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Amtstierärzte

Tierarztmangel im Schlachthof

Eine Umfrage der Bundestierärztekammer zeigt: Das Personal für die Schlachttier- und Fleischuntersuchung wird knapp. Es wird Zeit für eine grundlegende Neuorganisation.

Traditionell übernahmen viele Großtierpraktiker neben der Praxis auch die Fleischbeschau. Nicht selten sicherte diese zusätzliche Einnahmequelle ihre Existenz. Fleischuntersuchungs- und Praxisbezirke waren nahezu identisch, die Wege kurz. Das hat sich mit dem Strukturwandel grundlegend geändert. Der Radius vieler Praxen hat sich deutlich erweitert. Gleichzeitig haben viele handwerkliche Schlachtbetriebe aufgegeben.

Die Fleischbeschau ist durch weite Anfahrten und zusätzliche Aufgaben in der Hygieneüberwachung kaum noch mit der Praxistätigkeit vereinbar. Auch finanziell ist die Schlachttier- und Fleischuntersuchung für Tierärzte bei Weitem nicht mehr so attraktiv wie früher.

Personalmangel droht: Umfrage der Bundestierärztekammer

Zunehmend können offene Stellen in der Schlachttier- und Fleischbeschau nicht besetzt werden. Gleichzeitig machen Verstöße gegen das Tierwohl in Schlachthöfen Schlagzeile. Der Ausschuss für Lebensmittel-, Milch und Fleischhygiene der Bundestierärztekammer (BTK) hat dies zum Anlass für eine Umfrage genommen. Die Auswertung und daraus folgende Forderungen wurden in einem Artikel im Deutschen Tierärzteblatt publiziert. Dies sind die Ergebnisse der Umfrage:

  • Die Altersstruktur der Beschäftigten zeigt: In den nächsten drei bis vier Jahren werden bis zu 500 Stellen zu besetzen sein.
  • Bei der Mehrzahl der Betriebe handelt es sich nach wie vor um kleine, handwerkliche Schlachtbetriebe. Hier wird der Amtstierarzt nach Stückzahl vergütet.
  • Eine Stückvergütung wirkt sich ungünstig auf den Tierarzt aus. Zudem werden zahlreiche zur Schlachttier- und Fleischuntersuchung gehörende Tätigkeiten gar nicht bezahlt.
  • Das Interesse der Tierärzteschaft an der Fleischbeschau nimmt ab, schon jetzt gibt es Engpässe.

Der BTK-Ausschuss fordert eine grundlegende Neuorganisation der ambulanten Schlachttier- und Fleischuntersuchung. Auch in handwerklichen Schlachtbetrieben sollen diese Untersuchungen in das Fachgebiet "Amtliche Lebensmittelüberwachung" der Veterinärämter integriert werden.

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