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Verirrter Herzwurm – Notfall-OP bei einer Katze

Siamkatze aus Texas, vier Jahre, plötzliche hochgradige Lahmheit hinten rechts. Puls 210, Temperatur normal, Allgemeinbefinden ungestört. Was ist jetzt zu tun?

Die betroffene Gliedmaße war kühl, an der A. femoralis kein Puls zu ertasten. Wegen Verdachts auf kardiogene Thromboembolie wurden Röntgenaufnahmen des Thorax angefertigt. Das Herz war unauffällig, die Lungenarterien geschlängelt. Die Katze war drei Jahre zuvor wegen Husten auf Dirofilaria immitis untersucht und für serologisch positiv befunden worden. Nun wurde ein Antigentest auf Dirofilaria durchgeführt; er war positiv. Im abdominalen Ultraschall war ein Herzwurm zu erkennen, der sich von der kaudalen Bauchaorta bis in die rechte A. iliaca externa und A. femoralis erstreckte. Mittels Echokardiogramm wurde ein intrakardialer Rechts-Links-Shunt auf Höhe der Vorhöfe entdeckt. Diese „Pforte“ öffnete den Weg in den Körper, den der Wurm vermutlich genommen hat, bis er in der A. femoralis stecken blieb.

Behandlung
Der Wurm wurde unter Allgemeinanästhesie entfernt. Hierzu wurde die A. femoralis unter Ultraschallkontrolle direkt unterhalb des distalen Wurmendes auf einer Länge von 1 cm eröffnet und der Wurm mit einer stumpfen Pinzette herausgezogen. Dieses Vorgehen war hochriskant, da eine Verletzung des Wurmes mit Austritt von Wurmmaterial zu einem anaphylaktischen Schock der Katze hätte führen können. Außerdem wurde das Narkoseprotokoll so gewählt, dass der Blutfluss über den Septumdefekt möglichst gedrosselt wurde (Dexmedetomidin für einen hohen systemischen Gefäßwiderstand, Spontanatmung während des Eingriffs).

Nach Gefäßverschluss bestand zunächst ein Vasospasmus; etwa zwei Stunden nach dem Eingriff war der Blutfluss jedoch wiederhergestellt. Die Katze erlangte direkt nach der Operation keine volle Kontrolle über ihre Gliedmaße, war nach Angaben der Besitzer aber vier Monate später mithilfe von Physiotherapie wieder nahezu beschwerdefrei.

Bei dem Wurm handelte sich um ein 13 cm langes adultes, nicht gravides Weibchen. In der Originalpublikation sind sowohl die Ultraschallbilder als auch die chirurgische Entfernung des Wurms als Videos online frei zugänglich.



Originalpublikation:
Oldach MS, Gunther-Harrington CT, Balsa IM, McLarty EM, Wakeman KA, Phillips KL, Honkavaara J, Visser LC, Stern JA (2018): Aberrant migration and surgical removal of a heartworm (Dirofilaria immitis) from the femoral artery of a cat. J Vet Intern Med 32: 792–796.
DOI: 10.1111/jvim.15070.

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Foto: Igor Normann - stock.adobe.com

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