Journal Club Logo

Journal Club

Schmerzfrei: Lokalanästhesie ohne Einstich

Transdermale Lokalanästhesie hat sich in der Humanmedizin zur schmerzlosen Venenpunktion bei kleineren hautchirurgischen Eingriffen und neuropathischen Schmerzen bereits bewährt. Die vorliegende Studie untersucht den Effekt von drei lokal applizierten Substanzen beim Pferd.

Die nichtinvasive Technik der transdermalen Lokalanästhesie führt zu einer Antinozizeption und Anästhesie der Haut mit einem geringen Risiko kardiovaskulärer und neurologischer Nebenwirkungen. Häufig werden hierzu Cremes mit sogenannten eutektischen Mischungen verwendet, welche verschiedene Wirkstoffe miteinander kombinieren, z. B. Lidocain eins zu eins mit Prilocain oder Tetracain. Aufgrund ihrer Galenik werden diese besser perkutan absorbiert.

Drei handelsübliche Produkte im Vergleich beim Pferd
Bei fünf Warmblütern wurde bilateral am Widerrist sowie in kranialer und kaudaler Sattelregion das Fell geschoren. Anschließend wurden drei Medikamente auf die drei unterschiedlichen Areale per Zufall verteilt und jeweils beidseits auf ein 10 cm² großes Testfeld appliziert. Die Epidermis der jeweils rechten Seite wurde vor der Behandlung mit einem Kosmetik-Dermaroller mit 300 μm langen Nadeln mikroperforiert.
Aufgetragen wurden ein selbstklebendes Pflaster mit 5 % Lidocainlösung (Versatis; Grünthal, D) 12 Stunden vor der ersten Messung, sowie eine Creme aus je 2,5 % Lidocain und Prilocain (EMLA; AstraZeneca GmbH, D) und eine Creme aus je 7 % Lidocain und Tetracain (Pliaglis; Galderma, D), wobei je 1,5 g der Cremes zwei Stunden vor der ersten Messung gleichmäßig auf den Testfeldern verteilt wurden.
Die Testfelder wurden zuerst mit sogenannten von Frey Filamenten auf mechanische Sensibilität untersucht. Dabei handelt es sich um unterschiedlich schwere Nylonmonofilamente zwischen 0,008 und 300 g, die in aufsteigender Gewichtsreihenfolge definiert auf die Haut gesetzt werden, bis das Pferd reagiert. Anschließend wurden die Felder mit einem kabellosen thermischen Schwellenwert-Testsystem auf thermische Nozizeption bis zu einer Höchsttemperatur von 55 °C geprüft. Die Messungen erfolgten vor dem Aufbringen, direkt nach Entfernung des Medikaments und dann viermal in einstündigen Intervallen.
Direkt nach Entfernung des Medikaments konnte bei beiden Cremes die Höchsttemperatur bei allen Tieren ohne Abwehrreaktion aufgebracht werden. Bei der EMLA Creme war das auch nach einer Stunde noch der Fall. Bei der mechanischen Reizung konnte bei allen Produkten sofort sowie einschließlich zwei Stunden nach Entfernung signifikant mehr Druck aufgebracht werden. Überlegen war hier die Pliaglis Creme, bei der die mechanische Empfindsamkeit noch nach vier Stunden signifikant verringert war.

Neue Möglichkeit für ausgewählte Eingriffe
Die Studienresultate zeigen eine Überlegenheit der Cremes mit eutektischen Mischungen gegenüber dem Lidocain-Pflaster und einen länger anhaltenden Effekt bezüglich der mechanischen Empfindung gegenüber der thermalen Nozizeption. Für kleinere Eingriffe im Bereich der Haut ist die Wirksamkeit der Cremes klinisch vielversprechend. Die Mikroperforation der Epidermis verbesserte den Effekt der Anästhetika nicht. Die Verträglichkeit der Produkte war bis auf ein kleines, keine Therapie benötigendes Hautödem nach Pliaglisanwendung sehr gut. Interessant für die Praxis könnte eine weitere Studie mit kürzeren Einwirkzeiten sein. Probst

Originalpublikation:
Söbbeler FJ, Kästner SB (2017): Effects of transdermal lidocaine or lidocaine with prilocaine or tetracaine on mechanical superficial sensation and nociceptive thermal thresholds in horses. Vet Anaesth Alg 2: 1467–2987. DOI: 10.1016/j.vaa.2017.10.003.

Foto: Kzenon - stock.adobe.com

Journal Club

23. November 2020

Orale Lokalanästhesie – der Applikationsort ist wichtiger als das Volumen

Im Rahmen von Zahnbehandlungen werden üblicherweise Lokalanästhetika eingesetzt, um in den betroffenen Bereichen eine optimale Analgesie zu erreichen. Inwieweit Letztere vom applizierten Volumen des Lokalanästhetikums abhängt, hat eine aktuelle Studie untersucht.

Neurologische Schmerzen sind schwer zu erkennen.
Foto: Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com

Journal Club

10. November 2016

Management neuropathischer Schmerzen beim Hund

Neuropathische Schmerzen sind bei Menschen mit chronischen neurologischen und muskuloskeletalen Erkrankungen häufig. Auch bei Tieren kommt diese Form der Schmerzen wahrscheinlich häufiger vor, als sie diagnostiziert wird.

Journal Club Logo

Journal Club

18. Januar 2018

Antibiotika für die Borreliose-Therapie

Die chronische Lyme-Borreliose des Pferdes benötigt eine Langzeittherapie. Erfahrungen aus der Humanmedizin helfen bei der Wahl des richtigen Antibiotikums nur bedingt weiter, da in der Wirksamkeit und Verträglichkeit der Substanzen deutliche Unterschiede zum Pferd bestehen.

Ein Pferd schaut aus seiner Box.
Foto: Patrick Mueller - Fotolia.com

Journal Club

30. Januar 2020

Headshaking beim Pferd

Trigeminus-vermitteltes Headshaking ist Ausdruck neuropathischer Schmerzen und kann zur Unreitbarkeit führen. Welche Antworten hat die Tiermedizin auf das Problem?

Jetzt kostenfrei registrieren!

Sie sind Tierarzt und noch nicht auf vetline.de registriert? Melden Sie sich jetzt an und sichern Sie sich kostenfrei Zugriff auf viele interessante Fachbeiträge und News aus der Welt der Tiermedizin. Für unsere treuen vetline.de-Nutzer: Aus Sicherheitsgründen konnten wir bei der Umstellung auf das neue System Ihre Anmeldedaten leider nicht übernehmen. Bitte vergeben Sie hier ein neues Passwort für Ihr Benutzerkonto und stöbern Sie dann wieder nach Herzenslust.