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Luzernehäcksel verletzen die Magenschleimhaut

Für Pferde und Fohlen mit Magengeschwüren wird häufig die Fütterung mit Luzerne empfohlen. Doch aktuelle Studien aus Leipzig zeigen, dass es dabei auf die Partikelgröße ankommt. Luzernehäcksel können zu Läsionen der Magenschleimhaut führen.

Luzerne – auch Alfalfa genannt – ist in der Pferdefütterung als besonders wertvolle Nährstoffquelle bekannt. Es enthält leicht verdauliche Proteine, Kalzium und Magnesium. Die Pflanze soll dadurch den Magen-pH puffern können und sich bei Magengeschwüren positiv auswirken. Dies wurde auch in älteren Studien gezeigt: Die Anzahl der Schleimhautläsionen bei mit Luzerne gefütterten Pferden war im Vergleich zu mit Trespenheu (Süßgras) gefütterten Tieren geringer. Doch dem widersprechen die Ergebnisse mehrerer Studien des Leipziger Instituts für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik sowie der Pferdeklinik Destedt: Bei mit Luzernehäckseln gefütterten Pferden wurden ernsthafte Läsionen am Antrum pyloricum und am Pylorus festgestellt.

Grob oder fein – die Partikelgröße ist entscheidend
Die Leipziger Wissenschaftler hatten den Verdacht, dass die Partikelgröße die Ursache für die Läsionen sein könnte. Bei Schweinen konnte in der Vergangenheit gezeigt werden, dass gröber zerkleinertes Futter im Vergleich zu fein zermahlenem zu weniger Läsionen im Magen führte. Daher stellten die Leipziger Autoren die Hypothese auf, dass auch bei Absatzfohlen weniger Läsionen im Magen zu finden sein dürften, wenn sie mit Luzernehäckseln von größtenteils über 2 mm Größe gefüttert wurden, als wenn sie Luzernepellets bekamen, die zu über der Hälfte aus Partikeln kleiner als 0,25 mm bestanden. Doch das Ergebnis ihrer 2016 veröffentlichten Untersuchungen war überraschend: Die Fohlen, die mit den gröberen Partikeln gefüttert wurden, hatten mehr und gravierendere Läsionen am Antrum pyloricum und am Pylorus. Die raue Struktur der Häcksel schien zu mechanischen Verletzungen zu führen. Um zu überprüfen, ob dies nur für Fohlen gilt, deren Magenschleimhaut aufgrund von Stress beim Absetzen besonders empfindlich sein könnte, untersuchten die Leipziger nun erwachsene Pferde. Sie überprüften, wie deren Magenschleimhaut, die ansonsten keinerlei schädigenden Einflüssen ausgesetzt war, auf Luzernehäcksel reagierte.

Luzernehäcksel im Vergleich zu Heu
Sechs Wallache wurden 14 Tage lang mit 1,5 kg/100 kg Körpermasse Luzernehäcksel gefüttert. Zur Kontrolle wurden die Pferde nach einer Washout-Periode von 16 Tagen mit 24-Stunden-Weidehaltung mit Heu gefüttert. Vor und nach der Periode mit Luzernefütterung sowie vor und nach der Washout-Periode wurden die Pferde endoskopiert. Dabei wurden die kutane und glanduläre Magenschleimhaut mit Scores von 0–4 bewertet. Die Ergebnisse fielen in den verschiedenen Regionen des Magens unterschiedlich aus. Eine getrennte Beurteilung scheint daher auch für zukünftige Studien sicherlich sinnvoll. Die Läsionen in der kutanen Schleimhaut der größeren und kleineren Kurvatur wiesen keinerlei Unterschiede zwischen der Fütterung mit Heu oder Luzernehäckseln auf. Am Antrum pyloricum führten die Luzernehäcksel hingegen bei den erwachsenen Pferden genau wie bei Absatzfohlen zu vermehrten Magenschleimhautveränderungen.

Mehr Schaden als Nutzen
Damit gehen die Autoren davon aus, dass die scharfkantige Struktur der Häcksel tatsächlich mechanische Irritationen verursacht und für die festgestellten Läsionen verantwortlich ist. Sie fassen zusammen, dass Luzernehäcksel keine herausragend positiven Effekte auf die Magenschleimhaut haben, sondern im Gegenteil zu Schleimhautschäden führen können. Die 16-tägige Phase der Weidehaltung führte in der Studie zu einer makroskopischen Heilung der Schleimhautveränderungen. Eine Medikation war nicht nötig.


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Originalpublikation: Vondran S, Venner M, Coenen M, Vervuert I (2017): Effects of alfalfa chaff on the gastric mucosa in adult horses. Pferdeheilkd 33(1/2): 66–71.

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