Die Quaddeln haben eine steile Wand, sind oben abgeflacht mit einem Durchmesser von wenigen Millimetern bis zu einigen Zentimetern und bleiben 24–48 h bestehen.
Foto: Navalis® nutraceuticals GmbH

Der Praktische Tierarzt

Urtikaria beim Pferd

Equine urticaria

Der Praktische Tierarzt 102, 820–833

DOI: 10.2376/0032-681X-2140

Eingereicht: 18. Mai 2021

Akzeptiert: 29. Juni 2021

Publiziert: 08/2021

Zusammenfassung

Während akute Urtikaria oft einmalig auftritt, stellt chronische oder rezidivierende Urtikaria beim Pferd sehr häufig eine Herausforderung für Tierärzte und Besitzer dar. Die genauen Pathomechanismen von Urtikaria sind jedoch, ähnlich wie in der Humanmedizin, noch ungeklärt, wobei es immunologische und nicht-immunologische Ursachen gibt. Neben einer Vielzahl an äußeren Einflüssen, die infrage kommen, scheint aber auch eine genetische Prädisposition vorhanden zu sein. Die Rolle des intestinalen Mikrobioms bei der Entstehung von Urtikaria ist beim Pferd noch unklar. Man geht davon aus, dass es sich bei der Urtikaria des Pferdes um eine IgE-mediierte Erkrankung handelt, welche klinisch mit der typischen Quaddelbildung einhergeht. Aber auch andere Hypersensitivitätsmechanismen können eine Rolle spielen bzw. es kommt zur Überlappung mit den Krankheitsbildern der atopischen Dermatitis und des Sommerekzems. Die Therapie der Urtikaria beim Pferd stützt sich derzeit primär auf den Versuch der Allergenvermeidung, wobei dies vermutlich nur bei einer geringen Anzahl an Pferden möglich ist und die Identifikation des Allergens voraussetzt. Zur medikamentösen, symptomatischen Therapie kommen Corticosteroide und/oder Antihistaminika zum Einsatz, wobei speziell zu den Antihistaminika nur sehr eingeschränkt Informationen vorliegen. Ein weiterer Therapieansatz ist die Veränderung der Immunantwort, z. B. mittels allergenspezifischer Immuntherapie, welche jedoch ebenfalls die Allergen-Identifikation erfordert. Zusätzlich gibt es verschiedene weitere Therapieansätze, die auf Mastzellstabilisierung oder auch Anti-IgE-Wirkung basieren. Dieser Artikel gibt eine Übersicht über die Literatur zum Thema Urtikaria beim Pferd sowie die derzeit verfügbaren Therapiemöglichkeiten.

Hypersensitivität
Allergie
Mastzellen
Dermatologie

Summary

In contrast to acute urticaria, which is often a one-time event, chronic and recurrent urticaria in horses commonly represents a challenge for veterinarians and owners. Like in human medicine, the exact pathophysiological mechanisms are not clear yet, although there are immunological and non-immunological causes. A multitude of external stimuli can cause urticaria in addition to a presumably existing genetic predisposition. Whether the intestinal microbiome plays a role in the pathogenesis of equine urticaria is still not clear. Urticaria in horses is thought to be an IgE-mediated disease, which involves the typical clinical appearance of skin wheals. Other hypersensitivity reactions can also play a role and there might be an overlap with the clinical pictures of atopic dermatitis and insect bite hypersensitivity. Therapy of equine urticaria currently relies on the attempt to prevent contact to the allergen, although this is probably only possible in a small number of horses because it requires identification of the allergen. Corticosteroids and/or antihistamines are used to symptomatically treat urticaria in horses, but only limited information is available regarding antihistamines. Another therapeutic option is to modulate the immune response, for example by allergen-specific immunotherapy, which also requires allergen identification. In addition, different treatment approaches are based on mast cell stabilisation but also anti-IgE-properties. This article reviews the literature regarding equine urticaria as well as the currently available treatment options.

hypersensitivity
allergy
mast cell
dermatology

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