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Gerade auf mehrtägigen Veranstaltungen mit großem Einzugsbereich brauchen Pferde Schutz vor dem Equinen Herpesvirus 1.
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Gerade auf mehrtägigen Veranstaltungen mit großem Einzugsbereich brauchen Pferde Schutz vor dem Equinen Herpesvirus 1.

Turniere

Sportpferde vor dem Equinen Herpesvirus schützen

EHV-1-Experte Prof. Dr. Lutz Göhring sprach auf dem DVG-Vet-Congress 2022 über sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen für Veranstaltungen.

Ausgehend von einem internationalen Turnier in Valencia kam es im Frühjahr 2021 zum bisher größten EHV-1-Ausbruch unter Sportpferden. „Für die Branche war das ein Hallo-Wach-Moment“, meinte Lutz Göhring, der aufgrund seiner umfangreichen Forschungstätigkeit als Experte für das Equine Herpesvirus gilt. Was lief bei der Veranstaltung in Valencia schief? Göhring, Professor am Gluck Equine Research Center in Kentucky, sieht ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen: Die Impfquote unter den teilnehmenden Pferden war niedrig, Tiere „aus allen Himmelsrichtungen“ wurden gemeinsam in Stallzelten untergebracht, die relativ dicht besetzt waren. Es gab nur wenige Eingangsuntersuchungen und kaum ein Teilnehmer maß bei seinem Pferd Fieber. Die langen Anfahrtswege zum Turnier könnten ein zusätzlicher Risikofaktor für eine Aktivierung des EHV-1-Virus aus der Latenz gewesen sein. Gerüchteweise waren zudem Pferde aus einem Bestand mit ungeklärten Aborten auf dem Turnier. Der Grund für die eher laxe Hygiene: EHV-1-Ausbrüche bei Turnieren sind sehr selten, bis 2021 war das Risiko Teilnehmern und Veranstaltern wenig bewusst. 

Equines Herpes Virus 1: Ausbruch in Valencia – und darüber hinaus

Bei einem internationalen Turnier in Valencia ist es zu dem laut Weltpferdesportverband (FEI) "vermutlich schlimmsten EHV-1-Ausbruch seit Jahrzehnten" gekommen. Zahlreiche gegebenenfalls ansteckende Pferde sind bereits in ihre Heimatländer abgereist. Auch in Deutschland wurde ein Ausbruch bestätigt.
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In Kalifornien kam es Anfang 2022 dann zu einem ähnlichen Ausbruch im Zusammenhang mit einem Trainingscamp für Sportpferde. „Der gemeinsame Nenner sind die gemeinsame Unterbringung der Pferde und die längere Aufenthaltsdauer“, fasst Göhring zusammen. Bei einer solchen Konstellation scheint das Risiko für einen Ausbruch besonders hoch zu sein.

Schutz vor EHV-1: Neue Wege nach Valencia

Doch wie können Veranstaltungen sicherer durchgeführt werden? Lutz Göhring nennt als wichtigsten Punkt eine gute Impfdecke bei den teilnehmenden Pferden.

Die FN hat für Turnierpferde bereits eine Impfpflicht gegen das EHV-1-Virus eingeführt, die ab dem 01. Januar 2023 gilt. 

Eine gute Impfdecke stellt sicher, dass im Fall einer Virus-Einschleppung auf einer Veranstaltung nur geringe Mengen Virus zirkulieren. Sind zu viele Pferde ungeschützt, kann es hingegen zu Superspreader-Events kommen, bei denen einzelne Tiere riesige Mengen Virus in Umlauf bringen, sodass in der Folge auch Impfdurchbrüche möglich sind.

Über die Impfung hinaus empfiehlt Lutz Göhring aber bei mehrtägigen bzw. mehrwöchigen Veranstaltungen auch Eingangsuntersuchungen. Fiebermessen ist alleine nicht ausreichend, weil mit EHV-1 infizierte Tiere erst eine erhöhte Temperatur entwickeln, nachdem sie bereits einige Tage infektiös waren. Proben für PCR-Untersuchungen sollten daher sowohl bei Anreise als auch während des Turniers genommen werden, da es bei latent infizierten Pferden unter Stress ein erhöhtes Risiko für eine Reaktivierung des Virus gibt.

Nicht mit kranken Pferden auf eine Veranstaltung reisen

Von den Teilnehmern erwartet Göhring „gesunden Pferdeverstand“: Niemand sollte mit kranken Pferden oder unbeprobten Tieren aus einem Bestand mit Fieber, Husten, neurologischen Fällen oder Aborten auf eine Veranstaltung reisen. Wenn es um solche Sicherheitsfragen geht, sollten auch die Veranstalter sich bei der Rückzahlung von Meldegeldern flexibel zeigen.

Schließlich endet die Vorsicht nicht mit dem Turnier: In den Heimatställen leben Turniergänger häufig mit Pferden zusammen, die nicht reisen und deren Impfquote wesentlich niedriger ist. Hier besteht im Fall einer Infektion also wieder ein erhöhtes Risiko für Superspreading. Heimkehrer sollten daher abgesondert werden. „Keine komplette Quarantäne“, meint Göhring, „aber nicht gleich auf dieselbe Koppel und Nase an Nase aus demselben Futtertrog fressen“.

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