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Mastitis ist bei Milchvieh der häufigste Grund für den Einsatz von Antibiotika.
Foto: Marion Weerda
Mastitis ist bei Milchvieh der häufigste Grund für den Einsatz von Antibiotika.

Journal Club

Wovon hängt der Verbrauch von Antibiotika in Milchkuhbetrieben ab?

Euterentzündungen sind in Milchkuhbetrieben der häufigste Grund für den Einsatz von Antibiotika. Die vorliegende Studie untersuchte, inwiefern der Verbrauch von Antibiotika mit der Eutergesundheitssituation und dem Betriebsmanagement assoziiert ist.

Daten von insgesamt 44 deutschen Milchkuhbetrieben wurden erfasst. Der Antibiotikaverbrauch (antimicrobial use, AMU) wurde gemessen als Tage unter antibiotischer Behandlung pro 100 Kuhjahre unter Risiko. Außerdem wurde auf Basis verschiedener Faktoren das Behandlungskonzept der Betriebe in drei Kategorien eingeteilt: modern (weitgehend evidenzbasiert), intermediär und konventionell (wenig evidenzbasiert). In linearen gemischten Modellen wurde untersucht, ob es Assoziationen zwischen der AMU und der Inzidenz klinischer Mastitiden, Kennzahlen der Eutergesundheit, dem Behandlungskonzept und weiteren Betriebsfaktoren gab.

Entscheidend sind Behandlungskonzept und Inzidenz

Durchschnittlich hatten die Betriebe eine AMU von 82 Tagen pro 100 Kuhjahre. Sie unterschied sich nicht signifikant zwischen verschiedenen Betriebsformen (biologische oder konventionelle Produktion) und -größen. Hingegen war eine höhere Inzidenz klinischer Mastitiden mit einer signifikant höheren AMU assoziiert. Des Weiteren hatten Betriebe mit modernem Behandlungskonzept eine etwa um die Hälfte reduzierte AMU im Vergleich zu Betrieben mit konventionellem Behandlungskonzept (65 vs. 122 Tage). Intermediäre Betriebe hatten eine mittlere AMU (82 Tage). Die subklinische Eutergesundheit unterschied sich dabei nicht signifikant zwischen den drei Behandlungsgruppen. Dies deutet darauf hin, dass ein verminderter Antibiotikaeinsatz möglich ist, ohne die subklinische Eutergesundheit zu beeinträchtigen.

Betriebe mit festen Behandlungsprotokollen hatten eine signifikant höhere AMU (82 vs. 75 Tage), obwohl diese Protokolle eigentlich dazu geeignet sind, den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren. Dies ist dann der Fall, wenn Teststrategien und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt werden. Warum in dieser Studie Behandlungsprotokolle mit einer erhöhten AMU assoziiert waren, konnte nicht näher untersucht werden. Einfluss könnte gehabt haben, dass Protokolle veraltet waren oder ohne enge Beteiligung der betreuenden Tierärzte etabliert wurden.

Für eine weitere Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bei Milchkühen sind somit insbesondere die Inzidenz klinischer Mastitiden sowie der Einsatz evidenzbasierter Behandlungskonzepte bedeutsam.

Originalpublikation

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