Image
Kuscheln, lautes Miauen, auf der Suche nach einem Kater: Ist die Katze rollig?
Foto: romablack - stock.adobe.com
Kuscheln, lautes Miauen, auf der Suche nach einem Kater: Ist die Katze rollig?

Journal Club

Ovarrestgewebe bei der Katze nachweisen

Rollig trotz Kastration? Das Anti-Müller-Hormon kann bei der Diagnose des Ovarian-Remnant-Syndroms hilfreich sein.

    • Treten nach einer Kastration Rolligkeitssymptome auf, ist die Verwunderung groß. Von einem Ovarian-Remnant-Syndrom (ORS) ist die Rede, wenn nach der Ovarektomie Reste von Ovargewebe zurückgeblieben sind.
    • Der Verdacht besteht, wenn trotz Kastration Anzeichen von Rolligkeit auftreten. Superfizialzellen in der Vaginalzytologie oder eine erhöhte Östradiol-Konzentration im Serum erhärten den Verdacht. Abzuklären bleibt dann aber, ob exogenes Östrogen verabreicht wurde, ggf. auch durch unbeabsichtigten Kontakt mit östrogenhaltigen Cremes oder Sprays der Besitzer.
    • Die Diagnostik kann herausfordernd sein, insbesondere wenn die Katze nicht während der Rolligkeit vorgestellt wird und/oder Ovarreste sich nicht sonografisch darstellen lassen. An der Ludwig-Maximilians Universität München wurde jetzt die Bestimmung von Anti-Müller-Hormon (AMH) als diagnostisches Tool bei Verdacht auf ORS bei der Katze untersucht.

Anti-Müller-Hormon

AMH wird beim weiblichen Tier von Granulosazellen im Eierstock sezerniert, bei männlichen Tieren von Sertolizellen. Über die AMH-Konzentration im Serum lassen sich intakte und gonadektomierte Hunde bzw. Katzen differenzieren. Bei der Hündin wurde auch der Nutzen vom AMH in der Diagnose des ORS bereits beschrieben.

Chirurgische Lagerung bei der Kastration von Katzen

In der Kleintierpraxis gilt die Ovariektomie bei der Katze als chirurgischer Routineeingriff. Die Operation kann in unterschiedlichen Positionierungen erfolgen. Forscher haben nun untersucht, inwieweit diese die Sauerstoffsättigung und den Augeninnendruck beeinflussen.
Artikel lesen

AMH-Konzentration bei kastrierten, intakten und ORS-Kätzinnen

Das Team untersuchte 15 Kätzinnen, die nach einer Kastration wegen Rolligkeits-Verhalten vorgestellt wurden. Bei allen Tieren, bei denen eine Laparotomie durchgeführt wurde (14/15), konnte das Vorliegen von Ovarrestgewebe histopathologisch bestätigt werden. AMH wurde zum einen bei diesen 15 Kätzinnen bestimmt, zum anderen bei 15 weiteren, intakten Kätzinnen und zehn kastrierten Kätzinnen ohne ORS-Verdacht, die größtenteils aus orthopädischen Gründen vorgestellt worden waren.

Nach kompletter Ovarektomie lag die AMH-Konzentration bei den Kätzinnen unter der Nachweisgrenze. Bei den Katzen mit zurückgebliebenen Resten von Ovargewebe lag die AMH-Konzentration signifikant höher als bei den vollständig kastrierten Kätzinnen und signifikant niedriger als bei den intakten Tieren.

Diagnostik bei Verdacht auf ORS

Empfehlenswert ist eine Vorstellung während der Rolligkeit. Dann können Superfizialzellen im Vaginalabstrich nachgewiesen und Östradiol im Serum bestimmt werden. Des Weiteren kann durch Induzieren einer Ovulation mit hCG oder GnRH und Progesteron-Nachweis einige Tage später ein ORS-sicher nachgewiesen werden. Im Ultraschall lassen sich ggf. Follikel nachweisen, auch außerhalb der Rolligkeit ist die sonografische Darstellung von Ovargewebe möglich. Findet sich nichts, kann ein ORS aber nicht ausgeschlossen werden.

Möglich scheinen auch außerhalb der Rolligkeit eine Östradiol-Messung mit anschließender GnRH-Stimulation und erneuter Messung oder ein LH-Schnelltest – untersucht wurde dies aber nur zur Differenzierung intakter und ovarektomierter Kätzinnen, nicht zur ORS-Diagnostik. Die Autoren empfehlen, die Messung der AMH-Konzentration in die Diagnostik einzubeziehen: Sie ist unabhängig vom Zyklus-Zeitpunkt möglich, vergleichsweise stressarm, denn nur eine Blutabnahme ist nötig. Zudem erlaubt eine einmalige Messung sowohl die Differenzeitung intakter und kastrierter Tiere bei unbekannter Vorgeschichte als auch die Diagnose eines ORS. Therapie der Wahl ist die chirurgische Entfernung des Ovarrestgewebes.

Originalpublikation

Flock U, Fischer S, Weeger J, Reese S, Walter B(2022): Anti-Müllerian hormone as a diagnostic tool to identify queens with ovarian remnant syndrome. J Fel Med Surg doi.org/10.1177/1098612X221099195

Image
Foto: cynoclub - Fotolia.com

Journal Club

6. Oktober 2020

Wann kastrieren? Das ideale Alter hängt von der Rasse ab

Nur bei einigen Rassen erhöht eine frühe Kastration das Risiko für Gelenkschäden, Tumoren und Inkontinenz. Eine aktuelle Studie gibt rassespezifische Empfehlungen für den Zeitpunkt der Kastration.

Image
Foto: taviphoto - Fotolia.com

Männliche Schildkröten

17. Dezember 2019

Kastrieren ist nicht tiergerecht

Aggression ist bei männlichen Schildkröten und Echsen keine Indikation für eine Kastration.

Image
Foto: Ruslan Grumble - stock.adobe.com

news4vets

26. Februar 2021

Kastration – schneiden oder nicht?

Die chirurgische Kastration ist definiert als operative Entfernung der Gonaden eines Hundes, entweder der Hoden oder der Eierstöcke. Eine Alternative ist oft die chemische Kastration mit einem GnRH-Agonisten. In diesem Review wird auf die unterschiedlichen Auswirkungen beider Methoden auf den Organismus von männlichen und weiblichen Hunden sowie auf das Verhalten eingegangen.

Image
Foto: K. Thalhofer - stock.adobe.com

vetline-Akademie

3. Juli 2020

Online-Seminar: Pros & Contras zur Kastration von Hunden

EIne Kastration hat Vor- und Nachteile. Nicht jeder Hund sollte operiert werden.