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Orale Impfung von Wildschweinen gegen die Afrikanische Schweinepest

Nichts konnte bisher die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest aufhalten. Um das Reservoir in der Schwarzwildpopulation in den Griff zu bekommen, wäre eine Impfung sehr hilfreich. Nun testeten spanische Wissenschaftler erstmals eine orale Lebendvakzine bei Wildschweinen.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) verbreitet sich in Europa und könnte die deutsche Grenze jederzeit überschreiten. In fast allen bisher betroffenen europäischen Ländern sind Wildschweine der Hauptwirt für das ASP-Virus, über 90 Prozent der Ausbrüche betreffen die Schwarzkittel, nicht unsere Hausschweine. Für die Verbreitung über weite Strecken ist zwar eher der Mensch verantwortlich, doch das große Reservoir in der Wildschweinpopulation bleibt grundsätzlich der Hauptrisikofaktor für Ausbrüche in schweinehaltenden Betrieben.

Köderimpfung zur Seuchenkontrolle
Bei der Bekämpfung der klassischen Schweinepest hat man in Deutschland in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit der oralen Immunisierung von Wildschweinen gemacht: Die Impfung mittels präparierter Köder hat sich als weitaus erfolgreicher bei der Kontrolle des natürlichen Reservoirs erwiesen als Zäune oder jagdliche Maßnahmen. Doch für die ASP steht diese Möglichkeit bisher nicht zur Verfügung: Einen Impfstoff gibt es weder für Haus-, noch für Wildschweine.

Die genetische Komplexität des Virus, Wissenslücken betreffend der Mechanismen der Immunität und Infektion sowie technische Probleme erschweren die Entwicklung eines Impfstoffs. Inzwischen gab es jedoch einige Impf-Versuche bei Hausschweinen, in denen Lebendvakzine (im Gegensatz zu inaktivierten Impfstoffen) partiellen oder kompletten Schutz vor einer Infektion bieten konnten.

Impfstoff aus der Natur
Attenuierte Lebendimpfstoffe können u. a. aus dem Feld isoliert werden. Einen solchen schwach virulenten, nicht hämadsorbierenden Stamm (Lv17/ WB/Rie1), der 2017 aus einem erlegten Wildschwein in Lettland isoliert worden war, nutzten jetzt spanische Forscher, um die orale Vakzination von Wildschweinen gegen die ASP zu untersuchen. In einer vorhergehenden Studie hatte die experimentelle Infektion von zwei Hausschweinen mit diesem Stamm kompletten Schutz vor einem virulenten, hämadsorbierenden Virusstamm des Genotyps II (Arm07) geboten.

Impfung und Feuerprobe
Neun Frischlinge (Gehegewild) wurden geimpft. Weitere drei Frischlinge hatten ab Tag 0, 7 bzw. 15 nach der Vakzination Kontakt zu den geimpften Tieren. An Tag 30 folgte die Challenge: Die vakzinierten Tiere wurden mit vier Wildschweinen in Kontakt gebracht, die nicht geimpft und mit einem virulenten ASP-Virusstamm (ARm07) intramuskulär inokuliert worden waren. Ebenfalls an Tag 30 gesellten sich noch zwei weitere ungeimpfte Frischlinge als späte Kontakttiere zu allen anderen Schweinen. Die Gruppe wurde 24 Tage beobachtet, anschließend wurden die überlebenden Tiere euthanasiert und pathologisch untersucht.

Vielversprechende Premiere
Die orale Impfung mit Lv17/WB/ Rie1 konnte acht der neun geimpften Wildschweine gegen die darauffolgende Infektion mit dem virulenten Arm07 schützen: Sie entwickelten keine klinischen Symptome und überlebten. Auch die drei frühen Kontakttiere entwickelten Antikörpertiter und waren wirksam geschützt; oral geimpfte Tiere scheiden das Virus demnach auch aus. Sowohl die intramuskulär inokulierten Wildschweine als auch die späten Kontakttiere entwickelten eine klinische ASP-Symptomatik, nur die zwei späten Kontakttiere überlebten.

Damit ist diese Studie aus Spanien der erste Bericht über einen oral vermittelten Impfschutz bei Wildschweinen. Doch bevor Lv17/WB/Rie1 in Bekämpfungsprogrammen zum Einsatz kommen könnte, stehen weitere Studien zu Sicherheit und genetischer Stabilität der Vakzine an.


Originalpublikation:
Barasona JA, Gallardo C, Cadenas-Fernández E, Jurado C, Rivera B, Rodríguez-Bertos A, Arias M, Sánachez-Vizcaíno (2019): First Oral Vaccination of Eurasian Wild Boar Against African Swine Fever Virus Genotype II. Front Vet Sci 6: 137. DOI 10.3389/fvets.2019.00137.

Wildschwein im Wald.
Foto: Jan Schuler – Fotolia.com

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