Schematische Darstellung der fünf Schallfenster des TFAST-Protokolls.
Foto: Julian Brandt

Kleintierpraxis

Nicht-kardiale Sonografie des Thorax

Non-cardiac Ultrasound of the thorax

Kleintierpraxis 67, 134–149

DOI: 10.2377/0023-2076-67-134

Publiziert: 03/2022

Zusammenfassung

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Im Alltag scheint die Thoraxsonografie in vielen Praxen noch keinen regelmäßigen Einsatz zu finden. Mit dieser Literaturübersicht soll ein Einblick in den nicht-kardialen Thoraxultraschall gegeben sowie durch die Aufführung der Vorteile und Möglichkeiten ein Anreiz geboten werden, dieses bildgebende Verfahren in der Praxis häufiger bei thorakalen Fragestellungen anzuwenden. Die Ultraschalluntersuchung des Thorax ist ein wichtiges und etabliertes Verfahren, um Veränderungen im Thorax in Ergänzung zum Röntgen genauer abzuklären. In einigen Fällen kann mithilfe des Ultraschalls und einer Probenentnahme eine Diagnose gestellt und so die Computertomografie als weiterführendes Diagnostikum ersetzt werden. Der Thoraxultraschall ist ein kosteneffektives Verfahren, das in vielen Tierarztpraxen verfügbar ist. Mithilfe des Ultraschalls lassen sich periphere Strukturen, wie die Thoraxwand, die Pleurahöhle, das Zwerchfell, das Mediastinum, sowie periphere Lungenveränderungen untersuchen. Dies erlaubt eine eingehende Untersuchung von zum Beispiel primären Neoplasien, Metastasen, Pneumothorax, Lungenkontusionen, Bissverletzungen, kardiogenen Ödemen, bakteriellen Pneumonien, Zwerchfellrupturen und Pleuraergüssen. Im Thoraxultraschall kommen, insbesondere in den belüfteten Lungenbereichen, verschiedene physikalische Phänomene vor, die eine direkte Visualisierung des Lungenparenchyms verhindern. Das Vorliegen oder Fehlen dieser Artefakte gibt Hinweise über den Belüftungszustand der Lunge und hilft so, eine Liste an Differenzialdiagnosen zu erstellen. Durch die Möglichkeit, unter sonografischer Kontrolle eine genaue Punktion durchzuführen, ist die Ultraschalluntersuchung eine wichtige Komponente auf dem Weg zur Diagnose, aber auch zur Stabilisation/Therapie bei Patienten mit einem Pneumothorax oder Pleuraerguss. Standardisierte Untersuchungstechniken, wie das „Vet BLUE“-Protokoll, ermöglichen einen vollständigen und vergleichbaren Lungenultraschall. In der Intensivmedizin bietet der TFAST-Untersuchungsgang zusätzlich die Möglichkeit, bei instabilen Intensivpatienten eine schnelle und vorläufige Diagnose ohne Verzögerung zu stellen.

Thoraxultraschall
nicht-kardial
Vet BLUE
TFAST

Summary

In everyday practice, there is still a certain hesitation regarding the use of thoracic ultrasound in patients with respiratory symptoms. The purpose of this literature review is to provide information about the use of non-cardiac thoracic ultrasound and to encourage the reader to use this imaging technique more frequently in practice for thoracic problems. The most important advantages and possibilities of non-cardiac thoracic ultrasound are presented. Ultrasound examination of the thorax is an important and established procedure to identify and further characterize lesions in the thorax in addition to X-rays. In some cases, a diagnosis can be obtained with the aid of ultrasound and ultrasound guided tissue sampling as for example fine needle aspiration or biopsy. Thoracic ultrasound is a cost-effective procedure that is available in many veterinary practices. Ultrasound can be used to examine peripheral structures such as the thoracic wall, pleural cavity, diaphragm, mediastinum, and peripheral lung lesions. This allows for a detailed examination of, for example, primary neoplasms, metastases, pneumothorax, pulmonary contusions, bite wounds, cardiogenic edema, bacterial pneumonias, diaphragmatic ruptures, and pleural effusions. Several physical phenomena occur in thoracic ultrasound, particularly in the ventilated lung regions, that prevent direct visualization of the lung parenchyma. The presence or absence of these artifacts, however, provide information about the ventilated state of the lung and thus help to establish a list of differential diagnoses. With the ability to perform accurate thoracocentesis under sonographic guidance, ultrasonography is an important component in the path to diagnosis, as well as stabilization/therapy in patients with pneumothorax or pleural effusion. Standardized examination techniques, such as the so-called “Vet BLUE”-protocol, allow comparable lung ultrasound. In intensive care medicine, the TFAST-examination procedure additionally offers the possibility to make a quick and preliminary diagnosis without delay in unstable intensive care patients.

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non-cardiac
Vet BLUE
TFAST

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