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Es ist wichtig, dass Hunde ganzjährig gegen Zecken geschützt werden. 
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Es ist wichtig, dass Hunde ganzjährig gegen Zecken geschützt werden. 

Interview

Für Hunde ist eine ganzjährige Zeckenprophylaxe unbedingt zu empfehlen

Die Redaktion der Kleintierpraxis hat mit Prof. Dr. Christina Strube, Universitätsprofessorin und Direktorin des Instituts für Parasitologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, über die zunehmende Ausbreitung gesprochen.

Ist Ihnen eine steigende Anzahl endemischer Babesiose­fälle in Deutschland bekannt?

Prof. Dr. Christina Strube: Ja, es gibt bereits entsprechende Berichte z. B. aus dem Raum Berlin-Brandenburg und aus Südhessen.

Stellt eine zunehmende Verbreitung der Dermacentor-­Zecken auch eine Gefahr für den Menschen dar?

Strube: Dermacentoren können Rickettsia-Arten übertragen, die eine Lymphadenitis auslösen können. Des Weiteren kann Dermacentor reticulatus – neben dem Holzbock Ixodes ricinus – als Vektor des FSME-Virus fungieren und trägt evtl. zu einer veränderten Epidemiologie dieses Virus bei. Insgesamt wurden Dermacentorenstiche des Menschen in unserer Studie jedoch nur selten berichtet, sodass das Gesundheitsrisiko für den Menschen im Vergleich zum Hund untergeordnet erscheint.


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Die Buntzecke ist auch noch bei Temperaturen um die 4 °C aktiv – sollten Tierärzte daher zu einem ganzjährigen Zeckenschutz raten?

Strube: Ja, wir müssen in puncto Zeckenschutz auf die starke Ausbreitung von D. reticulatus und die höhere Kältetoleranz dieser Zeckenart reagieren! Wichtig zu wissen ist hierbei auch, dass sich die zeitlichen Aktivitätsmuster von Dermacentor reticulatus und dem Holzbock Ixodes ricinus komplementieren. Da beide Zeckenarten relevante Erreger übertragen, ist für Hunde eine ganzjährige Zeckenprophylaxe unbedingt zu empfehlen! Dabei sollte bedacht werden, dass manche Präparate eine ­kürzere Wirkdauer gegen Dermacentor-Arten als gegen Ixodes-Arten aufweisen.

Aber nicht allein die Buntzecke, sondern auch der Klimawandel führt dazu, dass wir bei der Zeckenprophylaxe nicht mehr nur von April bis Oktober denken dürfen, denn unsere jüngsten Forschungsergebnisse zeigen, dass mittlerweile auch der Holzbock Ixodes ricinus in den Wintermonaten aktiv ist und ganzjährig Hunde und Katzen befällt.

Daher sollten auch Hunde, die nur in bislang noch D. reticulatus-freien Arealen Auslauf haben, ganzjährig gegen Zecken geschützt werden – und das gilt natürlich auch für Katzen!

Die räumliche Verteilung von Dermacentor-Zecken in Deutschland 

Die zunehmende Ausbreitung von D. reticulatus, dem Überträger der caninen Babesiose, ist von großer Bedeutung. Hundebesitzer sollten daher adäquat über das Vorkommen der Zecken und Maßnahmen zur Prophylaxe informiert werden. 
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Planen Sie weitere Studien, um die Verbreitung von Dermacentor-­Zecken zu verfolgen?

Strube: Die Folgestudie gibt es bereits und wir möchten in diese auch Vorhersagemodelle zur Verbreitung einbeziehen. Daran wird derzeit gearbeitet.

Sie engagieren sich sehr für die Forschung in der veterinärmedizinischen Parasitologie – woran arbeiten Sie aktuell bzw. worin liegt Ihr thematischer Fokus?

Strube: Unser Hauptaugenmerk gilt dem Themengebiet „Veterinary­ Public Health“, unsere Forschung ist also auf die Gesund­erhaltung von Tier und Mensch ausgerichtet. Ein Schwerpunkt ist dabei das Vorkommen von Zecken und Zecken-übertragenen Erregern. Hierzu führen wir Langzeitstudien in Hannover durch, untersuchen aber auch andere Orte, um beeinflussende Faktoren sowie Folgen des Klimawandels zu analysieren. Den zweiten Forschungsschwerpunkt bilden zoonotische Spulwürmer von Hund, Katze und Schwein. Hierbei untersuchen wir neben dem Wechselspiel zwischen Parasit und Wirt die gesundheitlichen Folgen für Mensch und Tier.

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