Image
Foto:

Journal Club

Kalium beim Rind: Blutuntersuchung reicht nicht

Kalium ist vor allem intrazellulär wichtig, aber im Blut wird die extrazelluläre Konzentration gemessen. Wie aussagekräftig ist das eigentlich?

Gesunde Kühe vertilgen eine große Menge Kalium. Ein plötzlicher Einbruch der Futteraufnahme kann zu Hypokaliämie führen. Die Routinemethode zur Beurteilung der Kalium-Homöostase besteht in der Messung des extrazellulären Kaliums in Plasma oder Serum. Doch eigentlich interessant ist der intrazelluläre Kaliumgehalt. Für diesen gibt es bisher keine Normwerte. Es ist ebenfalls nicht bekannt, wie gut der Blutwert mit dem intrazellulären Zustand korreliert.

Untersuchung
In zwei Gruppen von je 20 Kühen wurden die Kaliumwerte in Plasma, Erythrozyten und Muskelbiopsien verglichen. Dabei waren in Gruppe 1 Kühe ein bis drei Tage post partum ohne Kaliumprobleme, während in Gruppe 2 hypokalämische Kühe mit gastrointestinalem Ileus untersucht wurden.

Ergebnisse
Bei den Kühen der Gruppe 1 lagen die Plasma-Kaliumwerte im Normbereich. Dieser Umstand ist insofern erwähnenswert, als andere Studien diesen Zeitraum als Risikofaktor für Hypokaliämie ermittelt haben. In der Gruppe 2 lag der Kalium-Mittelwert im Plasma bei 2,9 mmol/l, also unterhalb des Normbereichs. Die Kaliumkonzentrationen in Erythrozyten und Muskelproben war jedoch gegenüber der Gruppe 1 nicht vermindert. Auffällig war außerdem eine sehr hohe Schwankungsbreite der Erythrozyten-Ergebnisse (etwa Faktor 5 in der hypokalämischen Gruppe). Außerdem konnten die Autoren keine Korrelation zwischen dem Plasmawert und den Werten in Erythrozyten- und Muskelgewebe feststellen.

Schlussfolgerung
Die Messung des extrazellulären Kaliumwertes in Plasma oder Serum gibt keinen Aufschluss über die intrazellulären Kaliumkonzentrationen. Erythrozyten scheinen aufgrund der hochvariablen Ergebnisse, deren Ursache unbekannt ist, als Substrat für intrazelluläre Analysen ungeeignet.
Die Autoren betonen zwar, dass Muskelbiopsien auch unter Praxisbedingungen recht einfach durchführbar sind – solange jedoch keine Normwerte definiert sind, wird in der Routine die Bestimmung im Plasma die Methode der Wahl bleiben. Nur sollte man sich der eingeschränkten Aussagekraft bewusst sein.


Originalpublikation:
Schneider S, Müller A, Wittek T (2016): Concentration of potassium in plasma, erythrocytes, and muscle tissue in cows with decreased feed intake and gastrointestinal ileus. J Vet Intern Med 30: 679–685.
DOI: 10.1111/jvim.13842

Journal Club

9. Januar 2019

Kälberdurchfall wirkt direkt aufs Herz

Bei Durchfallerkrankungen gerät der extrazelluläre Kaliumspiegel rasch aus dem Gleichgewicht. Das Herz nimmt es übel – schrittweise und vorhersagbar, wie nun eine Studie belegt.

news4vets

11. Dezember 2020

Gibt es die Pille gegen das Herzgeräusch?

In der Veterinärmedizin steht eine Vielzahl an Herzmedikamenten zur Verfügung. Um das passende zu finden, bedarf es einer genauen Anamnese und einer sorgfältigen Untersuchung des Tieres.