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Foto: FU Berlin
Das Projekt Support4Vetmed zeichnet sich durch einen regen Austausch aus.

Ausländische Tierärzte

Support4VetMed: Mit Unterstützung durch den Bürokratiedschungel

Können Sie sich noch an den Papierkrieg erinnern, der nötig war, um Ihre Approbation zu beantragen? Für ausländische Tierärzte ist der Bürokratiedschungel noch undurchsichtiger, das zeigen Interviews mit Teilnehmenden des Projekts Support4Vetmed.

Von Charlotte Neubert

Stellen Sie sich vor, Sie wären noch recht neu in einem fremden Land, dessen bürokratische Wege Sie nicht kennen und dessen Sprache Sie gerade erst lernen. Nach Ihrer bisherigen Berufslaufbahn müssen Sie nun schauen, wie Sie hier als Tiermediziner Fuß fassen können – wie und ob sie überhaupt ihre vorläufige Berufserlaubnis bekommen, bevor es dann an die Erlangung der Approbation geht. Das Projekt Support4Vetmed (genauere Informationen am Ende dieses Artikels) hat mit mehreren  Projekt-Teilnehmenden über genau diese Situation unterhalten.

Support4vetmed

Wenn Sie im Ausland ein Studium der Tiermedizin abgeschlossen haben und nun auf die Anerkennung ihrer Ausbildung in Deutschland hinarbeiten, sind Sie hier genau richtig!
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Maria aus Brasilien

Maria (Name von der Redaktion geändert), 49, aus Brasilien kam 2016  dauerhaft aus ihrem Heimatland nach Deutschland. Hauptgrund für ihren Umzug war die neue Arbeitsposition ihres Mannes in Deutschland. Die Jahre zuvor waren die beiden zwischen Brasilien und Deutschland hin- und hergependelt. Sie selbst arbeitete in Brasilien als Beamtin im Tierversuchs-Bereich im Gesundheitsministerium. Diese Tätigkeit kann sie hier in Deutschland nun aber derzeit nicht mehr ausführen. „Für mich war es am Anfang schwierig zu verstehen, ob ich in Deutschland überhaupt als Tierärztin arbeiten darf. Ganz am Anfang, 2012, dachte ich, dass ich gar nicht in Deutschland arbeiten werden kann. Es ist eine Erleichterung, dass ich nun einen Weg gefunden habe. Es gab einen Moment, als ich dachte, ich habe meinen Beruf komplett verloren“, erzählt sie im Gespräch. Zunächst hatte sie sich an das Jobcenter in einer kleinen Stadt gewandt, wo es hieß, dass sie in Deutschland nicht als Tierärztin arbeiten könnte. „Dann habe ich selber überlegt, wie würde ich es in Brasilien machen – ich würde zur Tierärztekammer gehen. Das habe ich dann gemacht und dort wurde mir geholfen.“ Nun ist sie in Vorbereitung auf 15 Kenntnisstandprüfungen, die sie zum Erhalt der Approbation absolvieren muss. „15 Prüfungen, das ist schon hart. Aber trotzdem, die Prüfungen sind für mich eine Möglichkeit mein Wissen aus der Uni wieder aufzufrischen. Ich liebe meinen Beruf und daher lerne ich gerne. So sehe ich das bisher und es klappt ganz gut.“ Zur Vorbereitung nutzt sie Unterlagen, die ihr von der Universität Gießen zur Verfügung gestellt wurden, sowie das E-Learning-Angebot von Support4Vetmed.

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Hasan aus der Türkei

Die Gründe nach Deutschland zu kommen sind vielseitiger Natur. Hasan, 38, kam vor dreieinhalb Jahren aus politischen Gründen aus der Türkei nach Deutschland. Er arbeitete bereits zehn Jahre im Großtierbereich, zuletzt betreute er einen Milchviehbetrieb mit 2.500 Tieren. Doch trotz EU-Status wurde sein Abschluss nicht anerkannt, da seiner Universität die EAVE-Akkreditierung fehlte. Nun hat er – zunächst über das Jobcenter, später die Tierärztekammer, den Weg in die Kleintierpraxis gefunden, wo er für die kommenden zwei bis vier Jahre mit Berufserlaubnis arbeiten kann. Parallel bereitet er sich auf die Kenntnisstandprüfungen vor und hat vor zwei Wochen seine erste Prüfung erfolgreich absolviert. Über seinen Weg sagt er selbst: „Nach meiner Ankunft hier habe ich vom Jobcenter verschiedene Informationen bekommen.“ Von „nein, es geht nicht“ über „es wird kompliziert“ zu „sie müssen vielleicht Prüfungen machen“. Dann habe er sich zum Schluss selbst an die TÄ-Kammer gewandt. Dort habe er dann die Nachricht bekommen, dass es ganz leicht sei und er nur sein Diplom nachweisen müsse und sich zu den Kenntnisstandprüfungen anmelden kann. Er hat daraufhin zwei Jahre lang einen Deutschkurs gemacht und dennoch einige ei gebraucht, bis er die erste Anstellung gefunden hat. Dass er nicht direkt arbeiten konnte, war frustrierend, erzählt er im Interview: „Ich bin jung, ich mag meinen Job, ich möchte arbeiten!“

Um sich für die Approbation anzumelden, benötigen die Kandidaten und Kandidatinnen neben zahlreicher persönlicher Unterlagen mindestens B2-Sprachniveau und den Nachweis über den Ausbildungsabschluss im Heimatland.

Naomi aus Brasilien und Nicole aus Malaysia

Naomi (28) aus Brasilien und Nicole (28) aus Malaysia sind beide recht kurz nach ihrem Abschluss im Heimatland nach Deutschland gekommen. Naomi berichtet, dass es in Brasilien zu viele Tiermedizin-Absolventen und Absolventinnen gebe und die Chance auf einen Job, der dazu auch noch angemessen bezahlt ist, sehr gering sei. Daher war Deutschland ein attraktiver Standort für den Start ihres Berufslebens. Nun arbeitet sie mit temporärer Berufserlaubnis in einem Veterinärmedizin-Labor und bereitet sich parallel auf die Kenntnisstandprüfungen vor. Nicole absolviert derzeit ein Praktikum im Heim- und Wildtier-Bereich an der TiHo und würde auch gerne in diesem Bereich arbeiten. Zuvor hat sie in Malaysia in verschiedenen Wildtierstationen geholfen. Sie erzählt, dass man in Malaysia als Tiermediziner ungefähr so viel verdient wie eine Pflegekraft. Trotz ihres C1-Deutsch-Niveaus sei es für sie herausfordernd, neben Deutsch-Muttersprachlern und Muttersprachlerinnen genug Selbstbewusstsein aufzubringen und sich Dinge zuzutrauen.

Weitersagen: Support4VetMed hilft ausländischen Tierärzten – kostenlos!

Und nun sind Sie gefragt! Vielleicht haben Sie jemanden im Team, der oder die derzeit mit vorläufiger Berufserlaubnis bei Ihnen arbeitet? Oder kennen Kollegen und Kolleginnen in ihrem Umfeld, die aufgrund mangelnder Berufserlaubnis oder Approbation noch nicht arbeiten dürfen? Wenn Sie jemanden kennen, der Probleme beim Antrag auf die Approbation hat oder in Vorbereitung auf die Kenntnisstandprüfungen ist, berichten Sie gern von Support4Vetmed.

Die Plattform dient den Teilnehmenden als erste Orientierung zur Antragsstellung und liefert Informationen zum Prüfungsprozess, zu den veterinärmedizinischen Fakultäten und deren Ansprechpartner für Anmeldung zu den Prüfungen sowie Terminvereinbarungen. Darüber hinaus ist in die Website eine Jobbörse integriert, die von Arbeitnehmern und -gebern gleichermaßen genutzt werden kann. Denn mit Berufserfahrung reduzieren sich die Prüfungen vielerorts von 15 auf zehn, da das Wissen der klinischen Fächer dadurch abgedeckt ist. Für viele ist das eine große Erleichterung. Auf diese Weise können die Teilnehmenden mehrheitlich in erheblich verkürzter Zeit die Prüfungen zur Erlangung der Approbation ablegen und qualifikationsgerecht in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Support4Vetmed: die Projekt-Hardfacts

Als Teil des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“, finanziert aus Mitteln des Bundes und der EU, bekommen ausländische Tierärzte aus nicht EU-Ländern bei Support4Vetmed Unterstützung beim Start ins Berufsleben.

  • Projekt besteht seit Anfang 2019, gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie dem Europäischen Sozialfond (EFS)
  • Träger ist das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“ (IQ)
  • Initiativprojekt der des Fachbereichs Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Mahtab Bahramsoltani und Dr. Salah Al Masri
  • Ziel: Unterstützung bei der Antragstellung und Vorbereitung auf die Kenntnisprüfungen mit dem Ziel des Erhalts der Approbation
  • Konkret bedeutet das: Bereitstellung von Lehrmaterialien im E-Learning-Format zur Vorbereitung auf spezifische Prüfungen
  • Jobbörse auf der Website
  • Zielgruppe: Tierärzt:innen aus Drittstaaten (=Nicht-EU-Ausland), die bereits in Deutschland wohnhaft sind und entweder mit einer temporären Berufserlaubnis berufstätig sind oder in der nächsten Zeit tierärztlich tätig werden wollen
  • Großer Online-Info-Tag im Herbst, Infos dazu gibt es auf der Website oder bei facebook.

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Foto: DGK-DVG

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