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Der Praktische Tierarzt

Zentralnervöse Störungen beim Schwein in der Vor- und Mittelmast

Neurologic disorders in fattening pigs

Der Praktische Tierarzt 98, 1280-1290

DOI: 10.2376/0032-681X-17-64

Publiziert: 11/2017

Zusammenfassung

Zentralnervöse Störungen können beim Schwein sowohl infektiös als auch nicht-infektiös bedingt sein. Erste Hinweise auf eine mögliche Ätiologie kann das Auftreten in einer bestimmten Alters- oder Produktionsgruppe geben, da beispielsweise Infektionen mit Streptococcus suis oder Escherichia coli in endemisch infizierten Beständen nur bei Tieren einer Altersgruppe zu klinischen Symptomen führen. Im Gegensatz dazu können Intoxikationen nach Futterfehlmischungen oder Wassermangel unabhängig von der Altersgruppe zu einem vermehrten und plötzlichen Auftreten von neurologischen Störungen führen. Ein solcher Verdacht ist vor allem dann begründet, wenn nur eine Stalleinheit in Kombination mit einer hohen Morbidität und ggf. auch Mortalität betroffen ist. Bei dem vorliegenden Fall berichtete der Tierhalter von einer technischen Havarie, wodurch die Wasserzufuhr für etwa drei Tage vor Krankheitsbeginn in dem betroffenen Stall unterbrochen gewesen war. Das Problem war sofort nach Feststellung behoben worden und die Tiere hatten anschließend wieder unbegrenzten Zugang zu Wasser. Ungefähr zwölf Stunden nach der Reparatur der Wasserzufuhr traten erste Symptome wie tonische und klonische Krämpfe, Kreisbewegungen, Schmatzen oder Zähneknirschen auf. Basierend auf histologischen und labordiagnostischen Befunden und nach Ausschluss weiterer infrage kommender Differenzialdiagnosen ließ sich die Diagnose Wasserentzugsenzephalopathie/Kochsalzvergiftung stellen. Histologisch konnten in mehreren Schnittlokalisationen des Großhirnkortex Nervenzellnekrosen, ein Hirnödem und multifokale perivaskuläre Ansammlungen von eosinophilen Granulozyten festgestellt werden. Diese Veränderungen sind nahezu pathognomonisch für die porzine Wasserentzugsenzephalopathie.

Wasserentzugsenzephalopathie
Kochsalzvergiftung
Hirnödem

Summary

Central nervous disorders in pigs can be both infectious and non-infectious. First hints of a possible etiology may deliver the affected age or production group. For example, infection with Streptococcus suis or Escherichia coli lead to clinical symptoms only at a certain age in endemically infected herds. However, intoxications due to mistakes in diet preparation or water deficiency can lead to an increased and sudden occurrence of neurological disorders regardless of the pigs’ age. Such a suspicion is particularly justified if only one barn is affected in combination with high morbidity and possibly also mortality. In the present case, the farmer reported a technical problem which had interrupted the supply of water for about three days before the onset of illness in the affected barn. The problem had been fixed immediately after detection and the animals had ad libitum access to water again. Approximately twelve hours after the repair of the water supply, first symptoms such as tonoclonic convulsions, circular movements, smacking or bruxism occurred. Based on histological und chemical analysis, the diagnosis of water deprivation/salt poisoning could be made. Neuronal necrosis, cerebral edema and multifocal perivascular accumulation of eosinophilic granulocytes were histologically detected in several localizations of the cerebral cortex. These findings are nearly pathognomonic for the eosinophilic meningoencephalitis.

eosinophilic meningoencephalitis
salt poisoning
cerebral edema

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