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Auch in der Humanmedizin wird Fischhaut zur Versorgung komplexer Wunden eingesetzt.
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Auch in der Humanmedizin wird Fischhaut zur Versorgung komplexer Wunden eingesetzt.

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Fischhaut in der Wundbehandlung bei Hund und Katze

Nordamerikanische Forscher haben untersucht, ob Transplantate aus Fischhaut in der Wundbehandlung hilfreich sein könnten.

Bei Unfällen oder Verbrennungen entstehen nicht selten Wunden, welche dem Kleintierpraktiker zur Behandlung überlassen werden. In Abhängigkeit von Ursache, Ausmaß, Lokalisation und weiterer Faktoren, stellt die Wundbehandlung eine durchaus große Herausforderung dar. Dies trifft vor allem für Wunden zu, die nicht primär verschlossen werden können und damit der sekundären Heilung überlassen werden müssen. Ob dabei die in der Humanmedizin erfolgreich eingesetzten Transplantate aus Fischhaut eine praktikable Herangehensweise bieten können, eruierten Nordamerikanische Tierärzte in einer retrospektiven Studie.

Einzigartige Eigenschaften von Fischhaut

Dabei untersuchten sie die Krankengeschichten von insgesamt 13 Hunden und vier Katzen, welche in zehn verschiedenen Kliniken behandelt wurden. Sie registrierten die angewandten Applikationen und die Heilungsverläufe der Wunden. Es zeigte sich, dass in nahezu allen Fällen eine befriedigende funktionelle Wundheilung erreicht werden konnte. Die Untersucher erklären sich den positiven Einfluss der Transplantate aus Fischhaut in den einzigartigen Eigenschaften Letzterer. So besitzt Fischhaut winzige Poren, die ein Durchwachsen von Epithelzellen unterstützen und ist im Aufbau mit der Säugetierhaut vergleichbar. Trotzdem muss im Gegensatz zu Hauttransplantaten von Schwein oder Rind keine Übertragung infektiöser Erkrankungen befürchtet werden und das Risiko für Autoimmunreaktionen ist deutlich geringer.

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Weitere Studien zwingend erforderlich

Zwar schätzen die Studienautoren aufgrund der dargestellten Fallberichte den Einsatz von Fischhauttransplantaten beim Kleintier als hilfreich ein. Jedoch geben sie auch zu bedenken, dass die untersuchte Fallzahl sehr gering war. Zudem variierten die Fälle hinsichtlich der weiteren Behandlungsmethoden und zeitlichen Verläufe beträchtlich, was die Aussagekraft über den tatsächlichen Effekt der Transplantate weiter einschränkt. Prospektive Studien mit größeren Fallzahlen sind erforderlich um den Nutzen von Fischhauttransplantaten bei der Wundversorgung von Hund und Katze besser einordnen zu können. Für den Einsatz spricht auf jeden Fall, dass bislang keinerlei unerwünschter Wirkungen beobachtet wurden.

Originalpublikation

Mauer ES, Maxwell EA, Cocca CJ, Ganjei J, Spector D (2022): Acellular fish skin grafts for the management of wounds in dogs and cats: 17 cases (2019-2021). AJVR 83: 188-192. doi.org/10.2460/ajvr.21.09.0140

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