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Weidegang könnte sich bei Lahmheit positiv auswirken.
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Weidegang könnte sich bei Lahmheit positiv auswirken.

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Zur Heilung auf die Weide

Kann Zugang zur Weide sich positiv auf die Genesung lahmer Kühe auswirken?  Eine kanadische Studie deutet darauf hin.

Von Svenja Woudstra

Die Vorbeugung und Behandlung von Lahmheiten gehört mit zu den größten Herausforderungen des Tiergesundheitsmanagements in Milchkuhbetrieben. Während bekannt ist, dass Weidegang für Milchkühe mit verringerten Lahmheitsprävalenzen assoziiert werden kann, ist bisher unklar, wie sich der Zugang zu einer Weide auf die Genesung lahmer, primär in Laufställen gehaltener Milchkühe auswirkt. Die vorliegende Studie hat genau dies daher untersucht.

Laufstallhaltung mit und ohne Weide

Es wurde eine pseudo-randomisierte kontrollierte Studie im Forschungsgut der University of British Columbia mit mittel- bis hochgradig lahmen Holstein-Kühen durchgeführt. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Tiere nach Laktationszahl, Lahmheitsgrad und Lahmheitshistorie gleichmäßig auf die Versuchs- und Kontrollgruppe (jeweils 27 Kühe) verteilt wurden. Alle Tiere wurden während der für jede Kuh sieben Wochen dauernden Studienperiode im selben dreireihigen Laufstall mit sandbefüllten Liegeboxen und planbefestigten Laufflächen gehalten. Zugang zur Weide wurde der Versuchsgruppe dauerhaft über automatische Tore ermöglicht. Der Lahmheitsgrad wurde bei allen Kühen wöchentlich bestimmt. Zudem wurde anhand von Bewegungssensoren und Videokameras das Verhalten aller Kühe überwacht.


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Mehr lahmheitsfreie Episoden bei Weidegang

Die Versuchsgruppe verbrachte etwa 15 % ihres täglichen Zeitbudgets auf der Weide und dies vor allem in der Nacht. Etwa die Hälfte der Zeit im Laufstall nutzten die Versuchstiere für Liegeverhalten, während sie auf der Weide nur etwa ein Viertel ihrer Zeit mit Liegen verbrachten. Der Anteil von Kühen mit mindestens einer lahmheitsfreien Episode lag in der Gruppe mit Weidezugang deutlich höher (55,6 %) als in der Kontrollgruppe (26,9 %).

Insgesamt hatten Kühe mit Zugang zur Weide eine 4,1-fach höhere Chance (95%-Konfidenzintervall: 1,1–14,6 %), mindestens eine lahmheitsfreie Episode binnen der siebenwöchigen Studienperiode zu haben. Ebenso waren Kühe mit Weidezugang insgesamt länger lahmheitsfrei (2,0 ± 0,34 Wochen) als Kühe in der Kontrollgruppe (0,81 ± 0,35 Wochen).

Die vorliegende Studie wurde in nur einem Milchkuhbetrieb mit einer begrenzten Anzahl von Kühen durchgeführt. Zudem wurde nicht untersucht, ob sich der Effekt des Weidegangs zwischen Lahmheiten unterschiedlicher Genese unterscheidet (bspw. infektiöse vs. nicht-infektiöse Ursachen). Die Ergebnisse der vorliegenden Studie deuten daher zwar darauf hin, dass Zugang zur Weide für Kühe mit mittel- bis hochgradigen Lahmheiten zur Genesung beitragen kann, es besteht aber weiterer Forschungsbedarf, um zu untersuchen, bei welchen zugrunde liegenden Läsionen sich Weidegang positiv auswirkt.

Originalpublikation

McLellan KJ, Weary DM, von Keyserlingk MAG (2022): Effects of free-choice pasture access on lameness recovery and behavior of lame dairy cattle.  J Dairy Sci, 105 ( 8): 6.845–6.857. doi.org/10.3168/jds.2021-21042.

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