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Risiko der MKS-Übertragung durch Carrier-Rinder

Persistent subklinisch infizierte Carrier des Maul- und Klauenseuche-Virus kommen vor, doch welche Gefahr geht eigentlich von ihnen aus? Mit dem Ziel einer besseren Risikoabschätzung hat die US-Regierung Ansteckungsversuche beauftragt. Hier das Ergebnis.

Die Kontrolle der Maul- und Klauenseuche (MKS) weltweit wird durch die Existenz von subklinisch infizierten Carrier-Tieren erschwert, die monate- bis jahrelang geringe Virusmengen mit der Oropharyngealflüssigkeit (OPF) ausscheiden können. Eine direkte Übertragung von Carriern auf Sentinel-Tiere verlief unter Experimentalbedingungen oft erfolglos, wohingegen im Feld gelegentlich Ausbrüche auf ebendiese Übertragung zurückgegangen sein sollen. Ein unübersichtliches Gesamtbild also – keine gute Grundlage für regulatorische Entscheidungen.

Ansteckung ist bei Kälbern möglich – mit forcierten Methoden
Die Studie bestand aus drei Phasen. In Phase I wurden neun Kälber mit MKS infiziert. Nach 30 Tagen wurde OPF gewonnen und gepoolt, welche als Inokulat für die Phasen II und III verwendet wurde. Diese Kälber wurden anschließend euthanasiert und Rachengewebe entnommen, das mazeriert und ebenfalls als Inokulat verwendet wurde. In der Phase II wurden acht Kälber durch intranasopharyngeale Applikation der gepoolten Carrier-OPF mit einer Virusdosis von 102 TCID50 (50 Prozent Tissue culture Infective Dose) inokuliert. Sie erkrankten innerhalb von vier bis fünf Tagen fulminant an MKS. In der Phase III wurden fünf Schweine durch intranasopharyngeale Applikation der gepoolten Carrier-OPF mit einer Virusdosis von 5 × 101 TCID50 inokuliert, weitere fünf Schweine wurden mit dem mazerierten Carrier-Gewebe gefüttert. Keines der Schweine erkrankte, auch war keine Serokonversion nachweisbar und es wurde zu keinem Zeitpunkt virale RNA detektiert.

Fazit
Die Studie beweist, dass die Oropharyngealflüssigkeit der Carrier-Tiere infektiöse Viren enthielt, die unter Laborbedingungen Kälber anstecken konnten. Die fehlende Ansteckung beim Schwein führen die Autoren auf die geringen verwendeten Virusdosen zurück.
Die Studie trägt recht wenig dazu bei, das Ansteckungsrisiko unter natürlichen Bedingungen abzuschätzen. Sie bietet jedoch den wissenschaftlichen Beleg dafür, dass es Bedingungen gibt, unter denen Carrier-Tiere ansteckend sein können – und dies scheint das Ziel der Untersuchung gewesen zu sein.


Originalpublikation:
Arzt J, Belsham GJ, Lohse L, Bøtner A, Stenfeldt C (2018): Transmission of foot-and-mouth disease from persistently infected carrier cattle to naive cattle via transfer of oropharyngeal fluid. mSphere 3: e00365-18. DOI 10.1128/mSphere.00365-18.

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