Ein Pferd schaut aus seiner Box.
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Headshaking beim Pferd

Trigeminus-vermitteltes Headshaking ist Ausdruck neuropathischer Schmerzen und kann zur Unreitbarkeit führen. Welche Antworten hat die Tiermedizin auf das Problem?

Das Thema Trigeminus-vermitteltes Headshaking beim Pferd birgt viele Fragen. Die Prävalenz der Erkrankung ist bisher noch unklar; Ätiologie und Pathogenese sind weitgehend unbekannt und es gibt keine gesicherten Erkenntnisse zu typischen Verläufen. Ob Spontanheilungen eventuell möglich sind, weiß man nicht. Wir tappen weitgehend im Dunkeln.

Veronica Roberts von der University of Bristol hat den aktuellen Wissensstand in einer Übersicht zusammengefasst.

Welche Hürden sehen wir?

Trotz – oder vielleicht auch wegen – der eklatanten Wissenslücken existieren zahlreiche Therapieansätze. Erschwert wird die Suche nach „der“ richtigen Therapie unter anderem dadurch, dass bei neurologischen Erkrankungen das Ansprechen auf eine Behandlung individuell geprägt ist und der Plazebo-Effekt eine große Rolle spielt. In Abwesenheit eines Goldstandards für die Trigeminus-Diagnostik dürfte der Anteil der Fehldiagnosen wahrscheinlich nicht unerheblich sein.

Was können wir tun?

Zu den wissenschaftlich belegten Therapien gehört das Nasennetz, das bei 25 Prozent der Pferde zu 70 Prozent Symptomreduktion führt. Medikamente wie Gabapentin und Carbamazepin wurden bei Headshakern in variablen Dosierungen mit gemischtem Erfolg eingesetzt; Turnierteilnahme ist damit nicht möglich. Chirurgische Eingriffe am Nervus infraorbitalis waren gelegentlich erfolgreich; Fehlschläge und Nebenwirkungen waren häufig und teils schwerwiegend. Aufhorchen lassen hingegen Therapieerfolge mit Neuromodulation durch perkutane elektrische Nervenstimulation (EquiPENS). Die Methode stammt aus der Therapie neuropathischer Schmerzen beim Menschen. Der Wirkmechanismus ist unklar. Die Autorin zitiert Daten von 530 solcher Prozeduren bei 168 Pferden, die bei 53 Prozent der Tiere zum Verschwinden des Headshakings geführt haben sollen (Dauer der Remission zwischen zwei Tage und über drei Jahre). Komplikationen traten bei weniger als zehn Prozent der Tiere auf und fast alle waren leicht und vorübergehend. Eine Wiederholungsbehandlung war bei den meisten Pferden erfolgreich und hielt länger an als die Erstbehandlung. Leider sind diese Daten nicht publiziert und damit nicht überprüfbar.

Therapie für Headshaker

Wir verfügen über keine allgemein wirksame Therapie. Die Autorin empfiehlt daher bis auf Weiteres eine gründliche Diagnostik zur Minimierung von Fehldiagnosen, eine Selbstbeschränkung auf die empirisch belegten Therapieansätze und in schwerwiegenden Fällen (therapierefraktäre Pferde mit Headshaking im Ruhezustand) die Euthanasie.

Originalpublikation:

Roberts V (2019): Trigeminal-mediated headshaking in horses: prevalence, impact, and management strategies. Vet Med (Auckl) 10: 1–8. DOI 10.2147/VMRR.S163805.

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