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Foto: Elisabeth große Beilage

Der Praktische Tierarzt

Schwanzbeißen – ein systeminhärentes Problem

Tail biting – a system inherent problem

Der Praktische Tierarzt 101, 1213–1227

DOI: 10.2376/0032-681X-2046

Publiziert: 12/2020

Zusammenfassung

Die Amputation von Schweineschwänzen ist nur in Ausnahmefällen erlaubt. Dennoch wird diese Maßnahme flächendeckend in Deutschland praktiziert. Nun pocht die EU-Kommission auf Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und lenkt damit den Fokus auf ein seit Jahrzehnten ungelöstes Tierschutzproblem. Das Schwanzbeißen ist jedoch nicht nur ein einzelbetriebliches Problem, sondern eingebettet in agrarpolitische, ökonomische, tierschutzrelevante, wissenschaftliche und tiermedizinische Dimensionen. Eine Reflexion der involvierten Dimensionen liefert Erklärungsansätze, warum das Problem des Schwanzbeißens unter den gegebenen Verhältnissen der Schweineproduktion in Deutschland bislang keiner Lösung zugeführt werden konnte.

Es mangelt nicht nur am politischen Willen, die gesetzlichen Vorgaben auf den Betrieben zu kontrollieren und durchzusetzen. Der vorherrschende Unterbietungswettbewerb auf den globalen Märkten unterminiert die Handlungsoptionen eines exportorientierten Wirtschaftszweiges. Hinzu kommt, dass es für das Problem des Schwanzbeißens keine Patentrezepte gibt, weil es in hohem Maße kontext-abhängig ist und keinen Gesetzmäßigkeiten folgt. Andererseits suggerieren die naturwissenschaftlichen, auf kontext-invariante Gesetzmäßigkeiten ausgerichteten Ansätze der beteiligten Fachdisziplinen weiterhin, dass es verallgemeinerungsfähige Lösungsansätze geben würde. Damit verhindern sie, dass die Relevanz des Schwanzbeißens angemessen in den einzelbetrieblichen Kontext und in die Gesamtproblematik des Tierschutzes eingeordnet wird. Auch die Tierärzteschaft, deren Expertise für die Lösung des Problems unabdingbar ist, erscheint im Konfliktfeld zwischen Partikular- und Gemeinwohlinteressen weitgehend zur Untätigkeit verdammt.

Als ein systeminhärentes Tierschutzproblem bedarf das Schwanzbeißen systemischer Lösungsansätze, die das Phänomen in den betriebsspezifischen Kontext und über die Erfassung der einzelbetrieblichen Tierschutzleistungen anhand aussagefähiger Eisberg-Variablen in ein überbetriebliches Benchmarking einordnen. Erst dadurch kann das für eine Neuorientierung unabdingbare Orientierungs- und Handlungswissen generiert werden. Gleichzeitig werden die Voraussetzungen für die Etablierung fairer Wettbewerbsbedingungen geschaffen, ohne die keine nachhaltigen Verbesserungen der Tierschutzproblematik und des Schwanzbeißens zu erwarten sind

Komplexität
Tierschutzleistungen
Ökonomie
unfairer Wettbewerb

Summary

Tail docking is generally banned in the EU, but allowed under certain exceptional conditions. Nevertheless, the measure is applied extensively in Germany and many other European countries. While the EU Commission insists that rules must be observed, the attention is redirected to a welfare problem in pig production that lacks a solution since decades. However, tail biting is not a problem of the single farmer alone but embedded in various dimensions, including politics, economy, animal welfare, agricultural science and veterinary medicine. Reflections on the involved dimensions emerge explanatory results why the problem of tail biting has not been solved so far under the current conditions of pig production in Germany.

Not only is there a lack of firm political will to enforce and monitor the legal requirements on the farms. The predominant undercutting-type of competition in an export-oriented economic sector undermines any options for costly actions. Additionally, those scientific approaches that are based on natural science and focusing on context-invariant regularities are not suited to provide solutions for a phenomenon that is neither context-invariant nor based on regularities. Due to an inappropriate reference system, these approaches are a barrier to assess the relevance of tail biting within the overall matter of animal welfare in an objective manner with sufficient explanatory power. The veterinarian community, which expertise is essential to solve the problems of tail biting, appears to be condemned to inactivity in the conflicting area between private and public interests.

Being a system-inherent animal welfare problem, tail biting requires systemic approaches, which appropriately grade the phenomenon within the farm specific context. Furthermore, monitoring the farm specific welfare performances by meaningful and valid iceberg variables enables a benchmarking system across the individual farms. Thus, each farm can be ranked according to the level of welfare performances. The rank position provides orientation and indicates the degree of action knowledge required to reach new animal protection goals. Simultaneously, benchmarking represents a prerequisite for establishing fair competitive conditions, being indispensable for any improvements with respect to animal welfare problems and particular to tail biting.

complexity
animal protection services
economy
unfair competition

Einleitung

Aus Sicht der European Food Safety Authority (EFSA 2007) stellt Schwanzbeißen (Caudophagie) das größte Tierschutzproblem in der konventionellen Schweinemast dar. In der Ferkelaufzucht sowie bei Mastschweinen kommt es immer wieder vor, dass manche Schweine anderen Schweinen in den intakten Schwanz oder den nach Amputation verbliebenen Schwanzstumpf beißen (siehe Abb. 1). Die Folgen sind mehr oder weniger ausgeprägte Läsionen, die mit schmerzhaften Entzündungen, Abszessen und Nekrosen des Schwanzes einhergehen können (siehe Abb. 2). Das Phänomen des Schwanzbeißens ist wahrlich nicht neu. Beschreibungen in der wissenschaftlichen Literatur reichen zurück bis in die 1940er-Jahre. Studien in den 1960er- und 1970er-Jahren befassten sich vor allem mit Fragen zur Separierung der beißenden und der gebissenen Tiere sowie mit den Wirkungen von Einstreu (Jericho und Church 1972). Zehn Jahre später wähnte sich van den Berg (1982) im Besitz hinreichender Kenntnisse, um dem Problem erfolgreich begegnen zu können. Allerdings stellten Schrøder-Petersen und Simonsen (2001) weitere 20 Jahre später fest, dass sich das Schwanzbeißen in der Schweinehaltung als mindestens genauso problematisch zeigte wie bereits 50 Jahre zuvor. Auch weitere 20 Jahre später konnte die Problematik noch keiner Lösung zugeführt werden (Carroll und Groarke 2019). Während sich in den zurückliegenden Jahrzehnten die Betriebsgrößen und das Leistungsniveau der Tiere deutlich erhöhten, ist das Problem des Schwanzbeißens geblieben. Was sich zwischenzeitlich verändert hat, ist das Interesse verschiedener Bevölkerungsgruppen an den Zuständen in der Nutztierhaltung und die Grundhaltung, die Zustände nicht länger unwidersprochen hinzunehmen. Diverse Aktionen von Tierschützern haben dazu geführt, dass die bis dato eher im Verborgenen gebliebenen Probleme einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden. Entsprechend wächst der Druck auf die Politik, die Tierschutzprobleme endlich anzugehen. Nur wie kommt man einem Problem bei, das sich so hartnäckig hält und das mit den bisherigen Lösungsversuchen nicht zu bewältigen ist?

Obwohl bereits ein umfangreiches Wissen zu diesem Themenkomplex vorliegt und der Kenntnisstand durch neuerlich durchgeführte interdisziplinäre Forschungsvorhaben deutlich ausgeweitet wurde, führten auch die zusätzlichen Erkenntnisgewinne in Deutschland bislang zu keinem Durchbruch. Jedoch zeigen viele Betriebe im In- und Ausland sowie im Rahmen von geschlossenen Wertschöpfungsketten, dass es sich nicht um ein unlösbares Problem handelt. Dies lässt den Schluss zu, dass die ausbleibende Lösung nicht primär einem unzureichenden Kenntnisstand zuzuschreiben ist. Was sind also die Gründe für das Auftreten des Schwanzbeißens und was sind die Gründe dafür, dass die Ursachen nicht beseitigt oder zumindest drastisch minimiert werden konnten? Besitzen die beteiligten Fachdisziplinen eine zu geringe Problemlösungskompetenz oder ist es bislang nicht hinreichend gelungen, den wissenschaftlichen Kenntnisstand in die Praxis zu transferieren? Oder könnten die bisherigen Denkansätze gar auf falschen Prämissen basieren? Im nachfolgenden Beitrag sollen diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und einer Antwort zugeführt werden.

Schwanzbeißen als multifaktorielles und multidimensionales Geschehen


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Schwanzbeißen wird definiert als das zielgerichtete Verletzen des Schwanzes durch Manipulation mit dem Maul (Taylor et al. 2010). Die Manipulationen können zu Verletzungen sehr unterschiedlichen Schweregrades führen (Schrøder-Petersen et al. 2003). Differenziert wird zwischen drei verschiedenen Formen: dem zweistufigen, dem plötzlich gewaltsamen sowie dem obsessiven Beißen (Veit et al. 2016). Das zweistufige Schwanzbeißen beginnt spielerisch mit dem „tail-in-mouth behaviour“, das als Teil des physiologischen Erkundungsverhaltens der Tiere gedeutet wird und von einer eher spielerischen in eine aggressive Form des Beißens übergehen kann. Vom primären Schwanzbeißen muss das sekundäre Beißen abgegrenzt werden; hierbei empfinden die Opfer das Benagen der ischämisch veränderten Schwänze zunächst als angenehm und dulden es. Darüber hinaus werden Schwanzläsionen auch ganz ohne jedes Zutun anderer Schweine angetroffen (Lechner et al. 2015). Im letzten Fall wird vermutet, dass Endotoxine maßgeblich am Geschehen beteiligt sind (Reiner 2019). Demgegenüber ist das gewaltsame Beißen durch vereinzelt auftretende, aggressive und zum Teil massive Beißaktionen gekennzeichnet, welche einer Frustration infolge eines unzureichenden Zugangs zu Futter oder Wasser oder anderen unbefriedigten Bedürfnissen zugeschrieben werden. Davon unterschieden wird das obsessive Schwanzbeißen als ein tendenziell seltener beobachtetes Fehlverhalten einzelner Individuen, das als eine pathologische Handlung eingestuft wird (Taylor et al. 2010).

Das Auftreten von Schwanzbeißen kann von vielfältigen Faktoren begünstigt werden. Unter anderem können unzulängliche Beschäftigungsmöglichkeiten, unzureichender Liegekomfort, mängelbehaftete Lüftungs- und Fütterungstechnik, überhöhte Belegdichten und Gruppengrößen sowie ein suboptimales Absetzmanagement beteiligt sein. Auch tragen tierspezifische Faktoren wie Konstitution, Kondition, Genetik und Geschlecht der einzelnen Tiere zum Schwanzbeißen bei (Veit et al. 2016). Allerdings sind Kenntnisse bezüglich der potenziell beteiligten Faktoren allein nicht hinreichend. Identifizierte Risikofaktoren lassen sich selten beseitigen, ohne die Wirtschaftlichkeit der Produktion zu tangieren. Bei Überlegungen zu den möglichen Gegenmaßnahmen schwingt daher immer auch die Frage nach dem erforderlichen Aufwand für einen möglichen Nutzen mit. Bevor näher auf mögliche Lösungsstrategien eingegangen wird, soll zunächst das Umfeld reflektiert werden, in dem das Geschehen eingebettet ist. Hierzu gehören vor allem die agrarpolitische, ökonomische, tierschutzrelevante, wissenschaftliche und nicht zuletzt die tierärztliche Dimension.

Agrarpolitische Dimension

Gemäß § 2 des Deutschen Tierschutzgesetzes (TSchG) sind die Nutztierhalter für das Wohlergehen der Nutztiere verantwortlich. Die Möglichkeiten der Verfolgung und Sanktionierung von tierschutzrelevanten Tatbeständen stehen in Deutschland allerdings auf einem sehr dünnen Fundament (Bergschmidt 2015). Dies gilt auch für die gesetzlichen Regelungen auf europäischer Ebene. In der europäischen Gesetzgebung darf gemäß Anhang I, Kap. 1 Nr. 8 der RL 2008/120/EG des Rates ein Kupieren der Schwänze „nicht routinemäßig und nur dann durchgeführt werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass Verletzungen anderer Schweine entstanden sind. Bevor solche Eingriffe vorgenommen werden, sind andere Maßnahmen zu treffen, um Schwanzbeißen und andere Verhaltensstörungen zu vermeiden, wobei die Unterbringung und Bestandsdichte zu berücksichtigen sind. Aus diesem Grund müssen ungeeignete Unterbringungsbedingungen oder Haltungsformen geändert werden“.

Von grundlegenden Änderungen der Haltungsbedingungen zwecks Vermeidung des Schwanzbeißens sind die Schweinehalter in Deutschland noch weit entfernt. Der drastische Strukturwandel, der sich in den zurückliegenden Jahren in der Schweinehaltung nochmals verschärft hat, wurde trotz der bestehenden gesetzlichen Vorgaben nicht dazu genutzt, bei den umfassend getätigten Stallneubauten optimierte Haltungsformen zu implementieren. Ungeachtet der Gesetzeslage werden bei Ferkeln in konventioneller Haltung in den ersten Lebenstagen weiterhin routinemäßig die Schwänze betäubungslos amputiert. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit des Auftretens und den Schweregrad des Schwanzbeißens (Sutherland und Tucker 2011), ohne allerdings die Ursachen des Schwanzbeißens zu beseitigen. De Briyne et al. (2018) gehen davon aus, dass bei mehr als 81 % der in der Europäischen Union gehaltenen Schweine der Schwanz routinemäßig kupiert wird. Auch in Deutschland ist dies gängige Praxis, obwohl dieser Eingriff nur durch eine Ausnahmegenehmigung nach entsprechendem Nachweis der Notwendigkeit erlaubt ist (Dämmrich 2020). Auf der anderen Seite kann es auf Betrieben, die keine Schwanzamputation durchführen, selbst bei verbesserten Haltungs- und Managementbedingungen zu einem Anstieg des Schwanzbeißens kommen (D‘Eath et al. 2014).
In einem Rechtsstaat darf im Allgemeinen erwartet werden, dass gesetzliche Regeln eingehalten und diejenigen, die sich über die Regeln hinwegsetzen, mit Sanktionen belegt werden. Nicht so in der Agrarwirtschaft. Nachdem bei einem Audit der EU-Kommission im Jahr 2018 festgestellt wurde, dass flächendeckend gegen die obige EU-Richtlinie verstoßen wird, kommt nun allerdings Bewegung in die Angelegenheit. Von der EU-Kommission wurde den betroffenen Mitgliedsländern der EU ein Vertragsverletzungsverfahren angedroht. In Deutschland wurde noch im gleichen Jahr von der Agrarministerkonferenz ein nationaler Aktionsplan beschlossen, der Landwirte bei der notwendigen Umsetzung der EU-Richtlinie RL 2008/120/EG unterstützen soll. Es bedurfte folglich erst einer Strafandrohung, bevor sich die Verhältnisse gegen die Beharrungskräfte der beteiligten Akteure zu verändern beginnen.

Schweinehalter müssen seit Juli 2019 detailliert darlegen, welche Maßnahmen sie ergreifen, um der Problematik des Schwanzbeißens entgegenzuwirken. Allerdings wird ihnen nicht vorgegeben, bis zu welchem Stichtag welche Zielgröße bezüglich der Prävalenzrate von Schwanzläsionen erreicht werden muss. Stattdessen wurde ein Plan erarbeitet, der den Tierhaltern Rechtssicherheit verschafft, indem festlegt wird, unter welchen Bedingungen das Kupieren weiterhin zulässig ist. „Herzstück“ des Aktionsplans ist die „Tierhalter-Erklärung“, in der der Tierhalter bestätigt, dass das Kupieren in seinem Bestand derzeit unerlässlich ist (Maurer und Moritz 2019). Dieser Erklärung müssen eine Erfassung der Bissverletzungen an den Tieren, eine umfassende Risikoanalyse und das Identifizieren und Umsetzen möglicher Optimierungsmaßnahmen vorausgehen. Angesichts der Möglichkeiten, sich der Umsetzung drastischer Veränderungen zu entziehen, darf bezweifelt werden, dass es sich dabei wirklich um einen Aktionsplan im eigentlichen Sinne handelt.

In Niedersachsen, das bekanntermaßen eine hohe Dichte an schweinehaltenden Betrieben und Schweinen aufweist, war man schon zu einem früheren Zeitpunkt sensibilisiert. Hier wurde in 2015 die „Ringelschwanzprämie“ eingeführt. Auf Antrag wurde für jedes unversehrte Mastschwein mit intaktem Schwanz eine Prämie von 16,50 € gezahlt. Im Jahr 2016 wurden 116 Anträge gestellt, von denen schließlich 86 Betriebe teilnahmen (Dämmrich 2020). Bei 90,7 % der teilnehmenden Betriebe wurde die Quote von mindestens 70 % der Tiere mit unversehrten Schwänzen eingehalten. Von insgesamt 80.820 Tieren waren 93 % mit unversehrtem Ringelschwanz. Angesichts der Zahl von ca. 5,8 Millionen Mastschweinen, die im Jahr 2016 in Niedersachsen gehalten wurden, vermochte dieser finanzielle Anreiz die Schweinemäster offensichtlich nicht zu überzeugen. Im Jahr 2017 wurden lediglich 156 Anträge gestellt.

Die Problematik erweist sich offensichtlich als weitaus komplexer, als dass sie mit einer Prämie gelöst werden könnte. Dies ist nicht zuletzt deshalb der Fall, weil eine gesetzeskonforme Praxis ohne umfassende Begleitmaßnahmen das Problem eher vergrößern und die Zahl der Schweine mit Schwanzläsionen erhöhen dürfte. Lahrmann et al. (2017) ermittelten in dänischen Herden einen deutlichen Anstieg von Läsionen bei den Tieren, denen der Schwanz belassen wurde, gegenüber den schwanzamputierten Tieren. Gleichwohl treten auch bei Letzteren Läsionen am Schwanzstummel auf. An Schlachthöfen in Irland wurden bei mehr als 30 % der Mastschweine an den Überbleibseln der kupierten Schwänze Läsionen festgestellt (Carroll et al. 2016). Folglich sind weder das Schwanzkupieren noch der Verzicht darauf geeignet, eine Lösung für das tierschutzrelevante Problem herbeizuführen.

Ökonomische Dimension

Seit den Anfängen der Intensivierung der Mastschweinehaltung wurde das Kupieren der Schwänze als eine Maßnahme angesehen, mit der das Problem am ehesten eingedämmt werden kann. Neben der relativen Wirksamkeit hat die Maßnahme zudem den großen Vorteil, dass sie verhältnismäßig kostengünstig zu realisieren ist und das Problem vom Schweinemäster auf den Ferkelerzeuger vorverlagert. Dennoch hat es in der Vergangenheit nicht an Bemühungen gefehlt, die Wirksamkeit von Alternativen zu untersuchen. Um die obsessive Form des Schwanzbeißens zu beheben, gehört die Isolation des Tätertieres zu den sichersten Maßnahmen, um die Buchtgenossen vor weiteren Verletzungen zu schützen (Taylor et al. 2010). Allerdings setzt die Umsetzung eine regelmäßige und damit zeitaufwendige Kontrolle und Beobachtung der Tiere sowie die Verfügbarkeit von zusätzlichen Buchten voraus, die freigehalten werden müssten. Schweinehaltende Betriebe, die an einem Programm zum Kupierverzicht beteiligt sind, berichten von einem erheblichen zusätzlichen Arbeitsaufwand (Meyer 2020). Beim zweistufigen Schwanzbeißen greift die Isolation von Tätertieren nur bedingt. In solchen Fällen spielt der Zugang zu unterschiedlichen Beschäftigungsmaterialien, an denen die Tiere arteigene Verhaltensmuster ausagieren können, eine wichtige Rolle (Veit et al. 2016). Hierzu gehört auch das Angebot von Raufutter. Das Verhaltens- und Aktivitätsspektrum der Tiere wird mittels Raufuttergaben deutlich erweitert; auch wird der durch Hungergefühl bei restriktiver Kraftfutterfütterung hervorgerufenen Unruhe entgegengewirkt. Zudem gehen mit der Raufutterfütterung diverse verdauungsphysiologische Vorteile einher (Drochner 1999). Allerdings sind neben positiven Wirkungen auf Tierverhalten und Tiergesundheit diverse Mehraufwendungen und Nachteile hinsichtlich der Produktivität verbunden (Werner und Sundrum 2008). So geht das Angebot von Silagen mit einer herabgesetzten Nährstoffaufnahme und -verdaulichkeit sowie aufgrund eines vergrößerten Darmkonvolutes mit einem geringeren Ausschlachtungsgrad der Schlachtkörper einher (Kreuzer 1994).

Da nicht jedes Raufutterangebot geeignet ist und auch nicht bei jedem Mastdurchgang die gleiche Wirkung zeigt (Honeck 2019), lassen sich Aufwand und Nutzen von Maßnahmen schwer einschätzen. Analog verhält es sich mit den Mehraufwendungen zur Verbesserung des Stallklimas, welche über die Reduzierung von Ammoniakkonzentrationen in der Stallluft sowie des Aufkommens von Staub in den Liegebereichen in vielen, aber nicht allen Fällen das Auftreten von Schwanzbeißen zu verringern vermögen (Taylor et al. 2012). Folglich bieten die Umsetzungen von Einzelmaßnahmen keine Gewähr für eine Problemlösung. Was die Situation noch unübersichtlicher macht, ist die Tatsache, dass selbst unter Freilandbedingungen mit Schwanzläsionen zu rechnen ist (Kongsted und Sørensen 2017, Walker und Bilkei 2006). Auch in der ökologischen Schweinehaltung mit ihren deutlich ausgeweiteten Haltungsbedingungen tritt das Problem auf (Forkman et al. 2010). Die Uneindeutigkeit in der Wirksamkeit von Maßnahmen zur Minimierung des Schwanzbeißens stürzt die verantwortlichen Manager in ein Dilemma. In welche Maßnahmen sollen die Nutztierhalter investieren, wenn niemand belastbar vorherzusagen vermag, ob die Investitionen und arbeitszeitlichen Mehraufwendungen auch verlässlich zum Ziel führen? Hinzu kommt, dass angesichts des hohen Kostendrucks in der Schweinehaltung jedwede Umsetzung von Maßnahmen unter Kostenvorbehalt steht. Ungewisse Erfolgsaussichten dürften die Bereitschaft zur Umsetzung erheblich herabsetzen, zumal keine verbindlichen Zielvorgaben bestehen. Soll das Schwanzbeißen gänzlich verhindert oder auf einen im Vergleich zum bisherigen Niveau oder in Relation zu anderen Betrieben deutlich niedrigerem Niveau reduziert werden oder sollen lediglich Aufwand und Nutzen in einem optimalen Verhältnis zueinander stehen? Je nach Zielsetzung unterscheiden sich die Aufwendungen. Die große Variation der Prävalenz des Schwanzbeißens zwischen den Betrieben zeigt, dass nicht nur die an der Entstehung beteiligten Faktoren, sondern auch die Toleranz der Nutztierhalter gegenüber der Problematik sehr unterschiedlich ausfällt. Manche Landwirte bemühen sich bereits bei ersten Anzeichen um Gegenmaßnahmen, während andere selbst bei hohen Prävalenzen noch keinen Anlass für Interventionen sehen. Die Nutztierhalter machen folglich ihre eigenen, selbstbezüglichen Vorstellungen hinsichtlich der Brisanz der Problematik zum Maßstab der Beurteilung und ihres Handelns bzw. Nicht-Handelns.

Doch damit nicht genug. Es bestehen nicht nur Ungewissheiten über die eventuell notwendigen Aufwendungen, die für das Erreichen unklarer Zielgrößen erforderlich sind. Das Gleiche gilt hinsichtlich der Verlustkosten, die mit dem Auftreten des Schwanzbeißens einhergehen können. Durch Schwanzbeißen hervorgerufene gesundheitliche Beeinträchtigungen resultieren nicht nur aus den Verletzungen selbst, sondern auch aus Sekundärinfektionen, die zu Abszessbildungen oder Pyämien führen können. Letztere sind ein häufig genannter Grund für Abzüge bei der Bezahlung oder für verworfene Schlachtkörper (Harley et al. 2014). Ferner entstehen Verlustkosten durch ein herabgesetztes Wachstum und/oder Futtermehraufwendungen, erhöhte Mortalitäts- und Morbiditätsraten sowie Mehraufwendungen für Behandlungsmaßnahmen (Camerlink et al. 2012). Für einen Betrieb mit 1.000 Stallplätzen und einer Prävalenz von 12 % von Verletzungen durch Schwanzbeißen wurden die Kosten zwischen 5.000 und 10.000 € pro Jahr geschätzt (Niemi et al. 2011). Die Größenordnung lässt keine Zweifel an der ökonomischen Relevanz des Phänomens. Allerdings dürften den meisten Managern mangels betriebsspezifischer Daten zum Umfang der Schadensfälle und der Folgewirkungen die wahren Verlustkosten nicht bekannt sein. Datenakquise, -aufbereitung und -auswertung verursachen zusätzliche Aufwendungen, die nicht alle Schweinehalter aufzubringen gewillt sind. Entsprechend sind die Akteure auf eine subjektive, angesichts fehlender Daten notgedrungen spekulative Einschätzung und auf selbstreferenzielle Maßstäbe zurückgeworfen.

Maßnahmen zur Verringerung der Prävalenz von Schwanzbeißen

können sich nur amortisieren, wenn (i) die aufgewandten Investitionen betriebsintern durch eine adäquate Verringerung der Verlustkosten wettgemacht werden, wenn (ii) sich am Markt über das Freisein von diesem Tierschutzproblem ein höherer Marktpreis realisieren lässt, wenn (iii) wie in Niedersachsen eine Prämie gezahlt wird und/oder wenn (iiii) den Landwirten Sanktionen drohen, die höher sind als die Aufwendungen für die Beseitigung des Problems. Wenn die Landwirte kein „Return of Investment“ erwarten, haben sie auch keine Veranlassung, sich den Problemen zuzuwenden, außer sie werden durch intrinsische oder extrinsische Impulse dazu motiviert bzw. genötigt. Ungeachtet der Motivationslage besteht für das Management ein Kernproblem darin, nicht hinreichend abschätzen zu können, welche Maßnahmen und welche Aufwendungen im Betrieb für die Eindämmung des Problems wirksam sind und sich aus ökonomischer Perspektive lohnen könnten (siehe Abb. 3). Diese Unklarheit bleibt bestehen, solange die Landwirte nicht genötigt werden, sich an extern vorgegebene Zielvorgaben zu halten.

Tierschutzrelevante Dimension

Die routinemäßig durchgeführte Amputation der Schwänze von Saugferkeln stellt für die Tiere einen schmerzhaften Eingriff dar. Da Landwirte in der Vergangenheit nicht berechtigt waren, Schmerz- und Narkosemittel anzuwenden, hatte dies zur Folge, dass eine Betäubung aus pragmatischen Gründen unterblieb. Erst ein zunehmendes Problembewusstsein in der Öffentlichkeit hat die Politik dazu bewogen, die Schwanzamputation nur in Ausnahmefällen zuzulassen. An dieser vermeintlich zum Schutz der Tiere initiierten gesetzlichen Vorgabe irritiert, dass zwar der Eingriff der Schwanzamputation als tierschutzrelevant eingestuft wird, nicht aber die Folgewirkungen des Schwanzbeißens für die betroffenen Tiere. Unberücksichtigt bleibt auch, dass das Schwanzkupieren eine symptomatische Maßnahme ist, durch welche die Ursachen, die zu Schwanzbeißen führen, aus dem Fokus der Wahrnehmung rücken. Ferner ist davon auszugehen, dass für die betroffenen Schweine das Ausmaß der damit verbundenen Schmerzen dasjenige der Schwanzamputation deutlich übersteigt. Aus politischer Perspektive ist es deutlich einfacher, einen Routineeingriff zu untersagen, als das Auftreten von Schmerzen, Leiden und Schäden justiziabel zu handhaben und nachvollziehbar zu begrenzen. Hiermit wäre ein Kontrollaufwand verbunden, den die Politik offensichtlich nicht zu implementieren bereit ist. Folgerichtig wurde es bislang unterlassen, einen Maßstab zu definieren, mit dem die Tierschutzrelevanz eines sehr variablen und zudem dynamisch sich verändernden Geschehens beurteilt und eine Grenze in Form eines noch tolerablen Zustandes gezogen werden könnte, deren Überschreiten Konsequenzen nach sich zieht. Nimmt man die tierschutzrelevanten Schäden bei den gebissenen Tieren ins Visier, wird man damit konfrontiert, dass das Schwanzbeißen bei Weitem nicht das einzige tierschutzrelevante Problem der Ferkelaufzucht und der Mastschweinehaltung darstellt, das einer Reduzierung harrt. Die Tierschutzprobleme in der Schweinehaltung beschränken sich nicht auf haltungsbedingte Einschränkungen in der Ausübung arteigenen Verhaltens, sondern umfassen insbesondere alle klinischen und subklinischen Erkrankungen (Sundrum 2018).

Die Beurteilung, welche der vielfältigen Beeinträchtigungen für die Tiere eine höhere Tierschutzrelevanz aufweisen, sollte nicht Laien überlassen bleiben. Die Beurteilung erfordert eine fachkundige Einschätzung von Experten, die den Schweregrad der Beeinträchtigungen für die jeweils betroffenen Tiere auf einer Skala von gering bis schwerwiegend einzustufen vermögen. Die sehr unterschiedliche Relevanz der Beeinträchtigungen macht das Tierindividuum bzw. die Anzahl der entsprechend betroffenen Tiere in einem Bestand zur maßgeblichen Bezugsgröße der Beurteilung tierschutzrelevanter Befunde. Nicht der Mensch, sondern die Tiere gewichten selbst die Relevanz der einzelnen Faktoren der Lebensbedingungen für das eigene Wohlergehen (Broom 2006). Die Befähigung bzw. Nicht-Befähigung der Tiere, in einem Betriebssystem durch entsprechende Anpassungsleistungen mit den Lebensbedingungen ohne diagnostizierbare Beeinträchtigungen zu interagieren, ist einer validen Beurteilung durch tierärztliche Expertise zugänglich (Sundrum 2018).

Eine Beurteilung, welche das Tierindividuum zur maßgeblichen Bezugsgröße macht, grenzt sich ab von Beurteilungskonzepten (z. B. das WelfareQuality®-Assessment-Protocol), bei denen eine ausgewählte Gruppe von Experten für die Tiere einer Spezies und unabhängig vom Kontext eine Gewichtung hinsichtlich der Relevanz von Tierschutzindikatoren vornimmt (Dalmau et al. 2009). Hierbei handelt es sich sowohl um eine anthropozentrische als auch um eine subjektive Vorgehensweise, da unterschiedliche Experten auch zu recht unterschiedlichen Einschätzungen gelangen. Während im Fall von Expertengremien zumindest ein hohes Maß an Sachkunde vorausgesetzt werden darf, ist dies in anderen Konstellationen nicht gegeben. Dies trifft zum Beispiel zu, wenn die Tierschutzrelevanz von Beeinträchtigungen durch die Nutztierhalter oder durch selbsternannte Tierschützer oder anhand eines im Rahmen der „Tierwohl-Initiative“ zwischen Bauernverband und LEH ausgehandelten Maßnahmenkatalogs beurteilt wird.

Wissenschaftliche Dimension

Im Allgemeinen werden bei tierschutz- und gesundheitsrelevanten Problemstellungen in der landwirtschaftlichen Praxis Lösungen von den verschiedenen Fachdisziplinen der Agrarwissenschaften und der Veterinärmedizin erwartet. Allerdings ist zu konstatieren, dass bei vielen Problemstellungen von den seit Jahrzehnten mit der Thematik befassten Fachdisziplinen bislang keine nachhaltigen Lösungen realisiert werden konnten. Ist dies nun einer unzureichenden Problemlösungskompetenz der Wissenschaften geschuldet oder einem unzureichenden Wissenstransfer oder einer unzureichenden Umsetzung von Empfehlungen in der Praxis oder besteht gar die Notwendigkeit einer grundlegenden Neuorientierung in der wissenschaftlichen Herangehensweise? Unstrittig ist, dass wir es beim Schwanzbeißen mit einem sehr komplexen Sachverhalt zu tun haben. Dieser Komplexität steht eine in den Agrarwissenschaften und in der Veterinärmedizin vorherrschende naturwissenschaftliche Denk- und Herangehensweise gegenüber. Ihr Charakteristikum ist es, die Problemlage in diverse Teilbereiche zu untergliedern, um sie dann den einzelnen Fachdisziplinen einer weiteren Analyse mit dem jeweils zur Verfügung stehenden Methodenspektrum unter standardisierten ceteris paribus Versuchsbedingungen zu überantworten. Naturwissenschaftliche Forschung beschäftigt sich vor allem mit Fragen, die durch Untersuchung von gesetzmäßigen Zusammenhängen beantwortet sowie auf schon bekannte Sachverhalte zurückgeführt werden können.

Folgt man den zahlreichen Berichten über die Entstehung von Schwanzbeißen, so wird alsbald deutlich, dass dieses Phänomen sehr häufig unvermittelt und zudem sporadisch auftritt. Aus einem selten eindeutig zu identifizierenden Grund fängt ein Schwein an, den Schwanz der Buchtgenossen zu manipulieren. Das Phänomen kann auf wenige Tiere beschränkt bleiben, sich aber auch in unterschiedlicher Geschwindigkeit und ungleichem Ausprägungs- und Schweregrad auf den gesamten Tierbestand ausweiten. Je nach Betriebssituation wirken unterschiedliche Stressoren auf die Tiere ein. Eine Überschreitung der tierindividuell unterschiedlichen Anpassungsfähigkeit kann die Verhaltensstörung auslösen (Larsen et al. 2016). Auch kann es vorkommen, dass Schweine, welche bereits deutliche Anzeichen von Schwanzbeißen zeigen, durch Verbringung in eine andere Haltungsumwelt, mit mehr Platz und ausgestattet mit Möglichkeiten für Wühlaktivitäten, ihr Schwanzbeißverhalten ändern und die Schadwirkungen ausheilen (de Greef et al. 2011). Aufgrund des sporadischen Auftretens verwundert es nicht, dass viele experimentelle Studien, welche das Phänomen unter spezifischen Fragestellungen untersuchen wollten, keine deutlichen Befunde zu detektieren vermochten (Honeck 2019).

Das Zusammenwirken diverser Faktoren, das dem Auftreten des Schwanzbeißens vorausgeht, folgt weder Gesetzmäßigkeiten noch einem wiederkehrenden Muster. Entsprechend ist eine naturwissenschaftliche Herangehensweise nicht zielführend. Die bei naturwissenschaftlichen Herangehensweisen angestrebten Erkenntnisse beanspruchen bezüglich der ursächlichen Wirkfaktoren ihre Gültigkeit unabhängig vom jeweiligen Kontext. Dies kontrastiert mit der Einschätzung, dass es wohl kaum ein Phänomen gibt, das mehr von spezifischen und über die Zeitläufe dynamisch sich verändernden Konstellationen der Lebensbedingungen beeinflusst wird, das heißt kontext-abhängig ist, wie das Schwanzbeißen. Angesichts fehlender Gesetzmäßigkeiten und der großen Kombinationsvielfalt der multiplen Faktoren kann das Auftreten des Schwanzbeißens nicht anhand einzelner Indikatoren vorhergesagt werden.

Die Ausbeute der bisherigen wissenschaftlichen Vorgehensweise ist eine Ansammlung von sehr vielen Detailkenntnissen, die, Mosaiksteinchen gleich, von unterschiedlichen Personen in unterschiedlicher Weise zu einem individuell gestalteten Gesamtbild (Weltbild) geformt werden. Das in den Bibliotheken verfügbare Wissen, das Wissenschaftler über die Zusammenhänge zwischen belebten und unbelebten Faktoren zusammengetragen haben und welches eine weitgehend kontextunabhängige Allgemeingültigkeit beansprucht, kann dem Verfügungswissen zugeordnet werden (Sundrum 2020). Die bisher noch nicht untersuchten Konstellationen von diversen Einflussfaktoren werden als Wissenslücken im Bestand des Verfügungswissen identifiziert und dienen als Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen. Beispielhaft sei die Übersichtsarbeit von D‘Eath et al. (2014) herangezogen, bei der die Autoren nicht müde werden, bei den verschiedenen Teilaspekten nachdrücklich weiteren Forschungsbedarf anzumahnen. Allerdings begründen die Unzulänglichkeiten der naturwissenschaftlichen Herangehensweise und die bislang ausbleibenden Erfolge bei der Reduzierung des Schwanzbeißens bei intakten Schwänzen grundlegende Zweifel am Umgang der verschiedenen wissenschaftlichen Fachdisziplinen mit der Komplexität des Geschehens. Wie Sisyphos in der griechischen Mythologie wird sinnbildlich der Stein auf den Berg gerollt, nur um bald festzustellen, dass sich mit einem Erkenntnisgewinn, der sich auf einen kleinen Teilausschnitt beschränkt, keine nachhaltige Verminderung des Problems herbeiführen lässt. Parallel findet ein gewisser technischer Fortschritt statt, der neue methodische Optionen eröffnet, die jetzt genutzt werden können, um das bislang ungelöste Problem, wenn schon nicht mit neuen konzeptionellen Ansätzen, so doch mit neuer Technik zu bearbeiten.

Entwicklungen im Precision Livestock Farming und in der Digitalisierung haben den Fokus auf die Früherkennung des Phänomens gerichtet, ohne damit allerdings eine Identifizierung der Ursachen und eine Vermeidung des Schwanzbeißens in Angriff zu nehmen. Dahinter steckt die Überlegung, dass es eine frühzeitige Identifizierung von aktiven Beißern oder von gebissenen Schweinen ermöglicht, diese Tiere aus der Gruppe zu entfernen, um auf diese Weise der Dynamik des Geschehens entgegenzuwirken. In einer neuerlichen Übersichtsarbeit zu den Indikatoren für die Früh­erkennung von Schwanzbeißen werden die Schwanzhaltung und Veränderungen von spezifischen Verhaltensmustern als mögliche Indikatoren hervorgehoben (Schukat und Heise 2019). Einerseits wird konstatiert, dass die Verhaltensstörung des Schwanzbeißens anhand der bisher durchgeführten Studien noch immer nicht vollständig erklärt werden kann. Damit halten die Autoren an der Vorstellung fest, dass eine vollständige Klärung im Sinne der Nachvollziehbarkeit kausaler Gesetzmäßigkeiten möglich wäre. Zugleich halten sie auch bei der Anwendung neuer technikunterstützter Methoden am ceteris paribus Ansatz fest. So ist es ihrer Ansicht nach „unabdingbar, dass die Tiere so wenig Stressoren wie möglich ausgesetzt werden, um Begleiterscheinungen ausschließen zu können und die Aussagekraft der Ergebnisse zu erhöhen“. Auf diese Weise werden die zahlreichen Faktoren, deren Effekte sich in der landwirtschaftlichen Praxis überlagern, zu Störgrößen der Versuchsanstellung deklariert, welche die Validierung behindern. Dies hält die Autoren nicht davon ab, in die neuen methodischen Möglichkeiten vielversprechende Lösungsansätze hineinzuinterpretieren. Was bislang nicht gelang, soll nun mithilfe der Digitalisierung und mit Machine Learning Prozessen erreicht werden. Die hier zum Ausdruck kommende Fortschrittsgläubigkeit kontrastiert nicht nur mit den bislang ausgebliebenen Fortschritten bei der Problemlösung. Unabhängig von der potenziellen Belastbarkeit und von der Spezifität und Sensitivität entsprechender Frühwarn-Indikatoren dürften insbesondere die erheblichen zeitlichen und monetären Aufwendungen, welche für die Datenauswertungen und für die Ermöglichung der Tiererkennung aufgewandt werden müssten, dem oben skizzierten Kostendruck und damit einem flächendeckenden Einsatz in der Praxis zuwiderlaufen.

Tierärztliche Dimension

Die von verschiedenen Tierschutzorganisationen befeuerte Tierschutzdebatte ist vor allem von den Forderungen nach verbesserten Haltungsbedingungen und dem Verzicht auf nicht-kurative Eingriffe (Kastration, Schwanzamputation) geprägt. Infolge dieser einseitigen Fokussierung auf einzelne Aspekte des Produktionsverfahrens sind die eigentlichen Probleme beim Schutz der Nutztiere vor Schmerzen, Leiden und Schäden aus dem Blickfeld der öffentlichen Wahrnehmung geraten. Statt sich darum zu bemühen, den Zielen einer von Gesundheits- und Verhaltensstörungen weitgehend unbeeinträchtigten Lebenssituation für die Schweine näherzukommen, werden die Haltungsformen in den Vordergrund gerückt. Verbesserungen der Haltungsformen mutieren zum Selbstzweck. Es wird nicht thematisiert und überprüft, ob mit den Haltungsformen auch das Ziel einer Verringerung von Schmerzen, Leiden und Schäden bei den Tieren erreicht wird. Dies hat wohl auch damit zu tun, dass den selbsternannten Tierschützern die tierärztliche Expertise fehlt. Umso wichtiger wäre, wenn von tierärztlicher Seite klargestellt und kein Zweifel daran gelassen wird, dass das Freisein von gesundheitlichen Störungen eine notwendige, wenngleich nicht hinreichende Voraussetzung für das Wohlergehen von Tieren ist. Da Gesundheitsstörungen bei Tieren in allen Haltungssystemen in sehr unterschiedlichem Ausmaß auftreten, ist die einseitige Fokussierung auf sichtbare Teilaspekte des Produktionsverfahrens weder schlüssig noch wird diese der Komplexität des Sachverhalts auf der Einzeltier- bzw. der Betriebsebene gerecht (Sundrum und Blaha 2017).

Die Forderung nach Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben rückt das bislang ungelöste Problem des Schwanzbeißens wieder mehr in den Vordergrund. Die Thematik und die Komplexität der Prozesse prädestinieren die Problemstellung zu einer klassischen tierärztlichen Aufgabenstellung. Diese darf nicht auf die Behandlung und Schmerzlinderung der betroffenen Schweine beschränkt bleiben. In einem Erfahrungsbericht über die bisherigen, häufig fehlgeschlagenen Bemühungen zur Reduzierung der Prävalenz des Schwanzbeißens wird geschlussfolgert (Meyer 2020): „Eine gute Tiergesundheit bildet das Fundament für den Kupierverzicht. Gesundheit ist der rote Faden, der alle erfolgreichen Ringelschwanz-Ansätze miteinander verbindet. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch auch, dass es bei schlechtem Gesundheitsstatus viel weniger ‚Tropfen‘ oder Stressfaktoren braucht, um das Fass zum Überlaufen bzw. die Tiere zum Schwanzbeißen zu bringen. Bei hohem Gesundheitsstatus kommen dagegen nur noch wenige echte Belastungsfaktoren als Auslöser von Verhaltensstörungen infrage.“

Jegliche Bemühungen um eine Reduzierung gesundheitsrelevanter Probleme setzen allerdings eine fundierte Anamnese und Diagnostik voraus. Diese betrifft nicht nur die betroffenen Einzeltiere, sondern in analoger Weise auch den Tierbestand sowie das Betriebssystem, welches die Störungen als ein systeminhärentes Problem hervorbringt. Entsprechend bedarf es einer deduktiven Vorgehensweise, welche vom Ganzen (Betriebssystem, Tierbestand, Einzeltier) und vom Allgemeinen (Verfügungswissen) auf die spezifischen Sachverhalte im jeweiligen Kontext von Raum und Zeit zu schließen vermag. Bei einem herkömmlichen diagnostischen Verfahren werden die erhobenen Befunde differenzialdiagnostisch mit unterschiedlichen Krankheitsbildern abgeglichen und hinsichtlich der Passgenauigkeit geprüft. Aus einer getroffenen (Verdachts-)Diagnose
resultiert mehr oder weniger zwangsläufig ein Maßnahmenkatalog, der sich in vergleichbaren Fällen bewährt hat. Zu einer lege artis durchgeführten tiermedizinischen Herangehensweise gehört zudem, dass geprüft wird, ob die zwecks Behandlung implementierten Maßnahmen auch zum Erfolg geführt haben. Viele Hinweise aus der tierärztlichen Schweinepraxis geben jedoch Anlass zu der Einschätzung, dass eine profunde Erfolgskontrolle häufig unterbleibt.

Die skizzierte tiermedizinische Denk- und Herangehensweise unterscheidet sich grundlegend von der im Agrarbereich vorherrschenden induktiven Vorgehensweise, die danach fragt, was aus dem Besonderen (Einzelphänomene) auf das Allgemeine (reale Hintergründe der Prozesse) abgeleitet werden kann. Ausgangspunkt ist dabei in der Regel eine spezifische fachdisziplinäre Perspektive, die naheliegenderweise nur einen begrenzten Zugang zu dem Verfügungswissen hat, das von anderen Fachdisziplinen bereits zu dieser Thematik erarbeitet wurde. Neben der nur begrenzt vorhandenen Übersicht wiegt besonders schwer, dass auch hier eine valide Überprüfung der Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen – sofern sie aufgrund der Kostenvorbehalte überhaupt zur Anwendung kommen – häufig unterbleibt. Selten wird überprüft, ob die aus der induktiven Herangehensweise abgeleiteten Maßnahmen im betriebsspezifischen Kontext einen Interventions- oder einen Präventionserfolg zu bewirken vermochten, der konkret auf die empfohlenen Maßnahmen zurückgeführt werden kann.

Diese Herleitungen geben Anlass zu der Einschätzung, dass sowohl der deduktive wie der induktive Ansatz bislang am Willen bzw. an den Möglichkeiten zur Durchführung einer Validierung der jeweiligen hypothetischen Annahmen bezüglich der Wirksamkeit von Maßnahmen zur Reduzierung des Schwanzbeißens in der Praxis scheitern. Solange kein Monitoring-System etabliert wird, anhand dessen der Status quo der Prävalenz belastbar festgestellt wird, kann auch nicht die Wirksamkeit von Veränderungen im jeweiligen betrieblichen Kontext überprüft werden. Auch ist die Etablierung eines Monitoring-Systems Voraussetzung dafür, die deduktiven und induktiven Ansätze zu einer interdisziplinären Herangehensweise und zu einem iterativen und problemorientierten Vorgehen zu verknüpfen. Das Potenzial einer iterativen Vorgehensweise kann nur erschlossen werden, wenn die Problemlösung im spezifischen Kontext im Vordergrund der Bemühungen steht und nicht die Frage nach der besten Kostenminimierungsstrategie.

Trotz ihrer unbestrittenen Expertise scheint die Tierärzteschaft bislang nicht an vorderster Front in die Problemlösung tierschutzrelevanter Sachverhalte eingebunden zu sein. In ihrer Rolle als Dienstleister gegenüber den Nutztierhaltern stehen die praktischen Tierärzte in einem Konfliktfeld zwischen den aus Tierschutzgründen angezeigten Interventionen und einer Abhängigkeit von der Auftragserteilung durch die Nutztierhalter. In ihrer Rolle sind sie nur bedingt in der Lage, den Nutztierhaltern Vorgaben zu machen, wie diese ihre Tiere zu halten bzw. welche Maßnahmen sie umzusetzen haben. Gleichzeitig stehen die praktischen Tierärzte in einem Konfliktfeld zwischen den Eigeninteressen der Nutztierhalter, der Verpflichtung den Tieren gegenüber sowie den gesamtgesellschaftlichen Interessen hinsichtlich der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und der Realisierung eines erhöhten Tierschutzniveaus. Eingepfercht „zwischen den Stühlen“ sind die Tierärzte in einer Nebenrolle gefangen, welche in der öffentlichen Wahrnehmung ihr Image als „berufende Tierschützer“ unterminiert. Ein naheliegender Ausweg bestünde in einer offensiv vertretenen Rolle als unabhängige Mittler zwischen den Vertretern unterschiedlicher Interessen. Fachlich wären Tierärzte aufgrund ihrer Expertise und der spezifischen Herangehensweise für die Aufgabe gut gerüstet. Allerdings würde dies eine Abkehr von einer eher passiven Grundhaltung gegenüber gesellschaftspolitischen Anforderungen bedingen. Tierärztliche Tätigkeiten sollten zudem an ihrem Beitrag zur Erreichung eines messbaren Erfolges bezüglich der von den Betrieben erbrachten Tierschutzleistungen bemessen werden. Dies setzt allerdings voraus, dass auch die Nutztierhalter von einer Minimierung des Schwanzbeißens nicht nur indirekt über verringerte Verlustkosten, sondern auch direkt durch eine Honorierung erbrachter Tierschutzleistungen am Markt und ggf. durch Subventionierungen bzw. durch eine Vermeidung von Sanktionen profitieren. Die Tierschutzleistungen dürften dann aber nicht länger anhand selbstreferenzieller Maßstäbe, wie im TSchG (§ 11 Abs. 8) im Rahmen der Selbstkontrolle der Nutztierhalter, erfolgen. Stattdessen müssten bei der Beurteilung von Tierschutzleistungen eine für alle Betriebe gültige Messlatte angelegt und eine unabhängige Kontrolle etabliert werden.

Drei marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen stehen einer Lösung entgegen

Auch wenn das Problem des Schwanzbeißens in Deutschland bislang keiner Lösung zugeführt werden konnte, belegen Berichte aus anderen Ländern, dass das Problem grundsätzlich lösbar ist (Meyer 2020). Allerdings hat diese Lösung ihren Preis, der sich nicht nur in arbeitszeitlichen und monetären Mehraufwendungen niederschlägt. Sehr viel schwerer wiegt, dass die in Deutschland vorherrschende Exportorientierung, aufgrund derer ca. 45 % der in Deutschland erzeugten Menge an Schlachtkörpern exportiert wird (Deblitz und Efken 2019), einer grundlegenden Problemlösung entgegensteht. In dieser Größenordnung können die globalen Märkte nur über eine konsequente Orientierung an einer Kostenführerschaft bedient werden. Jedwede Erhöhung der Produktionskosten steht damit im Konflikt mit der Exportorientierung. Angesichts einer Marktsituation, die global durch Überkapazitäten und Überangebote gekennzeichnet ist, waren die Marktpreise für viele Betriebe schon in der Vergangenheit über längere Zeiträume nicht kostendeckend. Zum Diktum dieses Marktgeschehens gehört auch, dass unerwünschte Neben- und Folgewirkungen der Produktionsprozesse weitgehend ausgeblendet werden. Dabei handelt es sich um sogenannte externe Effekte, das heißt unkompensierte Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf Unbeteiligte (Nutztiere, Umwelt, Verbraucher), für die niemand – außer den Leidtragenden – bezahlt oder einen Ausgleich erhält.

Die gegenwärtigen Produktions- und Haltungsbedingungen in der Schweinemast sind das Resultat langjähriger Bemühungen um Minimierung der Produktionskosten. Die drastische Ausweitung der Tierbestände auf den wenigen noch in der Produktion verbliebenen Betrieben konnte nur über Einsparungen bei den arbeitswirtschaftlichen Aufwendungen und einen erhöhten Technisierungsgrad realisiert werden. Zur Haltungstechnik gehört vor allem der Vollspaltenboden, um die Entsorgung der Exkremente kostengünstig zu organisieren. Vollspaltenböden gehen unter anderem mit beengten räumlichen Verhältnissen, einer unzureichenden Troglänge, um den Tieren eine ungestörte Futteraufnahme zu ermöglichen, sowie mit erheblichen stallklimatischen Beeinträchtigungen durch die Güllelagerung unter den Tieren einher. Entsprechende Haltungsbedingungen sind nur bedingt kompatibel mit der Realisierung der Faktoren, von denen relevante Wirkungen auf eine Reduzierung des Schwanzbeißens bei nicht schwanzamputierten Schweinen erwartet werden können. Dies sind vor allem abwechslungsreiche und manipulierbare Beschäftigungs- und Futtermittel wie Stroh und Raufutter sowie eine hinreichende Troglänge und eine gute Luftqualität (D‘Eath et al. 2014, Meyer 2020, Scollo et al. 2017). Letztlich liegt es an der Zielstrebigkeit, der Befähigung des Managements und diesem zur Verfügung stehenden Ressourcen, ob es gelingt, das Schwanzbeißen zu verhindern.

Um Tierschutzleistungen erbringen zu können, müssen Tierhalter über entsprechende Ressourcen verfügen, um die mit einer Zielerreichung verbundenen Mehraufwendungen schultern zu können (Sundrum und Blaha 2017). Aufgrund eines ruinösen Verdrängungswettbewerbs sind die Handlungsspielräume vieler Schweinehalter jedoch sehr eingeschränkt. Zudem bestehen eklatante Wettbewerbsverzerrungen. Gleiche Marktpreise für sehr unterschiedliche qualitative Tierschutzleistungen erfüllen den Tatbestand des unfairen Wettbewerbs. Dieser gereicht denen zum Nachteil, die sich unter Inkaufnahme von Mehraufwendungen um den Schutz der Tiere bemühen, ohne dass die Mehraufwendungen honoriert werden, während sich diejenigen, die sich Mehraufwendungen ersparen, Kosten- und Wettbewerbsvorteile verschaffen. Allerdings kann der Verzicht auf Mehraufwendungen auch zu gesteigerten Verlustkosten an anderer Stelle führen. Diese werden allerdings häufig erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung realisiert und nicht adäquat den eigentlichen Ursachen zugeordnet. Unabhängig von den Wirkungen auf das einzelbetriebliche Einkommen setzen Betriebe mit den geringsten Produktionskosten den Maßstab für die Mitbewerber um die Kostenführerschaft. Sie nötigen damit auch andere zur Kostensenkung, wollen sie nicht aus dem Wettbewerb ausscheiden. Wir haben es folglich mit einem Preisunterbietungswettbewerb zu tun, der nicht nur zu Lasten des Tierschutzes geht. Obwohl es zu den originären Aufgaben der Agrarpolitik gehört, über das Ordnungsrecht der Entwicklung unfairer Wettbewerbsbedingungen entgegenzuwirken, dominiert die Exportausrichtung das Marktgeschehen und stellt einen maßgeblichen, bislang weitgehend ausgeblendeten Hemmschuh für die Verbesserung von Tierschutzleistungen dar.

Systemische Lösungsansätze

Dem Phänomen des Schwanzbeißens liegt ein multifaktorielles Geschehen zugrunde, das sich zuvorderst im Kontext betriebsspezifischer Konstellationen von Anfangs- und Randbedingungen entwickelt, die das Auftreten begünstigen oder diesem entgegenwirken. Letztlich entscheiden die Reaktionen der Tiere auf die Lebensbedingungen und ihre tierindividuelle Anpassungsfähigkeit darüber, ob und in welchen Ausmaßen es zu tierschutzrelevanten Beeinträchtigungen und zum Schwanzbeißen als Teil einer Gesamtproblematik kommt. Maßgebliche Voraussetzungen für die Problemvermeidung sind die Verfügbarkeit hinreichender Ressourcen, welche die Tiere für die Selbstorganisation benötigen, sowie der Schutz vor Stressoren, die in vielfältiger Weise auftreten und in Kombination mit unzureichenden Ressourcen die Anpassungsfähigkeit der Tiere überfordern können (. Abb. 3). Dies setzt nicht nur fundierte Kenntnisse der Biologie der Tiere sowie der Wechselbeziehungen zwischen potenziellen Störgrößen und den Optionen bzw. Grenzen der Befähigung der Tiere zur Anpassung voraus. Das Management des Betriebssystems bedarf selbst hinreichender Ressourcen, um den Tieren die Lebensbedingungen zur Verfügung zu stellen, welche diese für ihr Wohlergehen benötigen. Allerdings sind die Betriebe selbst eingezwängt in ein System wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und eines globalen Unterbietungswettbewerbs, der ihre eigene Existenzfähigkeit bedroht und der Bereitstellung von Ressourcen und der Umsetzung von Schutzmaßnahmen für die Nutztiere diametral gegenübersteht. Um Tierschutz praktizieren und Tierschutzleistungen erbringen zu können, benötigen die Nutztierhalter kostendeckende Preise sowie zusätzliche Anreize des Marktes, mit denen arbeits- und kostenträchtige Mehraufwendungen für den Tierschutz honoriert werden können. Unabdingbar ist auch eine valide Beurteilung von Tierschutzleistungen, damit diese unabhängig von den Produktionsleistungen als eine eigenständige Zielgröße etabliert werden kann, an der sich alle Stakeholder einschließlich des LEH und der Verbraucher orientieren können.

Angesichts der vielfältigen und unübersichtlichen Interaktionen zwischen den tierindividuellen Reaktionsmustern und den sehr heterogenen Lebensbedingungen geht es bei der Beurteilung, ob die Tiere hinreichend vor tierschutzrelevanten Beeinträchtigungen geschützt werden, darum, das Komplexe auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Wesentlichste für lebende Systeme ist das Überleben. Bei den Tieren sind alle physiologischen und ethologischen Prozesse des Organismus funktional und teleologisch auf die Erhaltung der Lebensfähigkeit ausgerichtet. Mortalitätsraten eines Betriebes repräsentieren das endgültige Scheitern der Anpassungsfähigkeit einer mehr oder weniger großen Zahl von Tieren des Bestandes an die spezifischen Lebensbedingungen und das Scheitern der Nutztierhalter, diese an die Bedürfnisse aller Tiere des Bestandes anzupassen. Die Mortalitätsrate fungiert als eine „Eisberg-Variable“. Sie repräsentiert die sichtbare Spitze des Outputs des Wirkungsgefüges und lässt aufgrund der engen Zusammenhänge zwischen den sichtbaren und nicht unmittelbar sichtbaren Anteilen eines zusammengehörigen Ganzen eine qualitative Aussage über das Systemganze zu (Sundrum et al. 2019). Das Konzept der Eisberg-Variablen basiert auf einem Vorschlag des Farm Animal Welfare Council (2009) und zielt darauf ab, anhand weniger, möglichst aussagefähiger Variablen eine valide Aussage über die Umsetzung des Tierschutzes auf einem Betrieb vornehmen zu können. Das Beißen von Schweinen in die Schwanzspitze ihrer Buchtgenossen ist Ausdruck einer systeminhärenten Gesamtproblematik und einer wechselseitigen Überforderung der Anpassungsfähigkeit. Mit Blick auf die Gesamtzusammenhänge wurde von Spoolder et al. (2011) der intakte Ringelschwanz als der wichtigste Tierschutzindikator in der Schweinemast eingestuft, weil dessen Sicherstellung optimierte Haltungs- und Managementbedingungen und einen guten Gesundheitsstatus über die gesamte Lebenszeit voraussetzt. Folgerichtig schlagen die Autoren den intakten Ringelschwanz explizit als Eisberg-Variable für die Beurteilung des Tierschutzes vor. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen Valros et al. (2020). Sie entwickelten hierzu ein Scoring-System für Schwanzläsionen, das an Schlachthöfen etabliert werden und zu belastbaren Beurteilungen führen könnte. Aus den obigen Herleitungen wird jedoch deutlich, dass der Fokus auf das Schwanzbeißen für die Repräsentation der Tierschutzthematik zu kurz greift. Schlüssiger wäre es, die Mortalitätsrate und die Prävalenz an pathologisch Befunden am Schlachtkörper einschließlich der Läsionen an den Schwänzen als Eisberg-Variablen für die Beurteilung der Tierschutzleistungen von Betrieben mit Mastschweinen heranzuziehen. Die Betriebe könnten anhand von Eisberg-Variablen rangiert werden, wodurch ihnen Orientierung vermittelt und gleichzeitig die Möglichkeit geboten würde, das für die Implementierung einzelbetrieblicher Optimierungsmaßnahmen erforderliche Handlungswissen abzuleiten. Zudem würde ein Benchmarking die Voraussetzungen schaffen, um überbetriebliche Maßnahmen der Förderung und Sanktionierung durch gezielte Subventionen sowie durch marktwirtschaftliche Instrumente auf der Basis qualitativer Differenzierungen zu ermöglichen.

Am Anfang einer Problemlösung steht folglich eine umfassende und profunde diagnostische Herangehensweise auf der Betriebs­ebene inklusive Anamnese und Befunderfassung. Die Interpretation und eine Vergleichbarkeit von Befunden werden jedoch bereits dadurch erheblich erschwert, dass in der Praxis sowie in diversen Studien bei der Beurteilung der Schäden unterschiedliche Boniturschlüssel zur Anwendung kommen (Honeck 2019). Je detaillierter ein Boniturschlüssel ist, desto besser kann die tatsächliche Situation erfasst, aber desto intensiver müssen die Beobachter geschult werden. Dies gilt sowohl für eine fortlaufende Bonitierung durch die Nutztierhalter im Stall, zum Beispiel nach dem Absetzen, sowie für fortlaufende Beobachtungen, die erforderlich sind, um frühzeitig intervenieren zu können. Dies gilt umso mehr für die einzel- und überbetriebliche Erfassung des Ausprägungsgrades von pathologischen Befunden am Schlachthof. Solange ein Monitoring nicht mit der notwendigen Validität erfolgt, wird dies von interessierter Seite sofort zum Anlass genommen, die Befunde anzuzweifeln.

Nicht weniger wichtig ist eine überbetriebliche Auswertung der Befundlage. Der einzelne Betrieb ist nicht nur auf belastbare Befunde aus dem eigenen Tierbestand angewiesen, um Longitudinalauswertungen durchführen und die Wirksamkeit von einzelbetrieblichen Maßnahmen validieren zu können. Der Einzelbetrieb muss auch wissen, wie seine einzelbetrieblichen Tierschutzleistungen in Relation zur durchschnittlichen Prävalenz und zur Variation zwischen den Betrieben einer Grundgesamtheit (Zulieferbetriebe zu einem Schlachthof, länderspezifische Auswertung oder nationales Monitoring) einzuordnen sind. Erst aus der Kenntnis der eigenen Position auf einer Skala von Prävalenzwerten vermag der Betrieb sich zu orientieren (Sundrum 2020). Und erst aus der Kenntnis der aktuellen Rangposition kann das Management künftige Zielgrößen ableiten, die sich von der Ist-Situation mehr oder weniger deutlich unterscheiden. Die Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Größen ist nicht nur für die intrinsische Motivation der Entscheidungsträger oder gegebenenfalls für behördlicherseits initiierte Impulse ausschlaggebend. Die Diskrepanz markiert auch den Handlungsrahmen und die potenziellen Aufwendungen, die für die Zielerreichung in Betracht gezogen werden müssen. Dies beginnt bereits bei der Notwendigkeit und Dringlichkeit sowie beim Umfang einer Schwachstellenanalyse auf der betrieblichen Ebene. Neben dem Orientierungswissen bedarf es eines Handlungswissens bezüglich der im betriebsspezifischen Kontext erwartbar wirksamsten und effizientesten Maßnahmen (Sundrum 2020). Auch das Handlungswissen fußt auf der Kenntnis der Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Größe, da die Wirksamkeit und die Realisierbarkeit von Maßnahmen von Grenznutzeneffekten abhängig sind.

Selbstredend ist es mit einer validen Beurteilung von Tierschutzleistungen noch nicht getan. Für die Bereitstellung von Handlungswissen bedarf es einer fachlichen Expertise, die sich nicht in Spezialistentum verliert, sondern das Betriebssystem als Ganzes zu überblicken und die Komplexität gedanklich zu durchdringen vermag. Hierzu gehört auch das Vermögen, die ökonomischen Implikationen von Produktions- und Tierschutzleistungen im jeweiligen betriebsspezifischen Kontext in Abwägung bringen zu können. Der Schutz von Nutztieren ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die nicht allein den Nutztierhaltern und ihren unternehmerischen Fähigkeiten überlassen bleiben sollte. Diese sind in dem bisherigen Bemühen, die Tiere vor Störungen zu schützen, die mit Schmerzen, Leiden und Schäden einhergehen, weitgehend erfolglos geblieben. Auch ist es ihnen bislang nicht gelungen, das synergistische Potenzial, das in der Reduzierung von Produktionskrankheiten und damit von verdeckten Verlustkosten liegt, ökonomisch zu erschließen.

Schlussfolgerungen

Das Problem des Schwanzbeißens kann nur in dem Kontext gelöst werden, in dem es entsteht. Allerdings beschränkt sich der Kontext nicht auf das einzelne Tier, die einzelne Bucht oder den einzelnen Betrieb. All diese Sub-Systeme sind eingebettet in einem hierarchisch angeordneten Agrarwirtschaftssystem. Dieses ist seit Jahrzehnten auf eine Kostenminimierungsstrategie ausgerichtet, um auf den globalen Märkten, welche die Exportländer in einen ruinösen Unterbietungs- und Verdrängungswettbewerb verstrickt haben, überdauern zu können. Ein Kernelement dieses Wettbewerbs basiert darauf, dass dabei die unerwünschten Nebenwirkungen weitgehend ausgeblendet bzw. externalisiert werden. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben die Handlungsoptionen der Nutztierhalter in hohem Maße eingeschränkt. Auch die Tierärzte sind häufig machtlos, weil sie zwar Handlungsempfehlungen aussprechen können, aber auch damit konfrontiert sind, dass die Umsetzungen, wenn überhaupt, nur auf eine begrenzte Änderungsbereitschaft oder -möglichkeit treffen.

Nicht minder machtlos sind die Wissenschaftler, weil sie zwar weiterhin forschen können, aber ihre Forschungsergebnisse – sofern deren Umsetzungen zu erhöhten Produktionskosten führen – selten realisiert werden. Entsprechend unterbleiben auch externe Validierungen der Wirksamkeit der Maßnahmen in unterschiedlichen Kontexten. Auch die Politiker sind nur bedingt handlungsfähig, weil sie den Landwirten keine weiteren Auflagen zumuten wollen, welche deren Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen und öffentlichkeitswirksame Proteste hervorrufen könnten. Zwar könnten Verbraucherverbände einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten, indem sie von den Produktanbietern eine anhand erbrachter Tierschutzleistung vorgenommene qualitative Differenzierung einfordern. Allerdings scheinen sie ihre Rolle eher in der Vermeidung von Preissteigerungen zu sehen. Auch wirken sie – wie andere Interessengruppen auch – im Umgang mit der Komplexität der Prozesse überfordert. Hinzu kommt, dass sie von den Medien, die selbst eigenen Interessen unterliegen, nicht adäquat aufgeklärt werden. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit vermittelt der Blick auf die verschiedenen, im Gesamtprozess involvierten Akteure und Interessenvertreter den Eindruck eines sehr verfahrenen und verworrenen Beziehungsgeflechtes.

In einem unübersichtlichen Terrain kommt eigentlich der Wissenschaft die Aufgabe zu, Licht ins Dunkel zu bringen und die Gesamtzusammenhänge aufzudecken. Allerdings haben wir es hier nicht nur mit einem Versagen des Marktes, sondern auch mit einem Versagen der Agrarwissenschaften zu tun, die gefangen in überkommenen Denkmustern eher Teil des Problems als Teil der Lösung sind. Eine naturwissenschaftliche, weitgehend kontext-invariante Herangehensweise kann angesichts der Kontextabhängigkeit des multifaktoriellen Geschehens nur einen sehr begrenzten Erkenntnisgewinn generieren. Die Komplexität des betriebsspezifischen Wirkungsgefüges wird bei der Suche nach Gesetz- und Regelmäßigkeiten verfehlt. Ohne Berücksichtigung des Kontextes, in dem die jeweiligen Schweine gehalten werden und in dem die tierschutzrelevanten Folgewirkungen hervortreten, sowie in dem Kontext, in dem die Betriebe ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern versuchen, entpuppen sich allgemeine Handlungsempfehlungen als Scheinlösungen. Zu Lösungen werden sie erst, wenn sie sich im betrieblichen Kontext nachweislich bewähren. Gleichzeitig erwecken sie den irreführenden Eindruck, dass eine Lösung der Tierschutzprobleme mittels wissenschaftlicher und technischer Fortschritte und ohne eine grundlegende Neuausrichtung der Schweinehaltung herbeigeführt werden könnte. Diese Fortschrittsgläubigkeit trägt maßgeblich zur Perpetuierung der ungelösten Problemlage bei.

Die derzeitigen Rahmenbedingungen machen diejenigen zu den „besseren Tierwirten“, welche die niedrigsten Produktionskosten pro Produkteinheit realisieren. Allerdings sind dies naheliegenderweise nicht die besseren Tierwirte aus der Perspektive des Tierschutzes. Hier würden diejenigen Betriebe oben rangieren, welche durch ihr Betriebssystem hohe Tierschutzleistungen hervorbringen. Eine solche Rangierung ist eine elementare Voraussetzung für die Etablierung eines qualitativen Wettbewerbes, der diejenigen Tierwirte ausweist und belohnt, die es vermögen, eine hohe Tierschutzleistung als gesamtbetriebliche Systemleistung mit einer hinreichenden Produktivität in Abgleich zu bringen. Nur so können die im Zielkonflikt stehenden ökonomischen Eigeninteressen mit den Tierschutzinteressen versöhnt werden. Damit kommt der Etablierung fairer Wettbewerbsbedingungen durch das Ordnungsrecht eine zentrale Bedeutung bei der Bekämpfung des in hohem Maße tierschutzrelevanten Problems des Schwanzbeißens zu.

Fazit für die Praxis

Dem Schwanzbeißen liegt ein multifaktorielles Geschehen zugrunde. Die Problemlösung entzieht sich einer naturwissenschaftlichen Herangehensweise, welche die Komplexität auf irreführende Weise reduziert und den Kontext vernachlässigt. Analog zur kurativen tierärztlichen Tätigkeit bei erkrankten Tieren bedarf es bei dem systeminhärenten Problem einer kurativen Herangehensweise auf der Betriebsebene. Trotz aller Komplexität ist das Problem relativ einfach zu lösen. Dazu müssten die Abnehmer von Schlachtkörpern den schweinehaltenden Betrieben nur hinreichende monetäre Anreize bieten, welche die betrieblichen Mehraufwendungen für die Erzeugung von Schlachtkörpern mit intakten Schwänzen decken, und gleichzeitig ein valides Kontrollverfahren etablieren, mit dem die Nichteinhaltung von Vorgaben sanktioniert wird. Darauf werden die Schweinehalter reagieren und gemeinsam mit den sie beratenden Tierärzten das Management an die Zielvorgaben ausrichten. Gemeinsam werden sie die wirksamsten und effizientesten Strategien im jeweiligen betrieblichen Kontext zu identifizieren suchen, um das Wertschöpfungspotenzial zu nutzen. Das eigentliche Problem besteht darin, dass der zweite selten vor dem ersten Schritt getan werden kann

Ethische Anerkennung

Der Autor versichert, während des Entstehens der vorliegenden Arbeit die allgemeingültigen Regeln Guter Wissenschaftlicher Praxis befolgt zu haben.

Conflict of interest

Der Autor versichert, dass keine geschützten, beruflichen oder anderweitigen persönlichen Interessen an einem Produkt oder einer Firma bestehen, welche die in dieser Veröffentlichung genannten Inhalte oder Meinungen beeinflussen können.

Funding

Die Veröffentlichung wurde von keiner Seite finanziell unterstützt, sondern vom Autor vorwiegend in seiner Freizeit ohne die unmittelbare Mitwirkung Dritter erstellt.

Über den Autor: Albert Sundrum

Studium der Veterinärmedizin in Berlin und Hannover. Habilitation am Institut für Organischen Landbau der Universität Bonn. Fachtierarzt für Tierhygiene. Seit 1999 Leiter des Fachgebietes an der Universität Kassel. Mehr als 400 Publikationen, Forschungsschwerpunkte: ernährungsphysiologische, fütterungsrelevante, tiermedizinische und agrarpolitische Voraussetzungen für die Erzeugung hoher Produkt- und Prozessqualitäten (Tier- und Umweltschutz) in der Nutztierhaltung.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. Albert Sundrum, Fachgebiet Tierernährung und Tiergesundheit, Universität Kassel, Nordbahnhofstr. 1a, 37213 Witzenhausen, Sundrum@uni-kassel.de

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