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Prävention von Schulterulzera bei Zuchtsauen

Läsionen über dem Tuber spina scapulae sind bei Sauen häufig und können das Tierwohl massiv beeinträchtigen: Insbesondere tiefe Ulzera sind sehr schmerzhaft. Durch eine klinische Risikoeinschätzung sowie Gummimatten im Abferkelstall lässt sich effektiv vorbeugen.

Beim Abferkeln entstehen bei Sauen häufig Schulterulzera, weil die Tiere unter der Geburt und in den ersten Tagen der Laktation viel Zeit in Seitenlage verbringen. Läsionen, die sich in der Tiefe bis in die Unterhaut ziehen oder sogar den Knochen mitbetreffen, sind ein ernsthaftes Tierschutzproblem.

Gefährdete Sauen erkennen
Zahlreiche Risikofaktoren für die Druckgeschwüre über dem Schulterblatt sind bekannt. Insbesondere lahm gehende Sauen entwickeln deutlich häufiger ein Schulterulkus, weil sie öfter und länger liegen. Daneben erhöht ein niedriger Body Condition Score das Risiko, weil mit einem schlechten Ernährungszustand ein geringeres Fettpolster über dem Schulterblatt einhergeht. Sauen mit Narbengewebe in der Haut über dem Tuber spinae scapulae sind besonders gefährdet, weil Tiere, die bereits früher ein Schulterulkus hatten, dazu neigen, erneut zu erkranken. Schließlich spielt auch die Haltung eine Rolle, zum Beispiel die Beschaffenheit des Stallbodens.

Das Risiko effektiv senken
Daniel Meyer hat im Rahmen seiner Doktorarbeit mit Elisabeth große Beilage von der Außenstelle für Epidemiologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Bakum) untersucht, wie Schulterulzera vorgebeugt werden kann. Die Wissenschaftler haben 659 Sauen vor dem Umstallen in den Abferkelstall klinisch auf die Risikofaktoren Lahmheit, BCS und Narbengewebe untersucht und in zwei Gruppen eingeteilt: 194 Risiko-Sauen und 465 Sauen ohne Risiko. Sauen ohne Risiko wurden in Standard-Abferkelbuchten eingestallt, ebenso 101 der Risikotiere. Die 93 übrigen Sauen mit erhöhtem Risiko für Schulterulzera bekamen Abferkelbuchten, in denen im vorderen Bereich des Kastenstandes 2 cm dicke Gummimatten (PORCA fix, Gummiwerk KRAIBURG Elastik GmbH & Co. KG, D) auf dem Boden befestigt waren.

Innerhalb von 18 Tagen post natum wurden alle Sauen fünfmal untersucht. Während 23 Prozent der Sauen ohne Risiko Schulterulzera entwickelten, waren es bei den Risikotieren ohne Gummimatte sogar 62,4 Prozent. Die zuvor als gefährdet selektierten Tiere hatten somit ein 5,55-mal höheres Risiko, ein Schulterulkus zu entwickeln. Durch die präventive Ausstattung der Abferkelbucht mit einer weichen Gummimatte konnte erreicht werden, dass die Gefahr der Risikosauen, an einem Schulterulkus zu erkranken, gegenüber den Risikosauen, denen keine Gummimatte zur Verfügung stand, nur noch bei 0,54 lag.

Schulterulzera therapieren
Die Autoren plädieren für ein genaues Monitoring von Sauen kurz nach dem Abferkeln, damit die Tiere schon bei frühen Anzeichen wie einer leichten Rötung oder Schwellung über dem Schulterblatt therapiert werden können. Empfohlen wird eine sofortige Dekompression durch eine Gummimatte auf dem Boden. Hautläsionen sollten mit 25-prozentiger Zinksalbe lokal behandelt werden. Bei Ulzera, die sich bis in die Dermis oder gar den Knochen erstrecken, ist eine Schmerzmedikation unbedingt indiziert. In manchen Fällen kann ein frühes Absetzen der Ferkel eine Verschlimmerung der Läsionen verhindern. Bei Ulzera, die Unterhaut oder Knochen miteinbeziehen, sollte zudem über eine Euthanasie nachgedacht werden. Chronische Ulzerationen können ggf. von einer lokalen Antibiose profitieren. Bei allen 659 untersuchten Tieren waren Schulterulzera in der Unterhaut selten.
Läsionen, die sich bis auf den Knochen erstreckten, kamen nur bei Risikotieren ohne Gummimatte vor und auch hier nur bei einem Prozent der Tiere. Dies führen die Autoren darauf zurück, dass alle Ulzerationen, die tiefer als die Epidermis reichten, sofort mit Zinksalbe und durch eine Gummimatte am Boden behandelt wurden. Die Wirksamkeit dieser Therapie wurde bereits in anderen Studien nachgewiesen.

Fazit
Die Daten aus Bakum zeigen, dass Risikotiere zuverlässig mittels einer kurzen klinischen Untersuchung mit Fokus auf Lahmheit, BCS und Narbengewebe selektiert werden können. Die Autoren empfehlen, diese Risikoeinschätzung bei hochtragenden Sauen im Wartestall durchzuführen, kurz vor dem Wechsel in den Abferkelstall. So können die Ergebnisse beim Einstallen berücksichtigt werden: Eine weiche Gummimatte in der Bucht kann bei Sauen mit erhöhtem Risiko das Auftreten von Schulterulzera um mehr als die Hälfte reduzieren.


Originalpublikation:
Meyer D, Vogel C, Kreienbrock L, große Beilage E (2019): How effective are clinical pre-farrowing risk assessment and the use of soft rubber mats in preventing shoulder ulcers in at-risk sows? Porcine Health Manage 5: 16. DOI 10.1186/s40813-019-0123-z.

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