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Das equine Hepacivirus ist dem Hepatitis-C-Virus sehr ähnlich.
Foto: Guillaume Tunzini - Fotolia
Das equine Hepacivirus ist dem Hepatitis-C-Virus sehr ähnlich.

Equines Hepacivirus

Pferde-Virus als Modell für Hepatitis C

Das equine Hepacivirus ist dem Hepatitis-C-Virus des Menschen sehr ähnlich. Untersuchungen am Pferd können daher einiges über die Infektion beim Menschen verraten.

Die Hepatitis C ist eine virale Leberentzündung des Menschen mit meist chronischem Verlauf, gegen die es bisher keine Impfung gibt. Über 70 Millionen Menschen sind weltweit infiziert. Die Krankheit ist zwar behandelbar, wird aber häufig nicht erkannt. Leberschäden bis hin zu Tumoren können die Folge sein.

Vergleichende Forschung

Jetzt gehen Forschende an der der TiHo neue Wege, um in der Impfstoffentwicklung weiter zu kommen: Sie nutzen das Pferd als Modell, um anhand des Infektionsverlaufs beim Tier Erkenntnisse über das Verhalten des Virus zu gewinnen, die sich auf den Menschen übertragen lassen. „Wenn man sich die Hepatitis-Viren anschaut, die verschiedene Spezies befallen können, fällt auf, dass sich das menschliche und das für Pferde ansteckende Virus genetisch am ähnlichsten sind“, erklärt André Gömer. Er ist PhD-Student am Graduiertenkolleg der TiHo, VIPER, und Erstautor der in der Zeitschrift „Virus Evolution“ veröffentlichten Studie.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) beim Pferd

Beim Pferd verläuft eine Infektion mit dem Frühsommer-Meningoencephalitits-Virus meist subklinisch. Doch aktuelle Fallberichte zeigen, dass die Erkrankung bei Pferden mit neurologischen Symptomen auf der Liste der Differentialdiagnosen stehen sollte.
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Ein naher Verwandter: Das equine Hepacivirus

Pferde und Esel können sich mit einem sehr nahen Verwandten des Hepatitis-C-Virus infizieren: dem equinen Hepacivirus. Dieses Flavivirus wurde 2012 erstmals im Serum von Pferden nachgewiesen. Die Infektion kommt weltweit vor. In Deutschland wurden bei etwa 30 Prozent der Pferde aus dem Patientengut der TiHo und über 60 Prozent der Vollblüter in Nord- und Westdeutschland Antikörper gegen das Equine Hepacivirus nachgewiesen. Die Infektion bleibt im Allgemeinen klinisch inapparent, nur einzelne Fälle von infizieren Pferden mit Lebererkrankung wurden beschrieben, der kausale Zusammenhang ist jedoch nicht belegt.

(Einen Fachartikel über virale Hepatitiden beim Patienten Pferd lesen Sie hier.)

Gömer und sein Team haben die Oberflächenproteine der Viren aus Pferden und Menschen analysiert und verglichen. Dem equinen Virus fehlt eine hypervariable Region. Das Hepatitis-C-Virus verändert sich ständig, kann so dem Immunsystem ausweichen und im Menschen persistieren, wodurch es zu überwiegend chronischen Verläufen kommt. Beim Pferd verläuft die Infektion hingegen meist akut – der Unterschied in den Oberflächenproteinen könnte ein Grund dafür sein. „Diese Erkenntnisse helfen uns, die Taktik des Hepatitis-C-Virus besser zu verstehen und herauszufinden, auf welche Bereiche des Virus es besonders ankommt“, erklärt Dr. Daniel Todt, Gömers Betreuer an der Ruhr-Universität Bochum.

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