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Ständig an der Küste oder nur zu Besuch – dies kann sich auf die Medikation von Hunden mit Epilepsie auswirken.
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Ständig an der Küste oder nur zu Besuch – dies kann sich auf die Medikation von Hunden mit Epilepsie auswirken.

Journal Club

Kaliumbromiddosierung bei Epilepsie unter dem Einfluss von salzhaltiger Meeresluft

Die Ausscheidung von Bromid hängt unter anderem von der Salzaufnahme ab. Eine Studie vergleicht Bromidspiegel von epileptischen Hunden im Inland und in Küstennähe.

Kaliumbromid spielt in der Epilepsiebehandlung des Hundes eine Rolle. Die Ausscheidung des Bromids erfolgt über die Niere und hängt nicht nur von der Nierenfunktion, sondern auch von der Salzaufnahme des Hundes ab: Eine hohe Zufuhr von Chlorid führt zu verstärkter renaler Bromidausscheidung und damit verringerten Serumkonzentrationen und verkürzten therapeutischen Wirkspiegeln im Blut. Damit stellt sich die Frage, ob sich die Aufnahme salzhaltiger Meeresluft auf den Bromidspiegel auswirkt.

Dieser Frage ging ein niederländisches Autorenteam in einer retrospektiven Studie nach. Das Studienkollektiv umfasste Hunde, für die eine Blutprobe im Diagnostiklabor der Universität Utrecht auf Bromidgehalt untersucht worden war. Für diese Patienten wurden beim einsendenden Tierarzt der Wohnort des Hundes sowie Informationen zu Fütterung, Nierenstatus, verwendeter Bromidformulierung und ‑dosis sowie sonstigen Medikationen abgefragt. Dann wurden die Hunde anhand der Entfernung ihres Wohnortes zum Meer (>/< 50 km) in zwei Gruppen eingeteilt und die übrigen erhobenen Parameter zwischen beiden Gruppen verglichen.

Epilepsie beim Hund: Bewährtes und Neues zur Therapie

Dieser Artikel gibt einen Überblick zu medikamentösen sowie ergänzenden Behandlungsmöglichkeiten bei der idiopathischen Epilepsie des Hundes.
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Seeluft macht Kaliumbromid Konkurrenz

Für 220 Hunde lagen vollständige Datensätze vor. Für die Gesamtpopulation betrug die mittlere tägliche Bromiddosis 31 mg/kg (2–102 mg/kg) und die mittlere Serumbromidkonzentration 1.288 mg/l (351–3.257 mg/l). 76 Prozent der Hunde erhielten außerdem Phenobarbital und 10 Prozent Phenytoin; die übrigen Hunde erhielten sonstige oder keine Begleitmedikation.

Insgesamt 117 Hunde lebten in Küstennähe und 103 Hunde im Inland. Die Gruppen waren hinsichtlich der Behandlungsdauer und Fütterung vergleichbar. In Küstennähe erhielten mehr Hunde Phenobarbital als im Inland (die Gründe sind unbekannt). Statistisch war kein Einfluss von Behandlungsdauer, Fütterung oder Medikationen auf die Bromiddosis oder ‑konzentration erkennbar.

Eine lineare Regressionsanalyse von Kaliumbromiddosis und Serumkonzentration für beide Gruppen ergab einen Regressionskoeffizienten von 0,15 für die Küste und 0,31 für das Inland. Das zeigt an, dass zum Erreichen einer bestimmten Serumkonzentration tatsächlich in Küstennähe höhere Bromidkonzentrationen erforderlich sind als im Inland. Die Autoren führen das auf die Inhalation salzhaltiger Luft und das Trinken von Meerwasser zurück und empfehlen, diese Faktoren gegebenenfalls bei der Dosiseinstellung zu berücksichtigen. 

Originalpublikation

Lichtenauer EA, Evers B, van den Broek J, Mandigers PJJ (2022): Bromide Dose in Dogs With Epilepsy Living Close to Coastal Areas and Living More Inland: A Retrospective Observational Study. Front Vet Sci 9: 906288. doi.org/10.3389/fvets.2022.906288

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