Sparschwein über dem ein Stethoskop hängt.
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Branchenentwicklung

Tierkrankenversicherung − ja oder nein?

Warum die tiermedizinische Versorgung immer teurer wird und worauf Tierbesitzer achten sollten.

  • Die Tierarztbranche befindet sich im Wandel und die Kosten für tierärztliche Behandlungen steigen.
  • Besonders im Notdienst müssen Tierbesitzer mit höheren Gebühren rechnen.
  • Krankenversicherungen machen für viele Tierbesitzer Sinn, es gilt jedoch die Anbieter zu vergleichen.

Der Wandel in der Tiermedizin bedingt es: Tierhalter werden künftig tiefer in die Tasche greifen müssen und auch auf Praxisinhaber kommen höhere Kosten für Personal und Gerätschaften zu. Dies ist unter anderem auf folgende Entwicklungen zurückzuführen:

  • Upperclass Tiermedizin: Gestiegene Besitzeransprüche und die Forderung nach einer hochklassigen tiermedizinischen Versorgung auf humanmedizinischem Niveau haben zur Entstehung hochspezialisierter, personalstarker Versorgungszentren mit entsprechendem Preisniveau geführt.
  •  Klinikketten: Klinikketten breiten sich weiter aus. Sowohl AniCura als auch Evidensia gehören inzwischen zu den US-amerikanischen Großkonzernen Mars und Nestle. Es ist möglich, dass Ketten in Zukunft mit bestimmten Versicherern zusammenarbeiten.
  • VUK,GFT: Der Verbund unabhängiger Kleintierkliniken e. V. (VUK) entstand als Reaktion auf den gewachsenen Druck, den Klinikleiter empfinden. Diese fühlen sich durch das Kliniksterben und die daraus resultierende Notdienstproblematik sowie das Fehlen flächendeckender Versicherungen an den Rand der wirtschaftlichen Leistungskraft gedrängt. Die Gesellschaft für freie Tiermedizin (GfT) ist ein bundesweiter Verbund freier und unabhängiger, inhabergeführter Tierarztpraxen und Tierkliniken, der sich für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Tiermedizin durch inhabergeführte Praxen/Kliniken und die faire Beratung von Besitzern einsetzt. Sie wollen sich gegenüber den Finanzinvestoren positionieren.
  • Notdienstproblematik: Da Kliniken mit 24-Stunden-Bereitschaft immer rarer werden, ist zu erwarten, dass die Kosten für die Notfallversorgung in den verbleibenden Kliniken stark ansteigen. Mit Inkrafttreten der neuen Notdienst-GOT steigen die Kosten für Behandlungen außerhalb der üblichen Sprechzeiten und an Wochenenden.
  • Nachwuchsmangel und Generation Y: Viele Klinikinhaber haben Probleme, kompetentes Personal zu finden. Die Bereitschaft zu Wochenend- und Notdienstarbeit möchte die nachwachsende Generation bezahlt wissen. Das Zahlen angemessener Löhne ist nur möglich, wenn eine Klinik/Praxis durch entsprechende Preisgestaltung ausreichend Umsatz generieren kann.

Da davon auszugehen ist, dass Preisdiskussionen mit wachsenden Kosten eher zu- als abnehmen, Notfallbehandlungen den Besitzer künftig sehr teuer zu stehen kommen und bestimmte Therapien aus Budgetgründen verweigert werden, ist es im Sinne der Tiere und aus Sicht des Tierarztes wünschenswert, dass ein höhererProzentsatz der Haustiere krankenversichert sind.

Worauf Patientenbesitzer bei Tierkrankenversicherungen achten sollten


Inzwischen sind zahlreiche Anbieter und noch mehr Tarife (i. d. R. Unterscheidung zwischen kostengünstigerem OP- und teurerem Vollschutz) auf dem Markt. Diese wurden bereits von unterschiedlichen Verbrauchermagazinen wie Stiftung Warentest und Ökotest wiederholt unter die Lupe genommen und dabei unter anderem auf Preis/Leistung und Fairness geprüft.

  • Je jünger, desto besser: Da neben der Rasse vor allem das Alter über die Aufnahme und den Beitragssatz entscheidet, sollten Tiere möglichst jung versichert werden. Somit ist das Thema Krankenversicherung bereits bei der Vorstellung von Welpen eines, das es zu besprechen gilt.
  • Infos in Wort und Sprache: Entsprechende Infomaterialien rücken das Thema ins Gedächtnis und helfen dem Besitzer bei der Entscheidungsfindung.
  • Das Kleingedruckte lesen: Grundsätzlich sollten die aktuellen Versicherungskonditionen der unterschiedlichen Anbieter verglichen werden, wobei auch das Kleingedruckte zu lesen ist. Fragen und Erfahrungen mit einzelnen Anbietern werden derzeit vor allem online z. B. in den sozialen Netzwerken gestellt und ausgetauscht.
  • Keine GOT-Obergrenze: In jedem Fall ist bei der Auswahl des Versicherers und Tarifes darauf zu achten, dass die Kostenübernahme nicht GOT-gedeckelt ist. Wenn eine Versicherung aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder bestehender Vorerkrankungen nicht mehr möglich ist, sollten Tierbesitzer privat vorsorgen.

Je nach Versicherer werden auch alternative Therapiemethoden und Reha-Maßnahmen (wenn von Tierarzt ausgeführt) in gewissem Umfang übernommen. Ebenso gibt es eine Versicherung für Kaninchen.