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Der Praktische Tierarzt

Republikation: Tierschutz in Hobbyhühnerhaltungen: Recht und Realität

Animal Welfare Issues in Backyard Chicken Flocks: Law and Reality

Der Praktische Tierarzt 103, 630–639

Publiziert: 06/2022

Zusammenfassung

Die Haltung von Hobbyhühnern im eigenen Garten gewinnt zunehmend an Popularität. Tierärztliche Kontrollen dieser Haltungen finden nahezu ausschließlich infolge von verhältnismäßig seltenen Tierschutzanzeigen bei der Veterinärbehörde statt. Es ist demnach kaum bekannt, inwiefern Hühner in Privathaltungen tierschutzgerecht gehalten und versorgt werden. Für die Studie wurden in 20 Hobbyhühnerhaltungen Daten zur tierschutzgerechten Haltung und zum Gesundheitsstatus der Tiere vor Ort erfasst. Die Mindestsitzstangenbreite von 25 cm je Tier wurde in elf Haltungen unterschritten. In zwei Ställen wurden weder Lichtöffnungen noch künstliche Beleuchtungen vorgefunden. Bei einer Befragung gaben drei Halter an, dass innerhalb der letzten drei Jahre Tiere in ihrem Bestand erkrankt seien. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung mussten in 40 % der Haltungen klinisch erkrankte Tiere festgestellt werden, in einem Viertel der Haltungen waren Hühner so schwer erkrankt, dass diese umgehend tiermedizinisch versorgt werden mussten. In acht Haltungen wurde ein klinischer Befall mit Kalkbeinmilben und in sieben Haltungen ein klinischer Befall mit Roten Vogelmilben festgestellt. Entsprechend mussten teils vielfache Verstöße gegen das Tierschutzrecht festgestellt werden, die zu erheblichen Schmerzen und Leiden der betroffenen Tiere geführt hatten. Tierschutzrechtliche Vorgaben waren den Haltern nicht bekannt und selbst schwerwiegende Erkrankungen wurden nicht erkannt oder bagatellisiert. Weiter musste ein erheblicher Mangel an tiermedizinischer Versorgung der Hühner und spezifischen Kenntnissen der Halter festgestellt werden. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Veterinärbehörden und praktischen Tierärzten ist gefragt, um durch informierte Halter Hobbyhühner zukünftig besser vor Schmerzen, Leiden und Schäden zu schützen.

Tierschutzgesetz
Kleinsthalter
Privathalter
Tierschutzkontrollen
Geflügel

Summary

Keeping chickens in the own garden is becoming increasingly popular. Veterinary controls of these flocks take place almost exclusively as a result of relatively rare animal welfare reports to the veterinary authority. It is therefore hardly known to what extent backyard chickens are kept and cared for in accordance with animal welfare law. For this study, data on animal welfare and the health status of these animals were recorded on-site in 20 backyard chicken flocks. The minimum perch width of 25 cm per animal was not reached in eleven flocks. Neither windows nor artificial lighting were found in two hen houses. In a survey, three chicken owners stated that animals in their flock had become ill within the last three years. At the time of data collection, clinically ill animals had to be detected in 40 % of the flocks, and in a quarter of the flocks the chickens were seriously ill that they needed curative veterinary care immediately. Clinical infestation with Knemidokoptes was found in eight and clinical infestation with red poultry mites in seven flocks. Accordingly, in some cases multiple violations of animal welfare law had to be found, which had led to considerable pain and suffering for the animals concerned. The owners were not aware of animal welfare requirements and even serious illnesses were not recognized or played down. Further a significant lack of veterinary care for these chickens and a lack of specific knowledge of the owners had to be noticed. Good cooperation between veterinary authorities and practical veterinarians is required to inform the chicken owners in order to protect the backyard chickens from pain, suffering and damage in the future.
 

animal welfare law
veterinary controls
poultry
non-commercial

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