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Meteorismus beim Pferd: Ist die Trokarisierung des Dickdarms eine gute Option?

Beim Pferd ist eine transabdominale oder transrektale Trokarisierung des Dickdarms bei hochgradiger Tympanie möglich. Doch wie sind die Risiken und Nebenwirkungen einzuschätzen?

Bei einer Tympanie ist Eile geboten und das rasche Ablassen von Gas über einen Trokar scheint naheliegend. Doch die Literatur zur Risikoeinschätzung dieses Eingriffs ist dünn. Eine retrospektive Schweizer Studie über 228 Patienten analysierte jetzt Nutzen und Risiko der Trokarisierung.

Dickdarm-Strangulation und -Verlagerung

Die Akten von 198 Pferden, 24 Ponys sowie sechs Eseln und Maultieren aus den Jahren 2005 bis 2014 wurden ausgewertet. Bei 152 Tieren lag eine nicht­strangulierende Dickdarmläsion vor, bei 38 Tieren eine Verlagerung von Dickdarm über das Milz-Nieren-Band, bei 28 Tieren eine Dickdarmstrangulation, bei sieben Tieren eine Dünndarmstrangulation und bei drei Tieren lagen andere Befunde vor. Trokarisiert wurde einmal (168 Tiere), zweimal (38 Tiere), dreimal (16 Tiere) oder viermal (sechs Tiere); bei 83 Prozent wurde transabdominal das Caecum, bei sieben Prozent transrektal Kolon oder Caecum und bei neun Prozent auf beiden Wegen trokarisiert.
Nach der Trokarisierung wurden 55 Tiere operiert und 173 Tiere nur medikamentös behandelt.

Im Fokus standen das Überleben der Tiere bis zur Entlassung aus der Klinik sowie das Auftreten einer klinisch relevanten Peritonitis (nur bei nicht operierten Tieren ausgewertet; definiert als hoher Zellgehalt der Peritonealflüssigkeit plus mindestens zwei der Faktoren: Anorexie, Abgeschlagenheit, abnormale Farbe der Maulschleimhaut, abnormale Leukozytenzahl, > 5 g/l Fibrinogen im Blut).

Trokarisierung: Erfolg und Risiken

Die Überlebensrate lag bei 73 Prozent. Kein Tier starb an den Folgen einer Dickdarm-Trokarisierung. Eine höhere Zahl an Trokarisierungen ging mit höherer Sterblichkeit einher (eine J 21 Prozent; zwei J 29 Prozent; drei J 59 Prozent; vier J 80 Prozent); ansonsten war die Sterblichkeit bei Dickdarmstrangulation besonders hoch (64 Prozent) und bei Verlagerung des Dickdarms über das Milz-Nieren-Band besonders gering (drei Prozent). Eine klinisch relevante Peritonitis entwickelte sich bei 20 Prozent der rein medikamentös behandelten Tiere.

Zwar beleuchtet diese Studie nur den Zeitraum bis zur Entlassung aus der Klinik; in diesem Rahmen stellte sich die Trokarisierung aber als probate Methode mit vertretbarem Nutzen-Risiko-Verhältnis dar.

Originalpublikation:

Schoster A, Altermatt N, Torgerson PR, Bischofberger AS (2020): Outcome and complications following transrectal and transabdominal large intestinal trocarization in equids with colic: 228 cases (2004–2015). J Am Vet Med Assoc 257(2):189–195. DOI 10.2460/javma.257.2.189