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Patellaluxation bei der Französischen Bulldogge

Ein breites Becken und kurze Beine: Bei Französischen Bulldoggen ist der Femur häufig stärker nach außen gedreht als bei anderen Hunderassen. Das hat Auswirkungen auf die Patella. Kann Röntgen künftig die Zuchtkontrolle objektivieren?

Bei der Französischen Bulldogge sind die Außenrotation und Abduktion des Femurs deutlich größer als bei anderen Hunderassen. In einer Studie wurde kürzlich untersucht, inwieweit diese rasse­typische Besonderheit die Beweglichkeit der Kniescheibe und/oder eine mediale Patellaluxation (MPL) bzw. permanente Patellaluxation (MPPL) begünstigt. Die der Arbeit zugrunde liegende Hypothese war, dass die abduzierte Stellung des Hinterbeins am stehenden Hund eine ungünstige mediale Zugrichtung des M. rectus femoris ausüben könnte, was wiederum in der Bewegung die Luxation begünstigen könnte. Um diese Hypothese zu prüfen, wurden sequenzielle Röntgenbilder der Kniegelenke bei sieben ausgewachsenen Französischen Bulldoggen im Gehen oder Traben auf einem Laufband angefertigt und die Bewegungen der Patella in drei Dimensionen mittels Rotoskopie (Scientific Rotoscoping) analysiert. Drei der Hunde hatten eine mediale Patellasubluxation und ein Hund eine mediale permanente Patellaluxation.

Eine erhöhte Beweglichkeit der Patella ist rassetypisch

Eine MPL wurde in beiden Gangarten vor allem in der Phase des Anhebens der Zehe beobachtet. Bei den Hunden mit MPL befand sich die Patella in der Phase des Auffußens und in der Schwungphase des Beins statistisch signifikant weiter distal und in der Schwungphase signifikant weiter medial als bei den nicht betroffenen Hunden.

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Schlussfolgerungen: Zuchtkontrolle über radiologische Abklärung

Eine mediale Patellaluxation ist offenbar die Folge der weit aus der Parasagittalebene herausragenden Stellung des Kniegelenks aufgrund des breiten Rumpfes und Beckens. Die resultierende Beinstellung führt zu einem nach medial gerichteten Seitwärtszug durch die Mm. rectus femoris und quadriceps femoris, was zu einer plastischen Verformung der im Wachstum befindlichen Femur- und Tibiaknochen führen kann.

Die Autoren schlagen vor, zur Vermeidung von MPL nur mit Tieren zu züchten, bei denen Rumpf und Becken schlank sind. Sie betonen, dass die momentan praktizierte Zuchtkontrolle mittels orthopädischer Untersuchungen fehleranfällig ist, vor allem weil die verwendeten Beurteilungsskalen von der Verfassung des Hundes und den Voraussetzungen für den Tierarzt bei der Palpation des Kniegelenks abhängen. Die Ergebnisse der hier vorgestellten Studie legen nahe, dass die Stellung des Kniegelenks im Moment des Auffußens und eventuell bereits im Stand eine Option für eine objektive radiologische Abklärung der MPL darstellen könnte.

Originalpublikation:

Lehmann SV, Andrada E, Taszus R, Koch D, Fischer MS (2021): Three-dimensional motion of the patella in French bulldogs with and without medial patellar luxation. BMC Vet Res 17(1): 76. DOI 10.1186/s12917-021-02787-z.

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