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Wie kann man den Antibiotikaverbrauch beim Pferd erfassen?
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Wie kann man den Antibiotikaverbrauch beim Pferd erfassen?

Journal Club

Überwachung des Antibiotikaverbrauchs beim Pferd

Aus elektronischen Praxismanagement-Programmen lassen sich aufschlussreiche Daten extrahieren.

Sind Daten aus Patientenakten geeignet?

Eine standardisierte Überwachung des Antibiotikaverbrauchs gibt es für Pferde in Deutschland bisher nicht. Mit der zunehmenden Verbreitung von computergestützten Praxismanagement-Programmen weitet sich der Anteil der prinzipiell für eine elektronische Zusammenführung und Auswertung zur Verfügung stehenden Behandlungsdaten aus. Aber wie tauglich sind diese Routinedaten für eine zuverlässige Erhebung des Antibiotikaverbrauchs? Dieser Frage wurde nun an der Tierärztlichen Hochschule Hannover nachgegangen.

Ergebnisse

In dieser Untersuchung wurden die Anzahl der Antibiotika-Dosen sowie die Menge und prozentualen Anteile der enthaltenen Wirkstoffe für Antibiotika-Anwendungen und -abgaben der Pferdeklinik vom 1. Januar bis 31. Dezember 2017 ermittelt. In diesem Zeitraum wurden insgesamt 2.168 Pferde vorgestellt und 34.432 Arzneimittelanwendungen bei 1.773 Pferden dokumentiert. Darunter waren 6.489 (ca. 19 Prozent) Antibiotikaanwendungen bei 837 (ca. 47 Prozent) Pferden, die sich auf 162 Kilogramm Wirkstoffe beliefen. Die am häufigsten angewendeten Stoffklassen waren

  • Sulfonamide (ca. 84 kg; 52 Prozent),
  • Penicilline (ca. 30 kg; 19 Prozent)
  • und Nitroimidazole (ca. 25 kg; 15 Prozent).

Nach Einzelwirkstoffen vorherrschend waren

  • Sulfonamide (ca. 30 Prozent),
  • Trimethoprim (ca. 30 Prozent)
  • und Aminoglykoside (ca. 15 Prozent).

Die nach WHO-Katalog als „highest priority critically important“ eingestuften Stoffe (Fluorchinolone, Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Makrolide und Glykopeptide) wurden mit lediglich 240 Gramm (0,15 Prozent) und die als „high priority critically important“ eingestuften Stoffe (zum Beispiel die Aminoglykoside und viele Penicilline) mit knapp 34 Kilogramm (20,85 Prozent) verwendet. Im Vergleich zwischen tatsächlich applizierten Dosen und den Dosierungsempfehlungen der Pferdeklinik ergab sich für jeweils drei Prozent der Anwendungen eine Abweichung nach oben oder unten; 94 Prozent der Anwendungen lagen innerhalb des vorgegebenen Dosierungsschemas.

Fazit

Für die hier vorgestellte Auswertung war viel Vorarbeit und eine fachlich versierte Qualitätskontrolle der Daten erforderlich. Ist die Methode jedoch einmal etabliert, lassen sich aus der Routinedokumentation wertvolle Erkenntnisse gewinnen, ohne den Praxisteams zusätzliche Dokumentationspflichten aufzubürden. 

Originalpublikation

Schnepf A, Bienert-Zeit A, Ertugrul H, Wagels R, Werner N, Hartmann M, Feige K, Kreienbrock L (2020): Antimicrobial Usage in Horses: The Use of Electronic Data, Data Curation, and First Results. Front Vet Sci 7:216. DOI 10.3389/fvets.2020.00216

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