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Pferdemaul und Nüstern
Nose of the horse in the contemporary stable - selective focus

Journal Club

Nasenbluten beim Pferd

Epistaxis: Ein genaues Einschätzen der Situation ist bei Pferden mit akutem Nasenbluten für das weitere Vorgehen von großer Bedeutung.

Eine Epistaxis kann bei vielen Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege des Pferdes auftreten. Während leichte Blutungen selbstlimitierend sind, muss profuses Nasenbluten stets als Notfall betrachtet werden. Wichtig ist es festzustellen, woher die Blutung kommt und welche Ursache sie hat. Die häufigsten Ursachen sind

  • Traumata von Nase oder Nasennebenhöhlen,
  • Traumata des Hirnschädels,
  • progressive Siebbeinhämatome,
  • Luftsackmykosen und
  • belastungsbedingte Lungenblutungen (exercise-induced pulmonary haemorrhage, EIPH).

Darüber hinaus können eine Reihe systemischer Erkrankungen mit Nasenbluten einhergehen. Bei Importpferden müssen auch exotische Ursachen bedacht werden, wie die equine infektiöse Anämie (EIA) oder der Rotz. Nicht zuletzt kann es durch tierärztliche Maßnahmen, wie das Setzen der Nasenschlundsonde, zu Blutungen kommen.

Anamnese: Handelt es sich um einen Notfall?

Wenn man als Tierarzt zu einem Pferd mit Nasenbluten gerufen wird, beginnt die Einschätzung der Situation mit der sorgfältigen Anamneseerhebung am Telefon. Um zu beurteilen, ob es sich um einen Notfall handelt, sollte in Erfahrung gebracht werden, wieviel Blut das Pferd schon verloren hat und wie dieses aussieht, wann die Blutung begonnen hat und ob sie noch anhält, ob das Nasenbluten einseitig oder beidseitig besteht, ob Verletzungen im Kopfbereich zu sehen sind und ob bei dem Tier bereits früher Nasenbluten aufgetreten ist. Bei der Luftsackmykose können mehrere leichte Blutungsepisoden einer fatalen Blutung vorausgehen. Diese tritt dann häufig innerhalb von drei Wochen nach der ersten Blutung auf.

Klinische Untersuchung: Wie groß ist der Blutverlust?

Bei der klinischen Untersuchung ist neben einer allgemeinen Untersuchung zunächst zu klären, wieviel Blut der Patient verloren hat. Ab einem Blutverlust von vier Litern muss bei einem ausgewachsenen Warmblutpferd mit einem hypovolämischen Schock gerechnet werden. Dieser ist klinisch gekennzeichnet durch allgemeine Schwäche, blasse Schleimhäute, einen schwachen Puls und Tachykardie. Die Bestimmung von Hämatokrit und Gesamteiweiß bietet oft keinen Anhaltspunkt, da diese Werte durch die Milzentspeicherung beim Pferd erst mit 12 bis 24 Stunden Verzögerung abfallen. Ein weiterer wichtiger Untersuchungsschritt ist die äußere Untersuchung des Kopfes auf Abschürfungen, Schwellungen, Asymmetrien, Krepitationen, Schmerzhaftigkeit. Es folgt die Perkussion der Nebenhöhlen und eine sorgfältige neurologische Untersuchung.

Therapie und weitere Diagnostik

Pferde mit einer Epistaxis sollten in eine ruhige Box gebracht werden, möglichst auch ohne aufgeregte Besitzer. Es kann versucht werden, die Blutung zu stillen, indem das Siebbein unter dem Auge von außen mit einem eisgefüllten Handtuch gekühlt wird. Auch eine Tamponade kann versucht werden. Dabei sind nur große Tupfer zu verwenden, die leicht wieder entfernt werden können. Wenn möglich werden diese mit Phenylephrin/Epinephrin getränkt. Achtung: Es darf immer nur ein Nasenloch tamponiert werden, da Pferde obligatorische Nasenatmer sind.

Bei stabilem Kreislauf kann in niedriger Dosierung (0,02 mg/kg) Azepromazin angewendet werden, um den Blutdruck zu senken. Bei sehr starken Blutungen oder bei Schockgefahr darf diese Therapie nicht angewendet werden. In diesen Fällen ist eine Infusion (20–80 ml/kg über mehrere Stunden) oder bei Bedarf auch eine Bluttransfusion angezeigt.

Grundsätzlich sollte versucht werden, Pferde mit unstillbaren Blutungen in eine Klinik zu überweisen. Als Ultima Ratio kann eine Ligatur der A. carotis communis versucht werden. Dieser Eingriff ist schwierig und kann zu neurologischen Ausfällen und Blindheit führen. Ein Weiterbluten durch retrograden Blutfluss ist möglich. Medikamente mit möglicherweise blutstillender Wirkung, aber mit unbekanntem Risiko und arzneimittelrechtlichen Problemen wären: Formalin (50 ml 10 % F. in 2 l 0,9% NaCl i. v.) oder Epsilon- Aminocapronsäure (10–20 ml/kg i. v. als DTI). Um die Ursache der Blutung genau abzuklären, ist die Endoskopie die Untersuchungsmethode der Wahl. Auch Röntgen, Sinuskopie und CT/MRI können weitere Erkenntnisse bringen. In besonderen Fällen sind Ultraschall, Szintigrafie, Biopsien, BAL und Laboruntersuchungen hilfreich.

Originalpublikation:
Schwarz B (2011): Diagnostische Vorgehensweise bei Pferden mit Epistaxis. Pferdespiegel 14 (3) 111–118.

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