Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift Logo

Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) in der Veterinärmedizin: ein „New Emerging Pathogen“?

Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift 119

Publiziert: 05/2006

Zusammenfassung

In der Veterinärmedizin muss dem Problem nosokomialer Infektionen zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt werden. In diesem Beitrag wird stellvertretend die Gruppe der Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) besprochen, da sie in der Humanmedizin weltweit die wichtigsten Erreger nosokomialer Infektionen sind und zunehmend auch in der Veterinärmedizin beschrieben werden. Kennzeichnend für MRSA ist der Erwerb des für die Resistenz gegen Oxacillin/Methicillin verantwortlichen mecA-Gens durch horizontalen Gentransfer einer Staphylokokken-Genkassette (SCCmec). Aufgrund dieser genetischen Information sind MRSA gegen alle Penicilline, Cephalosporine und Carbapeneme resistent. Darüber hinaus sind MRSA häufig gegen zahlreiche weitere Antiinfektiva unempfindlich, z. B. gegen Aminoglykoside, Makrolide, Lincosamide, Streptomycine, Tetrazykline, Chloramphenicol aber auch gegen Fluorquinolone und Rifampicin. Vermutlich sind diese oft hoch adaptierten Stämme besonders gut in der Lage, weitere Resistenzgene, die auf Plasmiden oder Transposons lokalisiert sind, zu erwerben, sowie Resistenzen durch Punktmutationen zu generieren. Kommt es zu klinisch apparenten Infektionen, stehen den behandelnden Tierärzten im schlimmsten Fall keine Therapeutika mehr zur Verfügung. Im Zusammenhang mit der bekannt hohen Tenazität von Staphylococcus aureus ist deshalb ein professionelles Hygienemanagement von zentraler Bedeutung. Die zunehmende Zahl publizierter sporadischer MRSA-Infektionen, MRSA-Infek-tionskrankheiten sowie MRSA-Ausbrüche in der Veterinärmedizin erlaubt die Einschätzung von MRSA als „New Emerging Pathogen“. Im Mittelpunkt dieser Berichte stehen derzeit Hunde und Pferde. Sporadisch wird über eine Transmission zwischen Mensch und Tier berichtet, derzeit sind dennoch die Infektionsquellen, Transmissionsrouten oder die epidemiologische Bedeutung animaler MRSA ungeklärt. Deshalb sind epidemiologische Studien unter Einsatz molekularer Typisierungsverfahren zwingend erforderlich. Aus der Vielzahl der genbasierter Methoden werden derzeit die Multilocus-Sequenz-Typisierung (MLST), die Puls-feld-Gelelektrophorese (PFGE), die Sequenzanalyse des Protein A-kodierenden Gens (spa-Typisierung) sowie die SCCmec-Typisierung in der Veterinärmedizin eingesetzt.

Summary

The problem of nosocomial infections is of increasing importance in veterinary medicine. As an example, this review summarizes current knowledge regarding methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA) as a typical example, as these pathogens are the most important agents of nosocomial infections in human medicine worldwide and are being increasingly reported in veterinary medicine. MRSA are classified by their ability to be resistant against oxacillin/methicillin, this feature being confered by mecA, a gene which was acquired by horizontal gene transfer of the staphylococcal gene cassette (SCCmec). It is this genetic information that enables MRSA to be resistant against all penicillins, cephalosporins and carbapenems. In addition, MRSA are often resistant against a variety of other antiinfectives, i. e. aminoglycosides, macrolides, lincosamide, streptomycins, tetracyclin, chloramphenicol, but also against fluorquinolones and rifampicin. Presumably, these highly adapted strains are particularly able to acquire resistance genes located on plasmids or transposons. They are also able to develop point mutations, further leading to resistant phenotypes. If these pathogens are leading to infectious diseases, veterinarians may be confronted with a worst-case scenario, being left without any antiinfective therapeutic. As Staphylococcus aureus is highly tenacid, professional hygiene management is of utmost importance. The increasing number of published sporadic MRSA infections, MRSA-infectious diseases as well as MRSA outbreaks in veterinary medicine justifies their recognition as a „New Emerging Pathogen“. So far, horses and dogs are mostly affected by MRSA. Although transmission between humans and animals has been reported occasionally, the sources, routes of transmission or the epidemiological relevance of MRSA infections in animals are far from being understood. Therefore, epidemiological investigations utilizing molecular typing tools are mandatory. Typing tools like multilocus-sequence-typing (MLST), pulsefield-gelelectrophoresis (PFGE), sequence analysis of the gene encoding protein A (spa-typing) as well as SCCmec-typing are all at hand.

Jetzt anmelden und weiterlesen!

Die Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift bietet Ihnen begutachtete Originalarbeiten, Übersichtsartikel und Fallberichte. Als Abonnent haben Sie online Zugriff auf aktuelle und archivierte Fachartikel.
Berliner und Münchener Tierärztliche Wochenschrift offers you peer- reviewed original articles, reviews and case studies. As a subscriber you have online access to recent articles as well as our archive.

Jetzt kostenfrei registrieren!

Sie sind Tierarzt und noch nicht auf vetline.de registriert? Melden Sie sich jetzt an und sichern Sie sich kostenfrei Zugriff auf viele interessante Fachbeiträge und News aus der Welt der Tiermedizin. Für unsere treuen vetline.de-Nutzer: Aus Sicherheitsgründen konnten wir bei der Umstellung auf das neue System Ihre Anmeldedaten leider nicht übernehmen. Bitte vergeben Sie hier ein neues Passwort für Ihr Benutzerkonto und stöbern Sie dann wieder nach Herzenslust.