Persistenz von EHV-1
Foto: Kumer Sergii - stock.adobe.com

Journal Club

Persistenz von EHV-1 in der Umwelt

Das equine Herpesvirus 1 ist ubiquitär – doch über die Umweltpersistenz dieses Erregers ist wenig bekannt.

Das equine Herpesvirus 1 (EHV-1) ist in der Pferdepopulation verbreitet und verursacht bekanntlich Atemwegserkrankungen, Spätaborte und neurologische Komplikationen. Eine Eradikation des Virus erscheint unrealistisch – so unrealistisch offenbar, dass Untersuchungen zur Stabilität dieses Erregers in der Umwelt bislang kaum gemacht wurden. Nun wurden hierzu einige Versuche unternommen, indem verschiedene Materialien mit Viruslösung inokuliert und gegenüber unterschiedlichen Umweltbedingungen exponiert wurden.

Mücke: Überträger viraler Encephalitiden

Equine virale Enzephalitiden auf dem Vormarsch?

Tollwut, Herpes, Borna, West-Nil & Co. – eine aktuelle Übersichtsarbeit bringt Ordnung in den Reigen der Bedrohungen beim Pferd.
Artikel lesen

Methodik

Fünf Materialien wurden getestet: Leder, Holzspäne, Weizenstroh, Polyester-Baumwoll-Stoff und Polystyrol. Von jedem Material wurden kleine Stücke in Laborschalen verbracht und mit Virus (200 µl einer 1 × 106 PFU/ml-Suspension des EHV-1-Stammes OH03 in BAL-Flüssigkeit) inokuliert. Die Platten wurden abgedeckt und im Freien (6,8 bis 24,1 °C), im Stall oder bei 4 °C im Kühlschrank für bis zu 48 Stunden inkubiert. Anschließend wurde auf verbliebene infektiöse Viren und Virus-DNA untersucht.

Pferdesport: EHV-1-Ausbruch in Valencia

Equines Herpes Virus 1: Ausbruch in Valencia – und darüber hinaus

Bei einem internationalen Turnier in Valencia ist es zu dem laut Weltpferdesportverband (FEI) "vermutlich schlimmsten EHV-1-Ausbruch seit Jahrzehnten" gekommen. Zahlreiche gegebenenfalls ansteckende Pferde sind bereits in ihre Heimatländer abgereist. Auch in Deutschland wurde ein Ausbruch bestätigt.
Artikel lesen

Ergebnisse und Diskussion

Vermehrungsfähige EHV-1-Viren wurden von allen Materialien noch nach 48 Stunden gewonnen, wobei die Anzahl der Plaque-forming units im Zeitverlauf unterschiedlich stark abnahm. Im Durchschnitt überdauerten vermehrungsfähige Viren auf Holzspänen am schlechtesten (Rückgang auf ~1 PFU/ml nach drei Stunden), gefolgt von Leder (Rückgang auf ~3 PFU/ml nach drei Stunden), Stroh, Stoff und Poly­styrol (jeweils noch >4 PFU/ml nach drei Stunden). Der stärkste Rückgang war für alle Materialien bei den im Freien inkubierten Proben zu verzeichnen, gefolgt von den im Stall inkubierten. Leider wurde die Versuchsreihe nicht über 48 Stunden hinaus fortgeführt. Auch ist einschränkend zu sagen, dass die Viruszubereitung mit BAL-Flüssigkeit nicht die Umweltbedingungen von Nasensekret widerspiegelt, das praktisch bedeutsamer ist und den Viren vermutlich bessere Bedingungen bietet. Doch immerhin wurde hier ein Schritt unternommen, die Wissenslücke der Umweltpersistenz von EHV-1 zu schließen.

Originalpublikation:

Saklou NT, Burgess BA, Ashton LV, Morley PS, Goehring LS (2021): Environmental persistence of equid herpesvirus type-1. Equine Vet J 53(2): 349–355. DOI 10.1111/evj.13313.

Aktuelle Artikel aus allen tiermedizinischen Fachgebieten, News und Tipps zum Praxismanagement gibt es im kostenlosen vetline.de-Newsletter. Jetzt anmelden!