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Entwurmung von Schaf und Ziege: Resistenzen sind häufig.
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Entwurmung von Schaf und Ziege: Resistenzen sind häufig.

Journal Club

Kleine Wiederkäuer entwurmen – aber womit?

Resistenzen gastrointestinaler Nematoden gegen antihelmintische Wirkstoffe nehmen weltweit an Bedeutung zu. Doch wie ist die Situation in Deutschland?

Von Julia Nitz

Zur Wirksamkeit antihelmintischer Wirkstoffe bei kleinen Wiederkäuern lagen bisher für Deutschland nur anekdotenhafte Erkenntnisse vor. Jetzt wertet eine landesweite Feldstudie die Wirksamkeit von antihelmintischen Behandlungen mittels Kotuntersuchungen aus.

Um einen Überblick über die Resistenzsituation in Deutschland zu erstellen, wurden Sammelkotproben aus 223 Herden kleiner Wiederkäuer mittels Eireduktionstest (FECRT) und modifizierter McMaster Methode vor und nach antihelmitischer Behandlung untersucht. Die Behandlungen wurden eigenständig durch die Landwirte und ihre betreuenden Tierärzte geplant und durchgeführt. Mittels Fragebogen wurde die korrekte Durchführung der Behandlungen erfragt und ermittelt, ob eine angemessene Dosierung des Wirkstoffs verabreicht wurde.

Reduzierte Wirksamkeit bei allen Wirkstoffklassen

Auch wenn alle getesteten Wirkstoffklassen eine reduzierte Wirksamkeit zeigten, war sie für Benzimidazole und Moxidectin signifikant geringer als für Monepantel und Levamisole. Bei Schafen waren insgesamt 65,1 Prozent der Behandlungen erfolgreich, bei Ziegen 54,3 Prozent. Insbesondere Haemonchus contortus überlebten die Behandlungen häufig. Lediglich eine Kombination aus Closantel und Mebendazol konnte bei Schafen eine vollständige Reduktion erwirken, während bei Ziegen Moxidectin und Benzimidazole die beste Wirkung erzielten. Während Schafherden fast immer korrekt behandelt wurden, kam es in Ziegenherden häufig zu Unterdosierungen des Wirkstoffs. Für Ziegen müssen häufig Produkte umgewidmet werden, doch die notwendige Dosisanpassung bleibt oft aus

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Eine breitere Wirkstoffvielfalt ist nötig

Die Behandlungen durch die Landwirte konnten nicht kontrolliert werden und es wurden auch nicht alle verfügbaren Wirkstoffklassen in ausreichender Frequenz eingesetzt, um eine statistische Auswertung zu erlauben. Dennoch zeigt sich, dass es über alle Wirkstoffklassen erfolglose Behandlungen gibt, selbst für den noch recht jungen Wirkstoff Monepantel. Die derzeit in Deutschland für kleine Wiederkäuer zugelassene Auswahl antihelmintischer Wirkstoffe ist zudem sehr klein, sodass eine nachhaltige Rotation innerhalb der Wirkstoffklassen nur schwer möglich ist und so die Selektion von Resistenzen gefördert werden kann. Die Autoren zeigen sich besorgt über die hohe Anzahl wirkungsloser Behandlungen und halten alternative Strategien für die Entwurmung für dringend erforderlich.

Originalpublikation

Voigt K, Geiger M, Jäger MC, Knubben-Schweizer G, Strube C, Zablotski Y (2022): Effectiveness of Anthelmintic Treatments in Small Ruminants in Germany. Animals 12, 1501. doi.org/10.3390/ani12121501.

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