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Vortrag

Tumordiät bei Hund und Katze – sechs Tipps

Welche Bestandteile der Nahrung haben Einfluss auf die Tumorentwicklung? Diese sechs Punkte sind bei der Ernährung tumorkranker Tiere wichtig.

Professor Jürgen Zentek sprach auf dem DVG Vet-Congress im Oktober 2020 über den Einfluss der Ernährung auf das Tumorwachstum bei Hunden und Katzen. Zunächst musste er die Erwartungen dämpfen: Selbst in der Humanmedizin gibt es bis dato keine etablierte „Krebsdiät“, deren Wirksamkeit evidenzbasiert nachgewiesen werden konnte. Viele der kursierenden Ernährungsempfehlungen sind sogar mit erheblichen Risiken für die Patien­ten verbunden (Mangelernährung/Gewichtsverlust).

Dennoch: Tumoröse Erkrankungen verändern den Stoffwechsel, ihre Auswirkungen auf den Organismus lassen sich durch eine geeignete Ernährung günstig beeinflussen. Dabei sollte insbesondere der Stoffwechsel unterstützt werden; weitergehende Aussagen über eine therapeutische Wirkung der Fütterung sieht Zentek eher kritisch. Tumoren konkurrieren mit dem Organismus um Nährstoffe. Ihr Stoffwechsel entspricht im Grunde dem normalen Gewebes, ist aber äußerst aktiv und die ablaufenden Prozesse sind nur wenig reguliert.

Diese Punkte sollten bei einer Tumordiät für Hunde und Katzen beachtet werden

  1. Hohe Akzeptanz: Gewichtsverlust und Muskelabbau sind bei Tumorpatienten prognostisch ungünstig. Wichtig ist also, dass die Patienten ihr Futter gerne fressen. Hilfreich dabei: frisches Futter mit hohem Fett- und Proteingehalt, serviert in kleinen Portionen, gerne körperwarm.
  2. Energiereiches und gut verdauliches Futter: Futter mit verhältnismäßig hohem Energie- und Fettgehalt kann dabei helfen, einem starken Gewichtsverlust vorzubeugen.
  3. Fischöl: Fettsäuren beeinflussen die Zusammensetzung der Lipidschicht in der Zellmembran. Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl können die Sensitivität gegenüber einer Chemotherapie verbessern. Zudem konnte gezeigt werden, dass sie auch die Metastasierungsneigung von Tumoren beeinflussen können. Schließlich kann sich eine Hyperlipidämie negativ auf das Immunsystem auswirken. Auch hier können Omega-3-Fettsäuren einen positiven Effekt haben.
  4. Hohe Eiweißqualität: Der Proteinumsatz von Tumorpatienten ist meist erhöht – zum einen durch die Bildung von Tumorgewebe, zum anderen durch den zusätzlichen Bedarf an Aminosäuren zur Energiegewinnung. Die Versorgung mit Protein ist ein zweischneidiges Schwert: Wer proteinreich füttert, um den Bedarf der Patienten zu decken, kann dabei auch immer das Tumorwachstum fördern. Auch das Immunsystem von Tumorpatienten hat einen erhöhten Bedarf an bestimmten Aminosäuren, zum Beispiel Arginin und Glutamin. Es sollte hochwertiges Protein gefüttert werden, um diesen Bedarf zu decken.
  5. Reduzierter Kohlenhydrat-Anteil: Ein wichtiges Merkmal von Tumoren ist die Energiegewinnung durch anaerobe Glykolyse. Glut-Transporter sind überexprimiert, so wird Glukose sehr rasch aus dem Blut aufgenommen und unter Laktatbildung anaerob verstoffwechselt. Für Lymphompatienten sind eine Tendenz zu vermehrter Laktatbildung und eine verminderte Glukosetoleranz nachgewiesen. Diese Patienten profitieren von Futter mit eher geringem Kohlenhydrat-Anteil.
  6. Spurenelemente und Vitamine: Eine bedarfsdeckende Versorgung mit zum Beispiel Zink, Kupfer, Eisen und Selen sowie Vitaminen ist wichtig, um das Immunsystem mit allen essenziellen Nährstoffen zu versorgen. Es gilt jedoch nicht „viel hilft viel“, sodass eine Supplementierung bei „normaler“ Fütterung nicht zu empfehlen ist.

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Die Praxis: Fütterung von Tumor­patienten

Soll die Ernährung eines Tumor­patienten optimiert werden, stehen Fertigdiäten zur Verfügung, die den Anforderungen laut Zentek sehr gut entsprechen. Möchten die Besitzer lieber das gewohnte Futter geben, können Fischöl (0,5–1 g/kg Körpermasse) und hochwertige Eiweiße, zum Beispiel in Form von Milch- und Eiprotein, ergänzt werden.

Achtung: Lebertran ist kein guter Ersatz für Fischöl, da meist der Vit­amin-D3-Gehalt hoch ist. Davon rät Jürgen Zentek bei Tumorpatienten ab, deren Kalziumstoffwechsel oft ohnehin schon beeinträchtigt ist; auf eine bedarfsdeckende Grundversorgung mit essenziellen Nährstoffen ist zu achten.

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