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Staupe: Wiederholungsimpfungen sind nicht unbedingt nötig.

Journal Club

Wie sinnvoll ist die Wiederholungsimpfung gegen Staupe?

Eine Studie aus der Medizinischen Kleintierklinik der LMU München hat vor und nach Staupeimpfungen bei adulten Hunden Antikörper bestimmt. Das Fazit: Der Booster wäre verzichtbar.

  • Alle Hunde sollten durch eine Impfung vor dem kaninen Staupevirus geschützt werden.
  • Eine aktuelle Studie zeigt: Die Hundepopulation ist gut geschützt.
  • Die Wiederholungsimpfung nach erfolgreicher Grundimmunisierung kann durch eine Antikörpermessung ersetzt werden.

Staupe ist eine hochansteckende und oft tödliche Erkrankung beim Hund, die durch ein Paramyxovirus ausgelöst wird. Das kanine Staupevirus (Canine Distemper Virus, CDV) ist eng mit dem Masernvirus des Menschen verwandt. Wie bei den Masern konnte die Prävalenz der Staupe durch die Impfung der Hundepopulation signifikant reduziert werden. Doch das Virus ist in Deutschland über ungeimpfte Hunde (vor allem Importe aus Osteuropa) sowie bei Wildtieren weiterhin präsent. Ein Impfschutz vor der Erkrankung ist daher für jeden Hund unverzichtbar. Um einen Ausbruch zu verhindern, sollten mindestens 90 bis 95 Prozent der Population geimpft sein.

Gegen CDV sind verschiedene modifizierte Lebend­impfstoffe auf dem Markt. Nach einer Grundimmunisierung werden von den Herstellern Wiederholungsimpfungen im Abstand von bis zu drei Jahren empfohlen. Es ist bekannt, dass die Impfung einen langjährigen Schutz induziert. Unter experimentellen, virusfreien Bedingungen waren Antikörper noch nach neun Jahren nachweisbar, Studien unter Feldbedingungen fanden Antikörper nach vier bis 14 Jahren. Die StIKo Vet weist in der Leitlinie zur Impfung von Kleintieren (Januar 2021) daher auf die Möglichkeit hin, Antikörper gegen CDV in verschiedenen Testsystemen zu bestimmen, um über die Notwendigkeit einer Wiederholungsimpfung zu entscheiden.

Hundepopulation ist gut geschützt

An der Medizinischen Kleintierklinik der LMU München wurde nun untersucht, wie viele und welche Hunde schon vor einer Wiederholungsimpfung Antikörper gegen CDV hatten und wie sich der Titer innerhalb von 28 Tagen nach der Wiederholungsimpfung entwickelte. Untersucht wurden 97 Hunde aus privater Haltung, die mindestens ein Jahr vor der Studienteilnahme nicht gegen Staupe geimpft worden waren. Sie wurden mit einer Dreifach-Vakzine (Nobivac®, MSD) geimpft. Die Antikörper gegen CDV wurden an Tag 0 vor der Impfung sowie sieben und 28 Tage nach der Impfung gemessen.

Fast 95 Prozent der untersuchten Hunde hatten schon an Tag 0 vor der Impfung Antikörper gegen CDV. Die Hunde waren in der Vergangenheit alle schon gegen Staupe geimpft worden. Da bei Staupe das Vorhandensein von Antikörpern ein guter Indikator für eine Immunität gegen die Erkrankung ist, lässt sich das erfreuliche Fazit ziehen: Die Hundepopulation hierzulande ist gut geschützt.

Eine Antikörpermessung könnte die Wiederholungsimpfung ersetzen

Bemerkenswert ist, dass der Schutz so gut war, obwohl weniger als 20 Prozent der Hunde in der Studie vollständig geimpft waren, also sowohl eine Grund­immunisierung als auch regelmäßige Booster alle drei Jahre erhalten hatten. Ebenfalls erstaunlich: Eine humorale Reaktion auf die Impfung, definiert als mindestens vierfacher Titeranstieg bis Tag 28, zeigte keiner der untersuchten Hunde. Die Studie fand nur einen einzigen Faktor, der signifikant mit dem Vorhandensein von Antikörpern zusammenhing: ein junges Alter unter zwei Jahre. Weil nur sehr wenige junge Hunde an der Studie teilnahmen, sollte dies noch genauer untersucht werden.

Entscheidend für einen guten Schutz scheint zu sein, dass Hunde zumindest einmal geimpft wurden, nachdem keine maternalen Antikörper mehr vorhanden waren. Dann sind fehlende Wiederholungsimpfungen vermutlich nicht problematisch. Die Autoren schließen, dass regelmäßige Wiederholungsimpfungen bei adulten Hunden durch Antikörpermessung ersetzt werden sollten. Nur wenn die Antikörper fehlen, sollte erneut geimpft werden.

Auch bei älteren Hunden über neun Jahre waren Antikörper vorhanden, laut den Autoren gibt es daher keinen Grund, im Alter das Intervall zwischen den Wiederholungsimpfungen gegen Staupe zu verkürzen.

Fünf Tiere hatten weder vor der Impfung Antikörper noch gab es eine humorale Impfantwort. Auch bei den Masern beim Menschen scheint es bei einem geringen Anteil Geimpfter vorzukommen, dass das Immunsystem das Impfantigen nicht erkennt; hier ist weitere Forschung nötig. Die Autoren empfehlen für solche Hunde regelmäßige Wiederholungsimpfungen, um zumindest die zelluläre Immunität zu stärken. 

Originalpublikation

Bergmann M, Freisl M, Zablotski Y, Khan MAA, Speck S, Truyen U, Hartmann K (2021): Prevalence of Neutralising Antibodies to Canine Distemper Virus and Response to Vaccination in Client-Owned Adult Healthy Dogs. Viruses 13: 945. DOI 10.3390/v13050945

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