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Das Huhn als Liebhabertier
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Das Huhn als Liebhabertier

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Schmerzmedikation beim Haushuhn – nicht einfach, aber sehr wichtig

Zunehmend werden Haushühner in einer neuen Haltungsform gepflegt. In solchen Liebhaberhaltungen geht es weder um Produktionsleistungen noch Rassezuchterfolge. Trotzdem muss das Tierwohl gewährleistet sein, was den Praktiker vor Herausforderungen stellt.

Haushühner fallen vor dem Gesetz in die Kategorie „Geflügel“ und gelten damit als Nutztiere. Dieser Status ist unabhängig von der Haltungsform und kann weitreichende Folgen für die Behandlung im Erkrankungsfall haben. Während in Hühnerhaltungen zur Fleisch- oder Eierproduktion üblicherweise keine Einzeltierbehandlungen vorgenommen werden, stellt sich die Situation bei Liebhaberhaltungen gänzlich anders dar. Hier zählt das einzelne Huhn sehr wohl und die Tiere erreichen ein viel höheres Alter, als es im Nutztiersektor jemals vorkäme. Damit treten jedoch auch Erkrankungen auf, welche Leiden verursachen und zur Sicherung des Tierwohls behandlungsbedürftig sind.

Erstaunlich hohe Hürden in vielerlei Hinsicht

Dass dies gar nicht einfach zu erfüllen ist, zeigt ein kürzlich veröffentlichter Übersichtsartikel von Tierärzten aus Zürich. Sie zeigen dabei auf, dass nicht nur die gesetzliche, sondern auch die pharmakologische Situation beim Patient Huhn unbedingt berücksichtigt werden muss. Mit seinem Nutztierstatus dürfen nämlich ausschließlich dafür zugelassene Medikamente eingesetzt werden. Bei diesen müssen zwingend Absetzfristen und Wartezeiten für die Nutzung von Fleisch und Eiern eingehalten werden. Dies bringt den behandelnden Tierarzt allzu schnell in ein Dilemma zwischen Handlungsabsicht und gesetzeskonformer Handlungserlaubnis. Zusätzlich bedeuten die Schwierigkeit, beim Vogel Schmerzen überhaupt zu erkennen, und die enorme Vielfalt an Vogelarten weitere Herausforderungen. Für viele Medikamente fehlen für das Haushuhn evidenzbasierte Erkenntnisse bezüglich Verträglichkeit und Dosierung. Eine Extrapolation von anderen Vogelarten ist aufgrund der zwischenartlichen Unterschiede von Pharmakokinetik und Pharmakologie nur sehr begrenzt möglich.

Empfehlungen für den Praktiker


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Sehr hilfreich bei der Schmerzeinschätzung von Hühnern sind veränderte Verhaltens­parameter. Da diese in der Sprechstunde schwer zu beurteilen sind, kommt der Anamnese entscheidende Bedeutung zu. Wird damit ein schmerzhafter Prozess diagnostiziert, so stellt sich die Frage nach einem passenden Analgetikum. Den Autoren aus Zürich zufolge ist eine tägliche orale Verabreichung von 1,0 mg/kg Körpergewicht Meloxicam gut verträglich, wenn auch die analgetische Wirkung nicht immer ausreichend sein dürfte. Bei einer höheren Dosierung sollte jedoch die Behandlungsdauer maximal fünf Tage betragen, um re­nale Nebenwirkungen zu vermeiden. Bevor es zum Medikamenteneinsatz kommt, sollte der Praktiker jedoch unbedingt die gesetzlichen Vorgaben abklären und gegebenenfalls mit der zuständigen Behörde Rücksprache halten.

Hatt JM, Kreyenbühl K, Kummrow M (2023): Methods of analgesia and euthanasia in backyard poultry. Schweiz Arch Tierheilkd 165: 503–511. doi.org/10.17236/sat00398.

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