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Der Praktische Tierarzt

Republikation: Tierschutzrelevante Zuchtprobleme beim Milchvieh – Interaktion zwischen dem Zuchtziel „Milchleistung“ und dem vermehrten Auftreten von Produktionskrankheiten

Breeding problems relevant to animal welfare in dairy cattle – Interaction between the breeding goal “milk yield” and the increased occurrence of production diseases

Der Praktische Tierarzt 102, 1206–1216

DOI: 10.2376/0032-681X-2157

Eingereicht: 1. März 2021

Akzeptiert: 30. April 2021

Publiziert: 11/2021

Zusammenfassung

Hochleistungsmilchkühe erbringen heutzutage in Deutschland im Durchschnitt Milchmengen von 9.000 kg Milch pro Kuh und Jahr und in zwei bis drei Laktationen eine Lebensleistung von 29.000 kg Milch. Die leistungsorientierte Milchviehzucht wird bestimmt durch die Setzung von Zuchtzielen und nimmt indirekt Einfluss auf die Gesundheit der Milchkühe. Insbesondere Hochleistungskühe, wie Holstein Friesian Kühe, zeigen ein vermehrtes Auftreten von Produktionskrankheiten, hohe unfreiwillige Abgangsraten und eine kurze nicht ökonomisch sinnvolle Nutzungsdauer. Der Artikel gibt einen Überblick über das Ergebnis einer systematischen Literaturrecherche der von 1986–2020 publizierten Fachliteratur zum Thema leistungsorientierte Milchviehzucht und daraus möglicherweise entstandene Tierschutzprobleme. Die analysierte Fachliteratur zeigt eine genetische Assoziation zwischen dem Auftreten verschiedener Produktionskrankheiten und der Milchleistung einer Kuh. Die Verfolgung der einseitigen produktionsfördernden Zuchtziele in der Milchviehzucht haben die gesundheitlichen Probleme der Hochleistungskühe verschärft. Die Ausprägung der negativen Energiebilanz in der Frühlaktation und damit die Entstehung vieler peripartaler Erkrankungen wie Ketose, Mastitis, Metritis oder Klauenerkrankungen haben einen genetischen Hintergrund, sind multifaktoriell und können nicht allein durch ein besonderes Management oder eine besondere Tierhaltung verhindert werden. Durch Anpassung der Zuchtziele mit einer größeren Gewichtung von Gesundheitsmerkmalen kann die Milchviehzucht zu einer besseren Tiergesundheit und mehr Tierwohl beitragen und einen Rückschluss auf tierschutzrelevante Tatbestände, wie Überforderung oder Qualzucht, vermeiden. 

Milchleistung
Milchviehzucht
Tierschutz
Produktionskrankheiten
Milchkuh

Summary

Today, high-performance dairy cows in Germany produce an average of 9,000 kg of milk per cow and year and a lifetime production of 29,000 kg of milk in two to three lactations. Performance-oriented dairy farming contributes to this by setting breeding goals and has an influence on the health of the dairy cows. High-performance cows in particular, such as Holstein Friesian cows, show an increased incidence of production diseases, high involuntary loss rates and a short useful life that is not economically viable. The article gives an overview of the result of a systematic literature search of the scientific literature published from 1986–2020 on the subject of performance-oriented dairy farming and the animal welfare problems that may arise from it. The scientific literature analyzed shows a genetic association between the occurrence of various production diseases and the milk yield of a cow. The pursuit of the one-sided production-promoting breeding goals in dairy farming have exacerbated the health problems of high-performance cows. The manifestation of the negative energy balance in early lactation and thus the development of many periparturient diseases such as ketosis, mastitis, metritis or claw diseases have a genetic background, are multifactorial and cannot be prevented by special management or animal husbandry alone. By adapting the breeding goals with a greater weighting of health characteristics, dairy cattle breeding can contribute to better animal health and more animal welfare and avoid drawing conclusions about animal welfare-relevant facts such as excessive demands or tortured breeding.

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dairy farming
animal welfare
production diseases
Dairy cattle

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