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Strategische Antibiose einer APP-Infektion mit Baytril® in einem norddeutschen kombinierten Schweinezucht- und Mastbetrieb unter Feldbedingungen

Der Praktische Tierarzt 89, 46-57

Publiziert: 01/2008

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschreibt den strategischenEnrofloxacin-Einsatz (Baytril®, Bayer Vital GmbH Leverkusen)im Rahmen komplexer Bekämpfungsmaßnahmeneiner Actinobacillus pleuropneumoniae (APP)-Infektion ineinem kombinierten Schweinezucht- und Mastbetrieb unterFeldbedingungen. Nach akuter APP-Infektion (Serotyp2 + 5 in der Mast) wurden alle Schweine des Bestandes mit5 mg Enrofloxacin/kg KGW im Abstand von 36 Stundenintramuskulär dreimal behandelt. Diese Bestandsantibiosewurde terminlich parallel von intensiven Maßnahmen zurVerbesserung von Hygiene- und Bestandsmanagement begleitet.Zur Ergebniskontrolle wurden zehn bestandseigeneFerkel drei, acht und 16 Wochen nach der Behandlung undUmstallung in die Mast serologisch wiederholt untersuchtetVor der Antibiose im Flatdeck wurden die Tiere auf APPserologisch getestet. Der Test war bei allen Tieren negativ.Gleichzeitig sind zugekaufte Jungsauen in der Quarantäneund nach Umstallung in das Deckzentrum serologisch aufAPP getestet worden. Klinische Symptomatik, Mortalität undMastleistungsergebnisse wurden vor und nach Realisierungdes Bekämpfungsprogramms dokumentiert. Bis zum heutigenZeitpunkt (15 Monate nach strategischer Antibiose)trat im Bestand keine APP-typische Klinik auf. Die zehnAPP-negativ getesteten Kontrollferkel blieben nach Umstallungin die Mast zweieinhalb Monate serologisch negativ.Die zugekauften Jungsauen wurden bei Einstallung in dieQuarantäne in gleicher Weise (dreimal alle 36 Stunden 5 mgEnrofloxacin ) antibiotisch behandelt. Sie reagierten gegenEnde der Quarantäne ( vier Wochen nach Zukauf ) zu 30 %serologisch positiv auf APP (ELISA) und nach Umstallung insDeckzentrum ( 11 Wochen nach Zukauf ) zu 7 % serologischpositiv auf APP ( ELISA ) ohne klinische Erscheinungen. EineSerotypisierung (KBR) gelang bei diesen Tieren nicht. DieFrage, ob es sich bei dem erneuten serologischen Nachweisvon APP, Serotyp 2 und 9 bei den Testtieren in der Mast umeine Neuinfektion durch Außeneintrag (Jungsauenzukauf)oder Reinfektion durch latent infizierte Tiere im Bestandhandelt, konnte nicht abschließend geklärt werden. Erstereswird vermutet, da der Serotyp 5 nicht wieder gefunden wurdeund der Serotyp 9 neu auftrat. Die Mastdauer der unmittelbarnach Bestandsantibiose gemästeten Schweine verkürztesich um fünf Tage von 122 auf 117 Tage pro Durchgang. Diedurchschnittlichen Tagszunahmen stiegen um 97 g/Tier undTag von 726 auf 823 g/Tier und Tag. Die Mortalität in der Mastwurde von 6,0 % auf 1,8 % deutlich gesenkt. Die Prüfung derökonomischen Auswirkungen über einen Zeitraum von einemJahr vor der APP-Infektion sowie ein Jahr danach ergab fürden Mastbereich eine Mortalitätssenkung um durchschnittlich3,3 %, eine bessere Futterverwertung um 0,2 Punkte undeine erhöhte Tageszunahme von 80 g/Tier und Tag. Darausresultiert nach Maßstäben des örtlichen Beratungsringes einökonomischer Vorteil von 9,17 Euro pro Mastschwein. EinEinfluss der strategischen Bestandsantibiose auf die Ferkelaufzuchtergebnissesowie das Fruchtbarkeitsgeschehen derSauenherde war nicht zu beobachten.

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