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Kryptorchismus bei Hund und Katze – Definition, Prävalenz, Diagnose und Therapie

Cryptorchidism in dogs and cats – definition,prevalence, diagnosis and therapy

Der Praktische Tierarzt 94, 974-981

Publiziert: 12/2013

Zusammenfassung

Kryptorchismus ist als Maldescensus testis definiert, d. h. dass ein oder beide Hoden im Alter von sechs Monaten nicht im Skrotum liegen, sondern abdominal, inguinal oder ektop
lokalisiert sind. Bei ektopen Hoden können diese suprafaszial, perineal oder crural liegen. Physiologischerweise ist der Descensus testis beim Hund ca. 35–40 Tage nach der Geburt, beim Kater bereits zum Zeitpunkt der Geburt beendet. Verlagert sich der Hoden erst später ins Skrotum, spricht man von einem verzögerten Hodenabstieg. Während Kryptorchismus beim Hund unbestritten ein multifaktorielles Geschehen mit rassespezifischer Beteiligung eines oder mehrerer Gene (mono-/polygen), epigenetischer und umweltassoziierter Faktoren ist, ist die Heredität beim Kater trotz eines erhöhten Vorkommens bei Persern, Ragdoll und Europäisch Kurzhaar unklar. Die Diagnose kann palpatorisch (bei inguinalen Hoden) oder sonografisch gestellt werden. Alternativ können bei Verdacht auf bilateralen Kryptorchismus GnRH- oder hCG-Stimulationstests zum Einsatz kommen, mit dem Ziel, nach einer Basalprobe einen Testosteronanstieg nachzuweisen. Aufgrund des erhöhten Hodentumorrisikos beim Hund und des ausgeprägten Katerverhaltens ist die Kastration Therapie der Wahl. Alternativ kann beim Hund eine Orchidopexie durchgeführt werden, wobei eine zeitgleiche, beidseitige Vasektomie zum dauerhaften Zuchtausschluss sinnvoll erscheint. Die Anwendung von GnRH-Analoga oder hCG bei präpubertären kryptorchiden Rüden wird kritisch diskutiert, da unklar ist, ob hierdurch ein Effekt auf den Hodenabstieg zu erzielen ist, da Testosteron bei anderen Spezies nur für die inguinoskrotale Migration (vom Leistenspalt ins Skrotum) eine
Rolle spielt.
Maldescensus testis
Hodentumor
Hyperöstrogenismus
Penishaken

Summary

Cryptorchidism is defined as maldescensus testis. This means that one or both testicles are not located in the scrotum at six months of age, but abdominal, inguinal or ectopic. Ectopic testes can be localised suprafascially, perineally or crurally. Physiologically, descensus testis is finished about 35–40 days after birth in the dog and at the time of birth in the tom. Delayed descent is diagnosed when testis are located in the scrotum at a later point of time. Whereas cryptorchidism in the dog is undoubtedly multifactorial with breed-specific involvement of one or more genes (mono-/polygenic), epigenetic and environment-associated factors, heredity in the cat is still unclear although an increased incidence is reported in Persians, Ragdolls and European Shorthair. The diagnosis can be confirmed by palpation (in case of inguinal testes) or by ultrasound. GnRH and hCG stimulation tests can be used as an alternative in cases of suspected bilateral cryptorchidism with the aim of detecting a testosterone increase after a basal sample. Castration is the therapy of choice due to the increased risk for testicular tumours in the dog and the male sexual behaviour in the tom cat. Orchidopexy can be considered an alternative in the dog, bilateral vasectomy for permanent exclusion as a stud seems reasonable. The use of GnRH agonists or hCG in prepubertal cryptorchid males is discussed critically because it is still unclear whether they influence testicular descent since, in other species, testosterone is involved in the inguinoscrotal migration from the inguinal ring to the scrotum only.
maldescensus testis
testicular tumour
hyperestrogenism
penile spines

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