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Auch Hummeln zählen zu den Wildbienen.
Foto: Sabine Kofler-Michaelis
Auch Hummeln zählen zu den Wildbienen.

Reportage

Schutz für (Wild-)Bienen

Sowohl Honig- als auch Wildbienen sind vom Insektensterben betroffen. Letztere sind wegen ihrer speziellen Lebensweisen aber besonders bedroht.

Von Eva Fiegl

Der Schutz der Wildbienen ist zurzeit in aller Munde. Auch mir als Imkerin und Fachtierärztin für Bienen liegt dieses Thema sehr am Herzen. Vor allem da die Honigbiene immer mehr in Verruf gerät, die Wildbiene zu verdrängen. Der generell starke Rückgang an Insekten trifft Wildbienen besonders hart, da sie sehr hohe Ansprüche an ihren Lebensraum haben.

Insektensterben

Neben dem Verlust natürlicher Habitate sind auch die intensive Nutzung der Landwirtschaft und die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln eine Bedrohung für Wildbienen. Dazu kommt, dass zu viel Düngung in der Landwirtschaft ein Ausbleiben von Blühpflanzen zur Folge hat. Außerdem macht der Klimawandel vielen Arten das Leben schwer, vor allem jenen im alpinen Raum. Die Flächen oberhalb der Waldgrenze verändern sich und nehmen immer weiter ab. Wildbienen werden dadurch weiter eingeschränkt.

Manche Pflanzen verschwinden sogar komplett, was auch ein Verschwinden mancher Wildbienenarten zur Folge hat. Wildbienen sind standorttreu und die Suche nach einem neuen Nistplatz mit entsprechendem Trachtangebot in erreichbarer Nähe gestaltet sich immer schwieriger. Durch das Befestigen von Ackerstufen, Feldwegen und das Mähen von Böschungen wird der Lebensraum zusätzlich eingeengt. Auch Totholz als Nistmöglichkeit findet sich immer seltener.

Staatenbildende Honigbienen im Vorteil

Honigbienen haben den Vorteil, dass sie in Staaten leben, sogenannte Spürbienen das optimale Trachtangebot ausfindig machen und durch Tanzen an die Sammelbienen weitergeben können. Außerdem können sie weite Strecken fliegen. Sie sind nicht an spezielle Blüten gebunden, sondern polylektisch und können Nahrung vorrätig halten, um in ungünstigen Zeiten gut versorgt zu sein.

Wildbienen sind Spezialistinnen

Die meisten Wildbienen hingegen leben solitär, d. h., jedes Weibchen baut sein Nest und versorgt seine Brut für sich allein. Viele sind ausgesprochene Nahrungsspezialisten (oligolektisch). Der gesammelte Nektar wird nicht zu Honig umgewandelt, sondern sofort verbraucht.

Um eine Nahrungskonkurrenz mit Honig­bienen zu verhindern, ist ein großes Blütenangebot von Vorteil. Wenn das nicht gegeben ist, würde ein Abstand des Bienenstands zu Naturschutzgebieten von mindestens zwei Kilometern hilfreich sein.

Wildbienen sind eine große, uneinheitliche Gruppe von rund 700 Arten in Österreich, da­runter Sand-, Furchen- und Mauerbienen sowie Hummeln. Manche sind pelzig behaart, andere fast kahl und ähneln dann Schwebfliegen oder Wespen. Hummeln können ihre Körpertemperatur durch den Flügelschlag erhöhen. Sie fliegen daher – anders als Honigbienen – auch bei niedrigen Temperaturen und schlechtem Wetter aus. Das macht sie zu besonders wertvollen Bestäubern.

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Insektenfreundliche Lebensräume schaffen

Grundsätzlich ist eine insektenfreundliche Landwirtschaftsnutzung wichtig. Zeitversetztes Mähen und das Anlegen von Blühstreifen am Rand der Äcker ermöglichen den Bienen ein kontinuierliches Blütenangebot und dienen außerdem als Korridore für Arten, die nur kleine Distanzen zurücklegen können. Der Erhalt von gut besonnten offenen Bodenstellen, senkrechten Erdabbrüchen, Weißdornhecken und das Liegenlassen von Totholz erleichtern das Nisten.

Natürlich kann man auch im eigenen Garten für einen bienenfreundlichen Lebensraum sorgen. Hier eignen sich zum Beispiel der Heckenschnitt als Totholz-Nistplatz oder eine sandige Fläche in der Sonne als Brutstätten. Außerdem gibt es Saatgut, um im Garten bunte Blühflächen anlegen zu können. Dabei wäre es von Vorteil, möglichst heimische Pflanzensorten zu säen und ein mehrjähriges Blütenangebot zu ermöglichen.

Insektenhotel

Gerne werden sogenannte „Insektenhotels“ als Nisthilfen aufgestellt, wobei leider oft Fehler gemacht werden. Um Wildbienen eine nützliche Nisthilfe bieten zu können, sind einige wesent­liche Punkte zu beachten:

Bambus- und Schilfrohr:

  • 3–9 mm Innendurchmesser
  • 10–20 cm lang
  • Knoten/Verdickung sollte hinteren Abschluss bilden
  • glatte Schnittkanten beachten
  • in Dosen, Löchern von Ziegeln oder in Bündeln anordnen

Bohrgänge in Hartholz:

  • trockenes Hartholz ohne Rinde (Obstbäume, Esche, Buche, Ahorn)
  • glatte Innenflächen
  • 2–8 mm Durchmesser
  • 9–10 cm tief, nicht durchbohren
  • keine Rückwand anbringen

Markhaltige Stängel:

  • bevorzugt senkrecht anordnen
  • Stängel von Rose, Brombeere, Königskerze, Distel

Lehm oder Löß:

  • als überdachte Wand anordnen oder
  • in Gefäße füllen und mit der senkrechten Lehmseite nach vorne aufstellen

Das derart vorbereitete Material kann in einem Regal oder Ähnlichem angeordnet werden. Wichtig ist, dass das Holz ausreichend getrocknet ist, kein Nadelholz verwendet wird (Harz kann die Flügel verkleben) und die Bohrungen wirklich glatte Ränder haben. Lochziegel werden nicht besiedelt, genauso wenig wie Tannenzapfen, Heu oder Stroh. 

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Nisthilfen unterstützen auch Wildbienen.
Foto: Foto: ramund88 - stock.adobe.com
Nisthilfen unterstützen auch Wildbienen.

Über die Autorin

Mag. med. vet. Eva Fiegl führt in Innsbruck eine auf physikalische Therapie und Rehabilitation bei Hunden und Katzen spezialisierte Praxis. Außerdem ist sie Imkerin und Fachtierärztin für Bienen.

Korrespondenzadresse: www.vetphysio.tirol office@vetphysio.tirol

Quellen und Links:

www.wildbienen.info

www.tiroler-blumenwiesn.at

www.wildbienen.com

Wiesbauer H (2020): Wilde Bienen, 2. Aufl., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart Wildbienen – Deutsches Bienen Journal Spezial (2019): DBV Network GmbH

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