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Kleintierpraxis

Neuronale Speicherkrankheit bei einem ausgewachsenen weiblichen Kaninchen

Neuronal storage disease in an adult female rabbit

Kleintierpraxis 65, 656–665

DOI: 10.2377/0023-2076-65-656

Publiziert: 12/2020

Zusammenfassung

Ein zwei Jahre altes weibliches Kaninchen aus einem größeren Kaninchenbestand zeigte innerhalb eines einjährigen Krankheitsverlaufs Verhaltensänderungen in Form von hochgradiger Schreckhaftigkeit, Hyperästhesie, Orientierungslosigkeit, Ataxie, Visusverlust, Phantomkratzen, epileptischen Anfällen sowie eine hochgradige Dermatitis in der Nasenregion. Die Diagnose in vivo lautete: progressive neurologische Dysfunktion, welche neuro­anatomisch wahrscheinlich aus einer bilateralen multifokal intrakraniellen Läsion unter Beteiligung des Großhirns resultierte. Aufgrund des progressiven Krankheitsverlaufs und mangelnder Lebensqualität wurde das Kaninchen euthanasiert. Bei der Sektion des Tieres wurde im Großhirn ein beidseitiger symmetrischer Hydrocephalus internus diagnostiziert. Histologisch wurde multifokal in den Neuronen des Großhirns, Hippokampus, Kleinhirns, Stammhirns und Rückenmarks eine Akkumulation eines eosinophilen, teils granulären Materials festgestellt. Pathomorphologisch wurde dementsprechend eine neuronale Speicherkrankheit diagnostiziert. Diese Befunde korrelieren sowohl mit dem klinischen Bild als auch pathomorphologisch mit den bei Menschen und Tieren diagnostizierten Speicherkrankheiten, wie beispielsweise Gangliosidosen oder Ceroid-Lipofuszinosen. Speicherkrankheiten sind bei Kaninchen in der Literatur bisher sehr selten beschrieben. Dieser Fallbericht beschreibt die Existenz wenig bekannter neurologischer Dysfunktionen bei einem Kaninchen, die mit einem mannigfaltigen klinischen Bild einhergehen. Es wird deutlich, wie schwierig die Diagnosestellung in vivo ist, welche letztlich nur pathomorphologisch verifiziert werden kann. Der spezielle Symptomkomplex ermöglicht allerdings eine klinische Verdachtsdiagnose und vereinfacht über ein diagnostisches Ausschlussverfahren die Abgrenzung zu anderen neurologischen Erkrankungen.
 

Enzymdefekt
Erbkrankheit
neurologische Dysfunktion
Heimtiere

Summary

At the age of two years, a female rabbit was presented due to behavioural changes, acute anxiety, hyperaesthesia, disorientation, ataxia, loss of vision, phantom scratching, epileptic seizures and a severe nasal dermatitis; all of which progressed within the following twelve months. The in vivo diagnosis was a progressive neuronal dysfunction, which probably had resulted neuroanatomically from a bilateral multifocal intracranial lesion involving the cerebrum. Due to the progressive deterioration of its clinical signs and poor quality of life, the rabbit was euthanised. At necropsy, a symmetrical internal hydrocephalus of the lateral ventricles was present. Histologically, neurons of the cerebrum, hippocampus, cerebellum, brain stem and spinal cord were enlarged due to the accumulation of an eosinophilic, partially granular intracytoplasmic material, which led to the diagnosis of a neuronal storage disease. These results correlate with the clinical signs und pathomorphogical findings of human and veterinary storage diseases like gangliosidosis or ceroid lipofuscinosis. Storage diseases have been rarely described in rabbits. This case report reports shows  a rarely described neurological dysfunction in a rabbit, which was accompanied by various clinical signs. The final diagnosis of storage diseases is often complicated in vivo and has to be verified pathomorpholo­gically. However, the complex signs observed in such cases facilitate a suspected diagnosis and help to differentiate it from other neurological disorders using a diagnostic exclusion process.

enzyme defect
hereditary disease
neurological dysfunction
Small mammals

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