Image
Wie gefährlich ist SARS-CoV-2 für Hunde und Katzen?
Foto: peterschreiber.media - stock.adobe.com
Wie gefährlich ist SARS-CoV-2 für Hunde und Katzen?

Journal Club

SARS-CoV-2: Bedeutung für die Mortalität bei Haustieren

SARS-CoV-2 ist in der Humanmedizin und global noch immer omnipräsent. Bei Haustieren wird in den allermeisten Fällen natürlicher Infektionen von milden Verläufen ausgegangen. Ob sich dies wissenschaftlich bestätigen lässt, untersuchten Nordamerikanische Forscher.

Mittlerweile steht fest, dass SARS-CoV-2 von seinem menschlichen Wirt auf Tiere übertragen werden kann. Dabei wurden Infektionen vorwiegend in Pelztierfarmen, bei einigen Zootier- und den häufigsten Haustierarten nachgewiesen. Zahlenmäßig fallen dabei die Übertragungen auf Hunde und Katzen eindeutig am stärksten ins Gewicht. Nach bisherigem Wissen ging man davon aus, dass unsere Haustiere primär durch infizierte Besitzer angesteckt werden und meistens keine bis leichte Krankheitsanzeichen entwickeln. Ob bei Hund und Katze auch schwere Coronaverläufe auftreten können, stand bislang nicht fest und wurde nun von einer großen Forschergruppe in Nordamerika untersucht.

In den meisten Fällen höchstens leichte klinische Symptome

Die Wissenschaftler definierten Fälle als Situationen, in welchen bei einem Hund oder einer Katze SARS-CoV-2 diagnostiziert wurde und das Tier innerhalb von acht Wochen nach Feststellung verstarb. Von den insgesamt über 3.600 getesteten Individuen zeigten nur 94 ein positives Testergebnis. Von diesen Infizierten verstarben zehn Tiere im festgelegten Zeitfenster. Während bei einem Hund die Infektion als mitursächlich für den fatalen Ausgang eingeordnet wurde, bestimmten die Forscher sie bei einer einzigen Katze als Haupttodesursache. In den übrigen acht Fällen kamen sie zum Schluss, dass SARS-CoV-2 nur als Nebenbefund betrachtet werden sollte und bei den Tieren eine andere Todesursache offensichtlich war.

Themenheft Coronaviren

Das erste Themenheft der Berliner und Münchener Tierärztlichen Wochenschrift im Jahr 2021 widmet sich – wie sollte es anders sein – den Coronaviren. Dabei schauen wir über den Tellerrand von SARS-CoV-2 hinaus und stellen die Coronaviren in ihrer ganzen Vielfalt hauptsächlich aus der veterinär-, aber auch aus der humanmedizinischen Perspektive dar.
Artikel lesen

Algorithmus soll bei der Diagnostik helfen

Um die klinische Relevanz einer SARS-CoV-2-Diagnose besser einordnen zu können, entwickelten die Wissenschaftler einen übersichtlichen Algorithmus. Dieser soll gleichzeitig dazu dienen, unser Wissen hinsichtlich der Manifestationsarten dieser Erkrankung bei Haustieren zu erweitern. Der Algorithmus betont die Wichtigkeit der pathologischen und histopathologischen Untersuchung bei Todesfällen positiv getesteter Haustiere. Nur so kann eine verlässliche Einschätzung der Bedeutung der Infektion für den fatalen Verlauf erfolgen. 

Originalpublikation

Carpenter A, Ghai RR, Gary J, Ritter JM, Carvallo F Ret al. (2021): Determining the role of natural SARS-CoV-2 infection in the death of domestic pets: 10 cases (2020–2021). J Am Vet Med Assoc 259: 1032–1039. DOI 10.2460/javma.259.9.1032

Mehr zum Thema

Journal Club Logo

Journal Club

14. Oktober 2018

Hepatitis E: Kaninchen sind Reservoire

Bestimmte Genotypen des Hepatitis-E-Virus kommen bei zahlreichen Arten von Wildtieren vor, darunter auch Kaninchen.

Journal Club Logo

Journal Club

16. Januar 2019

Risiko der MKS-Übertragung durch Carrier-Rinder

Persistent subklinisch infizierte Carrier des Maul- und Klauenseuche-Virus kommen vor, doch welche Gefahr geht eigentlich von ihnen aus? Mit dem Ziel einer besseren Risikoabschätzung hat die US-Regierung Ansteckungsversuche beauftragt. Hier das Ergebnis.

Journal Club Logo

Journal Club

29. Mai 2018

Wenn der erste Eindruck täuscht

Katzenpocken sind selten, gehen aber immer mit einem Ansteckungsrisiko für die Besitzer und Tierärzte einher. Eine Fallserie aus Hannover zeigt, dass auch hinter völlig untypischen Läsionen Orthopox-Viren stecken können.

Mücke: Überträger viraler Encephalitiden
Foto: Henrik Larsson - Fotolia.com

Journal Club

17. März 2021

Equine virale Enzephalitiden auf dem Vormarsch?

Tollwut, Herpes, Borna, West-Nil & Co. – eine aktuelle Übersichtsarbeit bringt Ordnung in den Reigen der Bedrohungen beim Pferd.