Der Praktische Tierarzt 99, 1187-1197

DOI: 10.2377/0023-2076-18-41

Publiziert: 10/2018

Zusammenfassung

Ziel dieser prospektiven Feldstudie war die Erfassung Tierschutz-relevanter Indikatoren bei laktierenden Kühen in einer repräsentativen Stichprobe niedersächsischer Milchviehbetriebe sowie die Evaluierung wichtiger Einflussfaktoren auf die Prävalenz dieser Indikatoren. Die Ergebnisse sollen im Rahmen des „Tierschutzplans Niedersachsen“ eine rationale Grundlage für die Diskussion geeigneter Ziel- und Alarmwerte bilden. Die Datenerhebung erfolgte auf 159 Betrieben mit Boxenlaufstallhaltung und Milchleistungskontrolle unter Berücksichtigung der Bestandsgrößen sowie der regionalen Verteilung. Auf den Betrieben wurden 13.985 laktierende Kühe gehalten. Davon konnten 13.600 Tiere (97,3 %) bezüglich des Verschmutzungsgrades beurteilt werden. Der Verschmutzungsgrad beider Hinterbeine oberhalb der Tarsalgelenke, der Flanken, des Euterspiegels und der lateralen Fläche des Abdomens wurde bei allen laktierenden Kühen einer Herde anhand eines 3-Punkte-Schemas beurteilt (Score 1: saubere bzw. geringgradig verschmutzte Tiere, d. h. allenfalls wenige Dreckspritzer mit einer Gesamtfläche von maximal zwei Handflächen; Score 2: mittelgradige Verschmutzung, d. h. das Haarkleid ist auf einer Fläche von mehr als zwei Handflächen verschmutzt, aber größtenteils sichtbar; Score 3: hochgradige Verschmutzung, d. h. verkrustete Schmutzplatten, durch die kaum noch Haare sichtbar sind oder flächige Verschmutzung des Haarkleides). Für den Anteil sauberer bzw. geringgradig verschmutzter Tiere (Score 1) ergab sich über alle Betriebe ein Medianwert von 19,5 % [25/75 Quartil: 3,9/43,8]. Mittelgradige Verschmutzungen (Score 2) wurden in den Herden bei 77,1 % [55,4/87,5] der laktierenden Tiere nachgewiesen.
Besondere Beachtung galt den als Tierschutz-relevant definierten hochgradigen Verschmutzungen (Score 3); der Medianwert lag hier bei 1,0 % [0/3,8] der Kühe. Einen signifikanten Einfluss auf die Prävalenz hochgradig verschmutzter Kühe hatten insbesondere Liegeboxentyp, Belegungsdichte, Liegeboxen-Tier-Verhältnis, Einstreuen von Hochliegeboxen, Säuberungsintervall der Liegeboxen, Art der Seitenabtrennungen, Säuberung der Laufflächen, Dauer des täglichen Weidegangs sowie die Aufstallungsart der trockenstehenden Kühe. Schlussfolgernd würde ein Alarmwert von 4 % hochgradig verschmutzter Kühe geeignet sein, um die 25 % der Betriebe mit der stärksten Verschmutzung der Kühe in Niedersachsen zu erfassen. Auf Betrieben mit einem überdurchschnittlichen Anteil hochgradig verschmutzter Milchkühe ermöglichen einfache und praktikable Maßnahmen eine nachhaltige Verbesserung der Sauberkeit der Kühe und damit des Tierwohls. Es ist hervorzuheben, dass das generelle Betriebsmanagement einen per se deutlich größeren Einfluss auf den Verschmutzungsgrad der Tiere hat als einzelne stallbautechnische Details.

Originalveröffentlichung: Bei diesem Artikel handelt es sich um die Republikation eines Artikels aus der Berliner und Münchener Tierärztlichen Wochenschrift. Den Originalartikel finden Sie hier.

Tierwohl
Tiergesundheit
Nutztierhaltung
Tierschutz- relevante Indikatoren

Summary

It was the objective of this prospective field study to assess welfare-relevant indicators in lactating dairy cows in a subsample of dairy farms in Lower Saxony/Germany and to evaluate important factors affecting the prevalence of these indicators. The results were provided to constitute a rational basis for the discussion of appropriate target and alarm values within the framework “Tierschutzplan Niedersachsen”. A randomized sample of 159 dairy farms in Lower Saxony with cubicle housing systems and milk production recordings were included being representative for Lower Saxony in respect to farm size and regional distribution. These farms kept 13,985 lactating dairy cows. A total of 13,600 cows (97.3%) could be assessed in respect to the degree of soiling when each lactating cow was rated in respect to the soiling of both hind legs above the tarsus, backside of the udder and lateral abdominal wall using a three-point scoring system (score 1: clean or slight soiling, i.e. at the most few splashes of dirt with a total area of two palms of a hand; score 2: moderate soiling, i. e. hair coat soiled over an area of more than two palms, but for the most part visible; score 3: severe soiling, i. e. incrusted extended soiling, hair coat hardly detectable). Score 3 was defined as an indicator relevant for animal welfare.
The median for the proportion of clean or slightly soiled cows (score 1) assessed over 159 farms was 19.5% [25/75 quartils: 3.9/43.8], moderate soiling (score 2) affected 77.1% [55.4/87.5 of the cows in the herds, and severe soiling (score 3) was found in 1.0% [0/3.8] of the cows. A significant effect on the prevalence of severely soiled cows was evidenced for the type of cubicles, the presence of bedding material in cubicles with mats, the cleaning interval of cubicles, the type of lateral cubicle separation, alley scraping, access to pasture and the type of housing for dry cows. It is concluded that an alarm value of 4% severely soiled cows would be appropriate to assess 25% of the farms in Lower Saxony with the most severely soiled dairy cows. Moreover, simple and feasible actions on farms with an above-average proportion of heavily soiled cows allow to improve the cleanliness and, thereby, animal welfare. However, the general operational management on the farm exerts a markedly larger impact on the degree of soiling of the cows than single constructional details.

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