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Zehn Tipps für eine sichere Anästhesie

Zahnpatienten sind häufig alt und haben ein entsprechend erhöhtes Narkoserisiko.Bei Manipulationen in der Maulhöhle kommt die Aspirationsgefahr hinzu. Die nassen,unterkühltenTiere brauchen oft lange, um aufzuwachen.

Spätestens wenn der Patient beim Umlagern unfreiwillig extubiert wird, ist klar: Bei der Anästhesie für Zahnpatienten gibt es einiges zu beachten. Korbinian Pieper, Anästhesist an der Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, sprach beim 13. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Zahnheilkunde über Narkose und Schmerzbehandlung beim Zahnpatienten.

1. Atemwege sichern
Im Maul sammeln sich Wasser, Blut und gegebenenfalls Zahnfragmente; es besteht erhöhte Aspirationsgefahr. Eine Intubation ist dringend anzuraten. Der Tubus sollte zudem eine aufblasbare Manschette haben oder der Rachen wird austamponiert. Hauptsache, nichts kommt am Tubus vorbei.

2. Tubus fixieren
Zur Fixierung dient nicht die Tubus-Manschette! Zu fest aufgeblasen kann sie Schleimhaut-Nekrosen verursachen. Binden werden schnell nass und unansehnlich. Eine gute Alternative ist eine sogenannte Heidelberger Verlängerung (Infusionsschlauch).

3. Miteinander sprechen
Bevor der Patient umgelagert oder der Kopf bewegt wird, müssen das alle am Tisch wissen.

4. Warm halten
Der Eingriff kann lange dauern und im Kopfbereich wird das Tier meistens nass: Hypothermie ist bei Zahnpatienten häufig. Eine Unterkühlung sorgt nicht nur dafür, dass sich das Aufwachen aus der Narkose hinziehen kann. Sie kann auch zu Kreislaufproblemen, erhöhter Infektanfälligkeit und Koagulopathien führen. Also sollte der Patient mit Decken und Wärmematten frühzeitig warm gehalten werden. Die Temperatur muss regelmäßig kontrolliert werden.

5. Möglichst oft eine Regionalanalgesie machen
Die Technik ist leicht zu erlernen, kostengünstig und effektiv.

6. Anästhesie dem Alter anpassen
Zahnpatienten sind häufig geriatrische Patienten. Anästhetika sollten daher möglichst kreislaufschonend sein und gegebenenfalls in geringerer Dosis verabreicht werden. Den Patienten sollte Sauerstoff angeboten werden, unter Umständen müssen sie schonend beatmet werden.

7. Überwachen
An der Zunge ist das Pulsoxymeter bei Manipulation in der Maulhöhle meist nicht gut untergebracht. Mögliche Alternativen sind Zwischenzehenspalt, Ballen, Vulva oder Präputium. Wenn das nicht funktioniert: statt Pulsoxymeter ein EKG anbringen oder den Puls manuell kontrollieren. Bei Isofluran-/Sevoflurannarkose sowie bei kritischen Patienten sollte auch der Blutdruck überwacht werden. Die Atemfrequenz lässt sich auch ohne Gerätschaften überwachen. Doch bei Patienten mit Lungenproblemen oder wenn eine Person alleine arbeitet und nicht ständig die Atmung kontrollieren kann, macht ein genaueres Monitoring Sinn.

8. Sicher extubieren
Unmittelbar vor der Extubation muss die Maulhöhle gründlich gesäubert werden. Eine Absaugvorrichtung sollte bereitliegen. Bitte nicht vergessen, eine Tamponade auch wieder zu
entfernen!

9. Nicht alleine lassen
Wegen Schleim und Schwellungen im Rachen sind Atemwegs-Stenosen nach Eingriffen in der Maulhöhle nicht selten, insbesondere natürlich bei Brachycephalen. In der Aufwachphase sollte die Tiere daher überwacht werden.

10. Postoperative Schmerzen therapieren
Für die Analgesie nach kleineren Eingriffen ist ein nichtsteroidaler Entzündungshemmer (NSAID) ausreichend. Nach größeren Operationen sollte ein Opioid gewählt werden, beispielsweise das lang wirksame Buprenorphin. Für nierenkranke geriatrische Patienten ist in der Regel ein Opioid besser geeignet als ein NSAID.

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