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Kleine Rassen sind besonders häufig von einer Patellaluxation betroffen.
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Kleine Rassen sind besonders häufig von einer Patellaluxation betroffen.

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Operation bei medialer Patellaluxation

Eine retrospektive Studie vergleicht verschiedene chirurgische Techniken.

Wiederkehrende Lahmheiten unterschiedlichen Grades der Hintergliedmaße sind beim Hund nicht selten durch eine Funktionsstörung im Femoro-Patellargelenk bedingt. Dabei kann es durch unterschiedliche Faktoren zu einer vorübergehenden oder permanenten Luxation der Patella kommen. Zwar ist die Ursache dieser orthopädischen Erkrankung nicht vollständig geklärt, man geht jedoch davon aus, dass multiple Faktoren zu der Funktionsstörung beitragen. So dürfte die Ausprägung des Sulcus ebenso eine Rolle spielen wie die Beinachse und die Kinematik der gesamten Hintergliedmaße. Von Bedeutung für das Auftreten ist auch die Zucht besonders kleiner Hunderassen, bei welchen es nicht selten zu einer Patellaluxation nach medial kommt. Ab einem gewissen Ausprägungsgrad der Luxation bzw. Lahmheit stellt die chirurgische Behandlung die einzige Erfolg versprechende Behandlungsoption dar.

Verschiedene chirurgische Techniken angewandt

Dabei bedeutet die Versetzung der Tuberositas tibiae nach lateral im Sinne einer Korrektur der Zugrichtung der kranialen Oberschenkelmuskulatur einen bedeutenden Schritt. Entscheidend ist dabei die verlässliche Fixation der Tuberositas tibiae in der korrigierten Position. Nach herkömmlicher Methode wurde dies mittels Kirschnerdrähten in Verbindung mit einer Zuggurtung erreicht. Als Weiterentwicklung wurde auf die Kirschnerdrähte verzichtet und stattdessen eine Einschlagplatte entwickelt, welche die Tuberositas tibiae stützt und mit der Zuggurtung ergänzt wird. Schließlich wurde an der Einschlagplatte festgehalten und die Zuggurtung durch einen Sicherungsbügel ersetzt.

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Um die Wirkung dieser Entwicklungsschritte zu überprüfen, untersuchten Schweizer Tierärzte in einem retrospektiven Ansatz die Komplikationsraten der jeweils angewandten Operationstechnik. Dabei zeigte sich bei der Methode mit Einschlagplatte und Sicherungsbügel eine signifikant geringere Reoperationsrate als bei den vorgängigen Methoden. Die Wissenschaftler vermuten, dass dies in einer besseren Heilung der Tuberositas tibiae begründet liegt, da durch den gewählten Ansatz weniger Muskulatur im Bereich des proximalen Unterschenkels manipuliert werden muss. Zudem fällt das Risiko einer kontinuierlichen Reizung durch die Zuggurtung weg. Zwar müssen die Limitationen dieses retrospektiven Studienansatzes berücksichtigt werden, jedoch scheinen die Ergebnisse zum aktuellen Zeitpunkt überzeugend und weisen eindeutig auf die Vorzüge der neu entwickelten Operationsmethode hin.

Originalpublikation

Vögele C, Koch DA, Kircher P (2023): Vergleich der Reoperationsraten von drei Techniken zur Fixation der bei medialer Patellaluxation transponierten Tuberositas tibiae. Schweiz Arch Tierheilkd 165: 585–593. doi.org/10.17236/sat00403.

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