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Riskante Begegnung in der Abendstunde: Verletzungen durch Mähroboter haben stark zugenommen.
Foto: Viola Melchers, erstellt mit KI Midjourney
Riskante Begegnung in der Abendstunde: Verletzungen durch Mähroboter haben stark zugenommen.

Wildtiere

Verletzte Igel beim Rasenschnitt

Schnittverletzungen bei Igeln durch nächtliche Begegnungen mit Mährobotern sind keine Seltenheit, sondern ein erhebliches Tierschutzproblem. Igelsichere Roboter wären möglich.

  • Schnittverletzungen bei Igeln nehmen zu. Schuld sind meist Begegnungen mit Mährobotern.
  • Die Verletzungen verursachen großes Leid bei den gefährdeten Tieren. Die Mortalität ist hoch.
  • Igel reagieren auf Mähroboter nicht selten eher neugierig. Die Geräte erkennen Igel frühestens, wenn sie die Tiere schon berühren.

Die ersten Frühblüher leuchten im Garten, bald beginnt das Gras zu wachsen. Der Frühling lockt den Igel aus dem Winterschlaf und den Menschen zur Gartenarbeit. Leider wird diese Kombination erneut zu zahlreichen Schnittverletzungen bei den gefährdeten Wildtieren führen. 

Schwere Verletzungen bei Igeln durch Mähroboter

Mähroboter fügen Igeln regelmäßig und immer häufiger schwere Schnittverletzungen zu. Dies belegen Daten, die das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) in Deutschland gesammelt und jetzt in einer dem Igelschutz gewidmeten Sonderausgabe des Fachjournals Animals veröffentlicht hat: 370 Igel mit Schnittverletzungen meldeten Igel-Pflegestellen zwischen Juni 2022 und September 2023.


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Hinter diesen Zahlen verbirgt sich großes Tierleid. Zum einen vermuten die Autoren, dass es sich dabei nur um die Spitze des Eisbergs handelt, denn viele verletzte Igel werden gar nicht aufgefunden. Zum anderen wurden 60 % der verletzten Tiere erst 12 Stunden oder mehr nach dem Unfall gefunden, die Mehrheit sogar erst nach Tagen oder Wochen. Die Wunden waren dann infiziert, Fliegen hatten ihre Eier hinein gelegt und die Tiere waren nicht mehr in der Lage, selbstständig Futter zu suchen. 

Die Mortalitätsrate bei Schnittverletzungen ist hoch. Nur etwa die Hälfte der Tiere überlebte die Verletzung. Insbesondere, wenn sich Abszesse gebildet hatten oder Körperteile wie Nasen, Ohren, die Schnauze, Zehen oder ganze Beine abgeschnitten wurden, war die Prognose besonders schlecht. Tiere mit Schnittverletzungen müssen zudem oft über einen besonders langen Zeitraum therapiert werden – das führte im letzten Sommer dazu, dass Pflegestellen an ihre Kapazitätsgrenzen gerieten.

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Igel mit Schnittverletzungen.
Foto: Editha Schneider
Igel mit Schnittverletzungen.

Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass tatsächlich Mähroboter und nicht andere Gartengeräte das Problem verursachen:

  • die Anzahl verletzter Tiere nahm von 2022 nach 2023 zu. Genauso stieg auch der Absatz von Mährobotern in demselben Zeitraum.
  • Anders als Heckenscheren und Co. dürfen Mähroboter sowohl am Abend und in der Nacht als auch Sonntags ihre Runden im Garten drehen. Igel mit frischen Schnittverletzungen wurden Sonntags genauso häufig gefunden wie unter der Woche.

So verhalten sich Igel, wenn sie auf einen Mähroboter treffen

Eine weitere, ebenfalls im Sonderheft publizierte Studie untersuchte, wie Igel sich in den in freier Wildbahn selten zu beobachtenden Begegnungen mit einem Roboter verhalten. Das Forscherteam konnte mithilfe „entschärfter“ Mähroboter ohne Schnittmesser die Reaktion von 50 Tieren dokumentieren.  Die Igel reagierten individuell ganz unterschiedlich, waren häufig aber eher neugierig.

Die Forschenden identifizierten sieben Verhaltensmuster: vom mutigen Stacheltier, das dem Roboter gelassen sein Hinterteil entgegendreht oder das Gerät neugierig anblickt, bis hin zu schüchternen Exemplaren, die fliehen oder sich einrollen. Vor allem junge Igel neigen hier zu Draufgängertum, während ältere Tiere oder solche, die bereits Erfahrungen mit Mährobotern gesammelt hatten, vorsichtiger agieren.

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Ein weiteres Forscher-Team untersuchte, wie 19 handelsübliche Mähroboter-Modelle auf Igelkadaver reagierten.  „Unsere Ergebnisse zeigen, dass einige Modelle Igel verletzen können, während andere für sie unschädlich sind. Abgesehen von einem einzigen Vorfall mussten alle Mähroboter die Igelkadaver physisch berühren, um sie zu entdecken“, fassen die Autorinnen Sophie Lund Rasmussen und Anne Berger zusammen. Insbesondere für kleinere Igel ist das Risiko hoch.

Die Forschenden haben anhand ihrer Erkenntnisse ein Testprotokoll entwickelt, welches bei Mährobotern das Verletzungspotenzial für Igel bewertet. Sie plädieren dafür, dieses verpflichtend einzuführen, um die Verletzungsgefahr für Igel zu reduzieren und die Käufer der Geräte aufzuklären. Zudem sollte das Rasenmähen mittels Roboter in der Nacht verboten werden.

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Für Igel sind Mähroboter eine wachsende Gefahr.
Foto: mirkograul - stock.adobe.com

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Foto: Maximilian Reuschel

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