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Umfrageergebnisse

Zu wenig Geld, zu viele Stunden

Im Traumberuf Tierarzt ist die Unzufriedenheit groß. Die tierärztlichen Berufsverbände haben 2021 die Arbeitsbedingungen angestellter Tierärztinnen und Tierärzte unter die Lupe genommen. Wie steht es um Gehalt, Arbeitszeit und die Berufszufriedenheit?

Ende März 2021 präsentierten der Verbund unabhängiger Kleintierkliniken (VUK) und der Bund angestellter Tierärzte e. V. (BaT) die Ergebnisse einer Umfrage unter 1.414 angestellten Tierärztinnen und Tierärzten. Überrepräsentiert waren junge Berufsanfängerinnen. Schon Ende 2020 hatte der Arbeitskreis Angestellte Tierärzte des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) seinerseits 480 Tierärztinnen und Tierärzte befragt, hier lag der Schwerpunkt auf postgradualen Weiterbildungsmöglichkeiten. Ziel von VUK und BaT war hingegen vor allem die Erfassung des Status Quo als Grundlage für die anstehenden Tarifverhandlungen. Das Ergebnis ist die Momentaufnahme einer Branche im Umbruch.

Gegenüber den Untersuchungen von Bettina Friedrich (2006) und Johanna Kersebohm (2017) hat sich die Situation angestellter Tierärzte durchaus verbessert. „Die Krusten brechen auf“, sagte Dr. Dirk Remien, Präsident des VUK, anlässlich der Vorstellung der Umfrageergebnisse. „Doch in Anbetracht der Tatsache, wie händeringend Mitarbeiter gesucht werden, ist es erstaunlich, wie wenig sich geändert hat“, relativierte Dr. Elisabeth Brandebusemeyer, 2. Vorsitzende des BaT.  Alle drei Verbände sind sich einig, dass noch viel zu tun bleibt, sich die Branche aber auf einem guten Weg befindet.

Das verdienen angestellte Tierärzte

Der mittlere Stundenlohn lag in der BaT/VUK-Umfrage bei 20,51 Euro, laut bpt-Umfrage bei 17,30 Euro. Trotz des hohen Frauenanteils in der Tiermedizin zeichnet sich in der VUK/BaT-Umfrage ein deutliches Gender-Pay-Gap ab, insbesondere zu Karrierebeginn: Weibliche Berufseinsteiger verdienen 18 Prozent weniger als männliche. Beim Fortbildungsbudget und Zusatzleistungen wie Weihnachtsgeld, betrieblicher Altersvorsorge oder Tankgutscheinen gab es ebenfalls noch viel Luft nach oben. 

Ein besonders erschreckendes Ergebnis war, dass selbst die vertraglich festgehaltenen Arbeitsbedingungen in einigen Fällen gegen das Gesetz verstoßen: 1,5 Prozent der angestellten Tierärztinnen und Tierärzte verdienen laut BaT/VUK-Umfrage weniger als den Mindestlohn. 60 Prozent der Befragten erhielten keine Zuschläge für Nacht- und Wochenenddienste. 

Nach wie vor sind die Arbeitstage lang

Im Kleintierbereich lagen die vertraglich vereinbarten Arbeitszeiten laut VUK/BaT bei einem Prozent der Angestellten über den gesetzlich zulässigen 48 Stunden, in der Pferde-, Gemischt- und Nutztierpraxis war das sogar bei acht bis elf Prozent der Befragten der Fall. VUK und BaT fragten nur die vertraglich festgehaltene Arbeitszeit ab, der bpt, ebenso wie Kersebohm 2017, die tatsächliche Arbeitszeit. Hier gaben 35 Prozent der Befragten tatsächliche Arbeitszeiten von über 48 Stunden/Woche an.

Wohlfühlen im Beruf

Insgesamt war die Zufriedenheit mit dem Beruf durchwachsen. Dabei spielen für das Wohlfühlen im Traumberuf nicht nur Geld und Arbeitszeit eine Rolle, sondern auch Faktoren wie die Zusammenarbeit im Team und eine wertschätzende Arbeitsatmosphäre.

Angesichts des eklatanten Tierärztemangels verdeutlichen die Umfragen einmal mehr, dass die Tiermedizin  im Umbruch steckt. Die Branche wird sich weiter wandeln müssen, damit junge Kolleginnen und Kollegen sich mit ihrer Arbeit wohlfühlen. Insbesondere in den ersten Jahren im Beruf ist eine schnelle Verbesserung der Arbeitsbedingungen entscheidend, um ein Abwandern der Tierärztinnen und Tierärzte in andere Berufsfelder zu verhindern. 

Mehr zum Thema:

Hier ist die Umfrage des bpt-Arbeitskreis Angestellte Tierärzte zu finden.

Eine Zusammenfassung der vom VUK und dem BaT auf einer Pressekonferenz vorgestellten Ergebnisse finden Sie hier.

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