Journal Club Logo

Journal Club

Neuigkeiten vom Weidefieber bei Milchkühen

Das durch Anaplasma phagocytophilum verursachte Weidefieber wurde 2010 erstmals bei Milchkühen in NRW nachgewiesen. Die betroffene Herde wurde zum Forschungsgegenstand und liefert neue Einsichten.

Gegen das Weidefieber (englisch „tickborne fever“ und älteren Kollegen noch als „Ehrlichiose“ geläufig) kann man nicht impfen und die wirtschaftlichen Verluste können erheblich werden. Der Erreger lässt sich von Ixodes ricinus durch die Welt tragen und versteckt sich gern in Wildtieren. Doch seine Machenschaften wurden nun über eine Weidesaison analysiert und er musste viele Informationen preisgeben.

Erstkalbinnen werden krank
Die Untersucher nahmen 533 Proben von 58 Rindern, 310 Zecken, drei Rehen und einem Wildschwein unter die Lupe. Die Rinder wurden außerdem klinisch überwacht. Innerhalb der Saison serokonvertierten 76 Prozent der Tiere. Nachdem die Herde im Mai erstmals auf die befallene Weide gebracht wurde, wurden 15 Erstkalbinnen PCR-positiv und 13 davon klinisch krank (6 Tiere nach 8–13 Tagen, weitere 5 Tiere nach 21–44 Tagen und zwei Tiere erst im Herbst). Von den 39 älteren Kühen wurde nur ein einziges Tier PCR-positiv, leider liegen für diese Kuh keine klinischen Daten vor. Es gab keine Aborte. Alle kranken Tiere erholten sich ohne Antibiose im Schnitt innerhalb einer Woche. Im Lauf des Sommers wurden bei fünf Erstkalbinnen Re- und Superinfektionen nachgewiesen, die aber klinisch unauffällig blieben.

Keine einheitliche Genetik
Die genetischen Analysen ergaben ein sehr heterogenes Bild. Man fand fünf Varianten des 16S rRNA-Gens, zwei Varianten des groEL-Gens, drei Varianten beim msp2-Gen und vier beim msp4-Gen, die noch dazu unterschiedlich kombiniert waren. Allerding deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Rehe, obwohl sie im selben Verbreitungsgebiet lebten ( < 1 km2), andere Erregervarianten beherbergten als die Kühe.

Fazit
Vorausgegangene Infektionen mit A. phagocytophilum schützen nicht vor Neuinfektion, aber vor klinischen Erscheinungen. Deshalb empfiehlt sich in betroffenen Gebieten, die Färsen vor der ersten Trächtigkeit auf befallene Weiden zu bringen, sodass die Erstinfektion und entsprechende Immunantwort vor der ersten Laktation erfolgen.

Originalpublikation:
Silaghi C, Nieder M, Sauter-Louis C, Knubben-Schweizer G, Pfister K, Pfeffer M (2018): Epidemiology, genetic variants and clinical course of natural infections with Anaplasma phagocytophilum in a dairy cattle herd. Parasit Vectors 11: 20. DOI: 10.1186/s13071-017-2570-1.