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Zahnstein entfernen – Aspekte der professionellen Zahnreinigung bei Hund und Katze

Der Praktische Tierarzt 91, 1055-1059

Publiziert: 12/2010

Zusammenfassung

Das Entfernen von Zahnstein gehört zu den am häufigsten durchgeführten Routineeingriffenin der tierärztlichen Praxis. Die richtige Technik liefert optimale Ergebnisse und verkürztdie Narkosezeit. Ebenso wichtig ist die Beratung und Motivation des Patientenbesitzers.

Plaque und Zahnstein sind bekanntermaßen Wegbereiter verschiedenerFolgeerkrankungen, u. a. für die häufig anzutreffendePeriodontitis. Zahnbeläge stellen daher nachweislich ein Risiko fürdie Allgemeingesundheit dar. Vor allem die in Zahnbelägen enthaltenenBakterien können an inneren Organen langfristig Schädenverursachen. Die Zusammenhänge zwischen einer Periodontitisund der Allgemeingesundheit sind beim Menschen schon langebekannt. Untersuchungen an Hunden und Katzen haben gezeigt,dass an einer Periodontitis beteiligte Bakterien in verschiedenenOrganen (Niere, Leber, Herz) nachweisbar sind. Die Entzündungenin der Maulhöhle können bei Hunden und Katzen durchaus erheblichsein und verursachen darüber hinaus häufig Schmerzen. Beihöhergradigen Periodontitiden kommt es z. B. langfristig nicht nurzu Zahnverlusten, sondern durch ein retrogrades Einwandern vonEitererregern aus einer tiefen Zahnfleischtasche über das apikaleDelta in das Zahninnere auch zu hochschmerzhaften, eitrigenPulpitiden. Eine chronische Periodontitis stellt immer auch einechronische Herderkrankung mit den bekannten Folgen und Risikenfür den Tierpatienten dar. Durch eine regelmäßige und frühzeitigeprofessionelle Zahnreinigung lassen sich Folgeerkrankungen undmögliche Gesundheitsrisiken auch bei unseren Kleintierpatientenminimieren. Besonders die empfohlene jährliche Untersuchungbietet Gelegenheit, den Zahnstatus zu kontrollieren und dem Patientenbesitzerggf. eine notwendige Zahnsteinentfernung zu empfehlen.Diese sollte mit den o. g. Argumenten auch dann angeratenwerden, wenn sie reinen Prophylaxecharakter hat. Ein häufig genannterEinwand ist die hierfür notwendige Narkose des Patienten.Eine Zahnsteinentfernung ohne Narkose sollte jedoch abgelehntwerden, da diese noch nicht einmal unter rein kosmetischen Gesichtspunktenein halbwegs akzeptables Ergebnis liefert. Zahnmedizinischbetrachtet ist ein „Abkratzen“ sichtbaren Zahnsteins aneinigermaßen zugänglichen Zahnoberflächen nicht nur völlig insuffizient,sondern kann, bei Verwendung von Handscalern, Schädenan der Zahnoberfläche verursachen, die im weiteren Verlauf dieerneute Anlagerung von Zahnbelägen begünstigen. Im Einzelfallsollte aber selbstverständlich immer eine Nutzen-Risiken-Analyseerfolgen, die eine Einschätzung des Narkoserisikos durch entsprechendeVoruntersuchungen beinhaltet.

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