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Der Praktische Tierarzt

Vergleichende Untersuchungen zur Magen-Darm-Passagezeit bei gesunden und kolikkranken Pferden

Der Praktische Tierarzt 83, 882-890

Publiziert: 10/2002

Zusammenfassung

In der vorliegenden Studie wurden die Transitzeiten,die kumulativen Exkretionszeiten von 5 %, 50 %,80 %, 95 % und die durchschnittlichen Retentionszeitenbei sechs gesunden Pferden (Kontrollgruppe) und24 obstipierten Kolikpatienten ermittelt. Während diesechs gesunden Probanden einer zweimaligen Messungunter identischen Konditionen unterzogen wurden,erfolgte eine Teilung der Patientengruppe in vierUntergruppen: mittelgradig kolonobstipiert (KM;n = 6), hochgradig kolonobstipiert (KH; n = 6), zäkumobstipiert(ZÄ; n = 6) und chirurgisch zu behandeln(OP; n = 6). Zur Messung der Ingesta-Exkretionsdynamikwurden erstmals der Farbstoff „Berliner Blau“(Marker 1) zur Markierung der flüssigen Phase undröntgendichte Pellets (Marker 2) zur Markierung derpartikulären Phase eingesetzt. Nach Applikation derMarker per Nasenschlundsonde wurde die Defäkationkontrolliert und die Fäzes kontinuierlich halbstündlichasserviert. Aus den gewonnenen Kotproben wurde derAmmoniumeisen(III)-hexazyanoferrat(II)–Komplex(Marker 1) getrennt, gespalten und das Ammoniumeisen(III) abfiltriert. Durch Zugabe definierter Mengendreiwertigen Eisens reagierte der Zyanokomplex wiederzum Farbstoff „Berliner Blau“, dessen Menge fotometrischbestimmt werden konnte. Die Pellets (Marker2) wurden durch Röntgen der Fäzes ausgezählt undsomit quantifiziert. Die Wiederfindungsrate des Markers1 lag bei 96,4 %, die des Markers 2 bei 98 %. BeideMarker erwiesen sich als grundsätzlich für die Messungder Magen-Darm-Passagezeit geeignet. Alle kolikkrankenPferde wiesen im Vergleich zur Kontrollgruppesignifikant verlängerte Passagezeiten derMarkersubstanzen auf. Die Verlaufsformen der kumulativenExkretionsgraphen der Gruppen KH, ZÄ undOPbildeten sowohl bei dem flüssigen Marker 1 als auchbeim partikulären Marker 2 einen gegenüber den mittelgradigkolonobstipierten und den gesunden Pferdenabweichenden Dreierblock. Bei der Ausscheidung desflüssigen Markers sind die Gruppen KH und OP nichtsignifikant verschieden, beide differieren jedoch zurGruppe ZÄ. Bei den partikulären Markern konnte zwischenden Gruppen ZÄ und OP kein statistisch absicherbarerUnterschied festgestellt werden, die GruppeKH jedoch ist zu allen übrigen Gruppen signifikantverschieden.

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