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Auch Tierärzte stehen häufig im Kreuzfeuer ethischer Diskussionen
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Auch Tierärzte stehen häufig im Kreuzfeuer ethischer Diskussionen.

Kommunikation

Sieben Gesprächsregeln zum (Nutztier)-Diskurs

Statt weiteres Öl ins Feuer zu gießen: Diese sieben Regeln sollen dabei helfen, ethische Diskussionen respektvoller zu gestalten.

„Ihr Tierärzte unterstützt doch alle die Massentierhaltung und pumpt die armen Viecher mit Antibiotika voll…!“

Es gibt bestimmte Reizthemen, die Menschen in Windeseile auf die Palme bringen. Diskussionen geraten dann schnell von einer sachlichen auf eine persönliche Ebene. Gerade bei Themen rund um Tierwohl sowie Ethik  stehen auch Tierärzte nicht selten im Kreuzfeuer empörter Tierbesitzer oder Tierschutzorganisationen, wobei Berichterstattungen im Fernsehen und den sozialen Netzwerken die Stimmung gegenüber der Berufsgruppe prägen und verändern können.

Folgende sieben Gesprächsregeln sind durch das Projekt „Wenn Tiere über Menschen streiten“ inspiriert, welches sich mit ethischen Diskursen beschäftigt hat und im April 2022 in Der Praktische Tierarzt vorgestellt wurde. Zwar wurden diese für den Nutztierdiskurs konzipiert, jedoch können sie auch für Kleintierpraktiker von Nutzen sein, da sie sich ebenfalls mit ethischen Themen beschäftigen bzw. zu diesen befragt werden.

Regel 1: Hören Sie wohlwollend zu.

Versuchen Sie negative Erfahrungen, die Sie vielleicht mit Tierrechtlern oder einer bestimmten Kategorie von Tierbesitzern gesammelt haben, abzulegen und sich trotz allem für die Argumente Ihres Gegenübers zu öffnen. Vielleicht hat er oder sie doch einen interessanten, neuen Impuls, für den es sich lohnt, zuzuhören.

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Regel 2: Suchen Sie nach einem gemeinsamen Nenner.

Auch bei konträren Meinungen gibt es in der Regel Schnittmengen. Falls Sie mit dem Tierbesitzer in einen Dialog treten und z.B. eine gemeinsame Lösung für das Tier finden wollen, hilft es nicht, den Fokus auf den Dissenz zu legen.

Regel 3: Vermeiden Sie Reizwörter.

Versuchen Sie sich mal in Ihr Gegenüber hineinzuversetzen und seine Position zu verstehen. Welche Begrifflichkeiten könnten negative Assoziationen auslösen und sollten daher besser gemieden werden? Bleiben Sie stets sachlich und ruhig.

Regel 4: Vermeiden Sie pauschale Urteile.

Erwischen Sie sich manchmal dabei, in Stereotypien zu denken und einen Besitzer eventuell automatisch in eine bestimmte Schublade zu stecken? Denken Sie daran, dass jeder Mensch ein Päckchen trägt, das seine Position und Art zu diskutieren beeinflusst. Das können Ängste, Sorgen oder negative Vorerwartungen sein. Genau wie Ihre Erfahrungen Ihr Selbstbild prägen, geht es auch Ihrem Gegenüber. 

Regel 5: Sprechen Sie Ihr Gegenüber direkt an.

Eine direkte Ansprache signalisiert Ihrem Gesprächspartner, dass Sie ihn/sie Ernst nehmen und sich grundsätzlich für sein/ihre Meinung interessieren.

Regel 6: Bleiben Sie auf Augenhöhe.

Für Diskussionen auf Augenhöhe muss sprachlich eine gemeinsame Ebene bestehen. Fachsprache schafft Hierarchien und Barrieren. Sind Fachwörter unvermeidbar, sollten diese erklärt werden.

Regel 7: Vergessen Sie nicht, worum es in der Diskussion eigentlich geht.

Tierärzte sind für die Gesundheit von Tieren da und stehen in der Pflicht für ihr Wohlergehen zu sorgen. Gerade in Nutztierdiskussionen spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine große Rolle, die dafür sorgen können, dass der eigentliche Handlungsauftrag des Tierarztes aus dem Blickfeld gerät. 

Merke: Es ist nicht immer das Ziel bzw. überhaupt möglich, zwischen unterschiedlichen Interessensgemeinschaften einen  Konsens zu finden und konträre Ansichten aufzulösen. Was jedoch besser gelingen sollte, ist ein offener, respektvoller Austausch. Dieser erfordert von jeder Partei auch ein gewisses Maß an Selbstreflexion. 

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