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Foto: Elisabeth Peus
Trichomonaden können  schlimme Abszesse verursachen, hier bei einer verstorbenen Ringeltaube sichtbar.

Vogelmedizin

Tauben als Patienten – drei typische Krankheitsbilder

Die wenigsten Tierärzte sind Taubenexperten. Manche Krankheiten kommen jedoch relativ häufig vor. Wir zeigen, wie Sie diese erkennen.

In der Kleintierpraxis müssen Praktiker mit allem rechnen: Plötzlich sitzt eine Taube auf dem Behandlungstisch. Und nun? Dr. Elisabeth Peus, Leiterin der Taubenklinik Essen, stellt drei häufige Krankheitsbilder vor.

Trichomonaden

Trichomonaden hat jede Taube in ihrem Leben mal gehabt. Adulte Tiere kommen damit gut zurecht. Problematisch ist es für junge oder immunsupprimierte Tauben. Häufig sind Stadt- oder Ringeltauben heftig von Trichomonaden befallen.  Trichomonaden können wirklich schlimme Abszesse im Rachen, Ösophagus, Kropf – aber auch in Organen wie Leber – oder bei Jungen im Nest am Nabel verursachen.

„Grundsätzlich ist es bei Tauben immer hilfreich Abstriche zu machen“, erklärt die Elisabeth Peus, Leiterin der Taubenklinik Essen. Ein Kropfabstrich eignet sich zur Diagnostik von Trichomonaden. Öffnet man den Schnabel sieht man oft schon, ob der Rachenraum zerfressen ist, sodass das Tier schon gar nicht mehr schlucken kann. Trichomonaden sind behandelbar, der Behandlungserfolg hängt jedoch vom jeweiligen Krankheitsstadium ab. Die rechtliche Situation bezüglich der Arzneimittel wird zunehmend schwierig.

Paramyxovirose

In den 80er Jahren kam die Paramyxovirose der Tauben auf.  Die durch das Avulavirus hervorgerufene Erkrankung ist weit verbreitet und endemisch. Pathognomonisch sind die ZNS Ausfälle: Die Tiere zeigen „Kopfverdrehen“.  Bei starken ZNS- Symptomen und Gewichtsverlust muss man immer an Paramyxovirose denken. „Zu Beginn zeigt sich das nur durch nassen Kot und Gewichtsverlust“, erklärt Peus.  Brieftaubenzüchter haben sich seit 1988 eine verbandsinterne Impfpflicht auferlegt, um die Krankheit in den Griff zu bekommen.

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Foto: Elisabeth Peus
Paramyxovirose: Pathognomonisch sind die ZNS Ausfälle, das sogenannte „Kopfverdrehen“, häufiger ist mittlerweile nasser Kot und Abmagerung.

Die Jungtaubenkrankheit (JTK)

Die Jungtaubenkrankheit ist eine noch recht frisch entdeckte Erkrankung durch Taubenrotaviren. Typische „JTK“ Symptome: akuter bis hochakuter Verlauf, Vomitus, Kropfstase, Durchfall, Apathie, teils Todesfälle – in der Sektion zeigt sich oft eine Hepatomegalie, sonst kaum andere Organveränderungen.

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Bei Fragen rund um die Taubenbehandlung

Eine geeignete Plattform, um sich über Medikamente für Tauben zu informieren, ist Vetidata von der Uni Leipzig. Kollegen können jedoch immer in der Taubenklinik in Essen nachfragen. Elisabeth Peus lädt interessierte Kollegen dazu ein, sich zu ihrem Mail- Verteiler (e.peus@brieftaube.de) anzumelden, um up to date zu bleiben was Taubenmedizin angeht. Sie publiziert viel auf der Homepage des Brieftaubenverbandes, und versucht so auch interessierte Tierärzte zu informieren.

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Foto: Elisabeth Peus
Vogeltierärztin aus Leidenschaft: Elisabeth Peus hier mit einer jungen Taube.

In der aktuellen Ausgabe von Der Praktische Tierarzt finden interessierte Leser eine Reportage über die Taubenklinik in Essen von Daniela Diepold

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